Das zinstragende Kapital

Das zinstragende Kapital

Das Kapital ist eine prozessierende Einheit aus Produktion und Zirkulation. Als diese Einheit muss es allerdings erst im Zuge der genetischen Darstellung entwickelt werden. Dies geschieht, indem im ersten Band zunächst allein die Zirkulation, unter Abstraktion vom Kapital, Gegenstand der Darstellung ist. In der Wirklichkeit ist die einfache Zirkulation die abstrakteste Sphäre der kapitalistischen Produktionsweise und in diesem Sinne Resultat des kapitalistischen Reproduktionsprozesses. In der theoretischen Darstellung dieser Wirklichkeit ist die einfache Zirkulation Voraussetzung des Begreifens des Kapitals. Die auf der Darstellungsebene der einfachen Zirkulation nachvollzogene Verselbständigung des Werts zum Kapital als sich verwertender Wert leitet sodann zur Analyse des kapitalistischen Produktionsprozesses über. Der Untersuchungsgegenstand des ersten Bandes insgesamt ist somit das Kapital als Einheit von Produktion und Zirkulation, wobei der Produktionsprozess des Kapitals (Wertübertragung, Wertbildung, d.h. Reproduktion des Werts der Arbeitskraft und Verwertung, d.h. Mehrwertproduktion) dargestellt wird. Der Untersuchungsgegenstand des zweiten Bandes ist das Kapital als Einheit von Produktion und Zirkulation, wobei der Zirkulationsprozess des Kapitals (seine formellen Zirkulationsmetamorphosen, sein Kreislauf und Umschlag sowie die daraus entspringenden Formbestimmungen) dargestellt wird.1 Der Untersuchungsgegenstand des dritten Bandes ist das Kapital als diese Einheit von Produktion und Zirkulation selbst.2
Die nächste Form, die aus dem Kapital als gesetzter Einheit von Produktion und Zirkulation hervorwächst, ist der Profit als die verwandelte Gestalt des Mehrwerts (Erster Abschnitt: „Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit und der Rate des Mehrwerts in Profitrate“). Auf der Darstellungsebene dieses ersten Abschnitts sind Mehrwert und Profit noch nur qualitativ verschieden: der Profit ist bestimmt als Erscheinungsform des Mehrwerts. Im zweiten Abschnitt („Die Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit“) wird die Konstitution der allgemeinen Profitrate betrachtet und in eins damit die des Durchschnittsprofits sowie die Verwandlung der Werte in Produktionspreise. Hier zeigt sich, dass für das Einzelkapital im Normalfall3 Mehrwert und Profit auch quantitativ voneinander abweichen. Gemeinsames Thema der Abschnitte vier („Verwandlung von Warenkapital und Geldkapital in Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital“), fünf („Spaltung des Profits in Zins und Unternehmergewinn. Das zinstagende Kapital“) und sechs („Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente“) ist das Auseinanderfallen des in Profit verwandelten Mehrwerts in wiederum verschiedene, gegeneinander verselbständigte Kategorien: Unternehmergewinn, merkantiler Profit, Geldhandlungsprofit, Zins und Grundrente.

Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital

Bevor wir uns den Kapiteln 21 bis 24 des fünften Abschnitts, der das zinstragende Kapital abhandelt, zuwenden, ist eine kurze Rekapitulation des vierten Abschnitts nötig. Die Betrachtung der Metamorphosen des Kapitals und ihres Kreislaufs im ersten Abschnitt des zweiten Bandes hatte gezeigt, dass die Teile des industriellen Kapitals in ihrem Gesamtkreislauf sukzessive die Formen von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital annehmen und durch den Vollzug der jeweiligen Funktion wieder abstreifen;4 des weiteren, dass sich das industrielle Kapital als Ganzes seiner Teile permanent in diesen drei Funktionsformen befindet.
„Daß Geldkapital, Produktives Kapital, Waarenkapital keine besondren Kapitalarten, sondern nur die unterschiednen functionell bestimmten Formen oder wechselnden Zustände desselben prozessierenden Kapitalwerths sind, die er in bestimmten Stadien seines Kreislaufs annimmt und abstreift, um zu seiner ursprünglichen Form zurückzukehren, und dann denselben Kreislauf von Formen von neuem zu beschreiben, ist eine sehr elementarische Einsicht. Die Politische Oekonomie ist jedoch nie zur Klarheit darüber gelangt, wie der Leser näher im 4. Buch, das die Geschichte der Theorie behandelt, sehn wird. Der Grund ist sehr einfach. Sie nimmt die Erscheinungsformen der ökonomischen Verhältnisse in der festen, fertigen Gestalt, worin sie sich auf der Oberfläche bieten, ohne den verborgnen Entwicklungsprozeß dieser Formen zu erforschen. In der Erscheinung, und dieß verwirrt den durch den Schein beherrschten Beobachter, verknöchern und verselbständigen sich Formen und Funktionen, die der Kapitalwerth in einem besondren Stadium seines Kreislaufs annimmt, die also blosse Momente seiner Bewegung bilden. Sie erscheinen daher als Funktionen einer besondren Kapitalart oder als ausschließliche Function einer besondren Sorte von Kapitalisten. Näher wird sich dies im III Buch zeigen.“5
Der vierte Abschnitt des dritten Bandes („Verwandlung von Warenkapital und Geldkapital in Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital“) unternimmt es, die besonderen Erscheinungsformen der Funktionsformen Warenkapital und Geldkapital in ihrer festen, fertigen Gestalt zu entwickeln, in ihrer Verknöcherung und Verselbständigung als Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital.6 Warenkapital wird Warenhandlungskapital und Geldkapital wird Geldhandlungskapital, wenn der Vollzug der Funktionen dieser Formen durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit jeweils zum besonderen Geschäft eines selbständigen Einzelkapitals wird.7 Dies ist möglich, weil sich, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, ein (stets wechselnder) Teil desselben permanent in der Form von Zirkulationskapital (Warenkapital und Geldkapital) befindet.8 Demnach vollzieht das Warenhandlungskapital in seiner reinen Form9 nichts als die Funktion des Warenkapitals, d.h. den Verkauf oder die Umsetzung des verwerteten Kapitalwerts aus Warenform in Geldform; und das Geldhandlungskapital in seiner reinen Form10 nichts als die Funktion der technischen Verwaltung der Geldzirkulation (Geldeinnahme und Geldausgabe, Geldtransport, Vermittlung und Ausgleich der Zahlungen, Verwaltung der verschiedenen Geldkapitalfonds, Wechslergeschäft und Barrenhandel). Diese Funktionen wurden als solche bereits im zweiten Band abgehandelt.11 Dabei wurde deutlich, dass diese formellen, der Zirkulationssphäre angehörigen Metamorphosen zwar notwendig sind, aber an und für sich unproduktiv in dem Sinne, dass sie weder Wert noch Mehrwert erzeugen (sogenannte faux frais). Im Gegenteil stellen sie Zirkulationskosten (im weiteren Sinne) dar: Sie kosten reine Zeit, Zirkulationszeit, und negieren somit mögliche Verwertungszeit; und darüber hinaus verursachen sie Zirkulationkosten (im engeren Sinne), d.h. positive Ausgaben sowohl für Arbeitskraft als auch für Produktionsmittel, negieren also auch wirkliche Verwertungszeit. Daran ändert sich nichts, wenn diese Funktionen durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit zu besonderen Funktionen selbständiger Kapitale werden.12
Daraus folgt für den kaufmännischen Profit, d.h. den Profit des reinen Warenhandlungskapitals und reinen Geldhandlungskapitals auf ihre jeweiligen Kosten: Er kann letztlich nur aus dem vom industriellen Kapital produzierten Mehrwert herrühren. Dies geschieht, indem sowohl Warenhandlungskapital als auch Geldhandlungskapital als Teile des gesellschaftlichen Gesamtkapitals von vornherein in die Bildung der Durchschnittsprofitrate eingehen,13 die erst jetzt ihre „fertige Gestalt“14 erlangt hat. Umgekehrt führt die Verselbständigung von Warenkapital zum Warenhandlungskapital und von Geldkapital zum Geldhandlungskapital indirekt zu einer Erhöhung der Durchschnittsprofitrate, indem Zirkulationszeit und Zirkulationskosten des gesellschaftlichen Gesamtkapitals vermindert werden durch die Ökonomisierungseffekte, die aus der gesellschaftlichen Teilung der Zirkulationsarbeit resultieren.15

Die Kategorie des zinstragenden Kapitals

Mit der Entwicklung der Verselbständigung des Warenkapitals (als einer Funktionsform des industriellen Kapitals) zum Warenhandlungskapital und des Geldkapitals (als einer Funktionsform des industriellen Kapitals) zum Geldhandlungskapital ist das reproduktive Kapital fertig bestimmt. Es umfasst industrielles Kapital, Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital.16 Resümieren wir die für die weitere Darstellung wesentlichen Bestimmungen des reproduktiven Kapitals: Der zum Kapital verselbständigte Wert kann „nur als Bewegung und nicht als ruhendes Ding begriffen werden“17. Im Kapital wird der Wert zum „automatischen Subjekt“18, Kapital ist „prozessierender Wert“19. Die Form der Kapitalbewegung ist die eines Kreislaufs. Der Kreislauf des Geldkapitals ist diejenige Kreislaufsform, die die Bewegung sowohl des industriellen Kapitals (G-W…P…W‘-G‘) als auch des Warenhandlungskapitals (G-W-G‘) und des Geldhandlungskapitals (G-G‘) beschreibt.20 Kapitalwert wird in Geldform vorgeschossen und kehrt zu seinem Ausgangspunkt in Geldform zurück, vermehrt um den Durchschnittsprofit.21 Der Vorschuss des Kapitalwerts in Geldform und der Rückfluss des um den Durchschnittsprofit vermehrten Kapitalwerts in Geldform finden für alle individuellen Kapitale als Bruchstücke des gesellschaftlichen Gesamtkapitals statt, wie die Betrachtung der Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals zeigte. Einen normalen Verlauf der Reproduktion unterstellt, gilt das allgemeine Gesetz des Rückflusses des vorgeschossenen Geldes zu seinem jeweiligen Ausgangspunkt. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise gilt somit allgemein, dass der in Geld vorgeschossene Kapitalwert erstens zu seinem jeweiligen Ausgangspunkt zurückkehrt (vermittelt über die Erhaltung des Kapitalwerts durch Wertübertragung von c und Reproduktion von v) und zweitens zurückkehrt vermehrt um den Durchschnittsprofit (Verwertung des Kapitalwerts durch Mehrwertproduktion).
Ferner hatte sich bei Betrachtung des Kreislaufs (Band II, Abschnitt 1) und des Umschlags (Band II, Abschnitt 2) des individuellen Kapitals unter Annahme der naturwüchsigen Geldzirkulation (d.h. unter methodischer Abstraktion vom Kreditsystem) ergeben, dass die Schatzbildung ein dem kapitalistischen Reproduktionsprozess immanentes Moment ist: Der Kapitalumschlag beinhaltet die Bildung von vier Geldkapitalfonds (Reservefonds von Kauf- und Zahlungsmitteln, Amortisationsfonds, Geldakkumulationsfonds, aus dem Umschlagsmechanismus selbst freigesetztes Geldkapital), er führt also zur Freisetzung und zum temporären Brachliegen von Geldkapital. Es ist dies Wert in Geldform bestimmt zur Verwertung, der aber gerade um der Verwertung willen momentan brachliegt, also „passives“22 Geldkapital. Nun hat aber Geld auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise neben seinem Gebrauchswert als Geld einen zusätzlichen Gebrauchswert. Dieser zusätzliche Gebrauchswert des Geldes – und dies kann erst jetzt, nach der fertigen Bestimmung des reproduktiven Kapitals, dargestellt werden – liegt darin, dass es mögliches Kapital ist; Geld hat den zusätzlichen Gebrauchswert, als reproduktives Kapital fungieren zu können und so den Durchschnittsprofit abzuwerfen.23 Dieser Gebrauchswert des Geldes als Kapital, d.h. als den Durchschnittsprofit produzierendes Ding kann an andere veräußert werden24 – das Geld in dieser seiner zusätzlichen Eigenschaft als mögliches Kapital wird so zur Ware. Aber es ist eine „Ware sui generis“25, denn hier wird „Kapital als Kapital zur Ware.“26 Wird das temporär brachliegende, passive Geldkapital also aufgrund seines Gebrauchswerts als mögliches Kapital an Andere veräußert, verwandelt es sich in zinstragendes Kapital.
Die Darstellung des zinstragenden Kapital setzt also voraus zum einen die Entwicklung der Freisetzung temporär brachliegenden Geldkapitals, zum anderen die vollendete Entwicklung des reproduktiven Kapitals, denn nur dann wird deutlich, warum dieses Geldkapital einen zusätzlichen Gebrauchswert als mögliches Kapital erlangt.27 Die derart entwickelte Kategorie des zinstragenden Kapitals bildet den Untersuchungsgegenstand der Kapitel 21 bis 24 des fünften Abschnitts.28 Dieser Untersuchungsgegenstand kann wie folgt umrissen werden: Einerseits ist von vornherein klar, dass das zinstragende Kapital als eine konkretere Kategorie vom reproduktiven Kapital (industrielles oder kaufmännisches) unterschieden ist: Zwar fungieren das industrielle Kapital und seine verselbständigten Ableger Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital innerhalb des Zirkulationsprozesses als Warenkapital und Geldkapital. Aber weder im Warenkapital noch im Geldkapital zirkuliert das Kapital wie im zinstragenden Kapital als Kapital oder, wie Marx sich ausdrückt, „in beiden Formen wird das Kapital nicht als Kapital zur Ware.“29 Im Zirkulationsprozess selbst fungiert das Warenkapital nur als Ware, das Geldkapital nur als Geld. Warenkapital und Geldkapital sind Ware und Geld hier nur, weil es Formen sind, die der Kapitalwert in seinem Kreislauf annehmen und wieder abstreifen muss. Ware ist Warenkapital und Geld ist Geldkapital nicht im Zirkulationsakt als solchem, nicht aufgrund der ihnen als solchen zukommenden Funktionen (Verkauf und Kauf), sondern aufgrund des Zusammenhangs dieser ihrer Funktionen mit der Gesamtbewegung des Kapitals:30
„Soweit sie wirklich fungieren, wirklich im Prozeß ihre Rolle spielen, wirkt hier Warenkapital nur als Ware, Geldkapital nur als Geld. In keinem einzelnen Moment der Metamorphose, für sich betrachtet, verkauft der Kapitalist Ware als Kapital an den Käufer, obgleich sie für ihn Kapital vorstellt, oder veräußert er das Geld als Kapital an den Verkäufer. In beiden Fällen veräußert er die Ware einfach als Ware und das Geld einfach als Geld, als Kaufmittel von Ware.31 (…) Anders aber verhält es sich mit dem zinstragenden Kapital, und grade dies bildet seinen spezifischen Charakter. Der Geldbesitzer, der sein Geld als zinstragendes Kapital verwerten will, veräußert es an einen dritten, wirft es in Zirkulation, macht es zur Ware als Kapital; nicht nur als Kapital für ihn selbst, sondern auch für andre; es ist nicht bloß Kapital für den, der es veräußert, sondern es wird dem dritten von vornherein als Kapital ausgehändigt, als Wert, der den Gebrauchswert besitzt, Mehrwert, Profit zu schaffen; als ein Wert, der sich in der Bewegung forterhält und zu seinem ursprünglichen Ausgeber, hier dem Geldbesitzer, nachdem er fungiert hat, zurückkehrt.“32
Wenn der charakteristische Unterschied des zinstragenden Kapitals gegenüber dem reproduktiven Kapital also darin liegt, dass das zinstragende Kapital von vornherein als Kapital zirkuliert, und als solche vom reproduktiven Kapital distinkte Kategorie zum Untersuchungsgegenstand der Kapitel 21 bis 24 wird, so muss hinsichtlich der Abgrenzung dieses Untersuchungsgegenstands andererseits bemerkt werden, dass hier das zinstragende Kapital auch nur in seiner allgemeinen Gestalt als grundlegende Form des Kredits untersucht wird. Das Kreditsystem selbst wie die besonderen Formen, in welchen sich das zinstragende Kapital im Kreditsystem darstellt, werden erst später analysiert.33
Betrachten wir in einem ersten Schritt die eigentümliche Zirkulationsform und in eins damit die eigentümliche Art der Veräußerung des zinstragenden Kapitals.34 Vom Standpunkt des kapitalistischen Reproduktionsprozesses stellt sich die Bewegung des zinstragenden Kapitals als G – G – W – G‘ – G‘ dar. Es findet hier eine doppelte Verausgabung des Geldes als Kapital statt und ein dementsprechender doppelter Rückfluss des Geldes als realisiertes Kapital.35 Mit dem zinstragenden Kapital, also der Veräußerung von brachliegendem Geld bzw. Geldkapital als Kapital an einen seienden oder werdenden reproduktiven Kapitalisten, verdoppelt sich das Kapital in einen bloßen Eigentumstitel einerseits und in fungierendes Kapital andererseits.36 Diese Verdopplung des Kapitals in einen Eigentumstitel und in reproduktives Kapital ist jedoch eine bloß fiktive Verdopplung. Denn es ist ein- und derselbe Kapitalwert, der für zwei verschiedene Personen Kapital vorstellt.37 Dies drückt sich in der eigentümlichen Art der Veräußerung des Geldes als Kapital beziehungsweise des Kapitals als Ware sui generis aus: Weil das Geld als Kapital veräußert wird – d.h. als prozessierender Wert, der einen Kreislauf beschreibt, in dem er sich erhält und vermehrt; als Wert, der vorgeschossen und verwertet zu seinem Ausgangspunkt zurückfließt – wird es weggegeben unter der Bedingung der Rückerstattung nach bestimmter Zeit. Es wird verliehen.38 Voraussetzung dieser juristischen Transaktion zwischen Verleiher und Borger (G – G‘) ist jedoch das wirkliche Fungieren des reproduktiven Kapitals (G – W – G‘).39

Die quantitative Teilung des Profits: Zins und Zinsfuß

Betrachten wir nun den Zins.40 Aufgrund der fiktiven Verdopplung des Kapitals durch das zinstragende Kapital, d.h. also aufgrund der Tatsache, dass ein- und dieselbe Wertsumme für zwei verschiedene Personen als Kapital fungiert41, ist die „zweifache“ Verwertung dieses Kapitals nur durch Teilung des vom reproduktiven Kapitals realisierten (Brutto-)Durchschnittsprofits in (Netto-)Profit und Zins möglich.42 Der Zins ist also nichts weiter als ein „besonderer Name“43 für einen Teil des Profits; nämlich denjenigen Teil des Profits, den der Borger an den Verleiher zu zahlen hat.44 Sowohl die eigentümliche Art der Veräußerung (Verleih statt Verkauf) als auch die eigentümliche Art der Verwertung (Zins) gehen hier aus der spezifischen Natur der Ware – Geldkapital als Kapital – hervor. Weil aber im zinstragenden Kapital „eine von der Ware absolut verschiedne Kategorie“45 nichtsdestotrotz zur Ware – wenn auch zur Ware sui generis – wird, insofern Geldkapital als Kapital auf einem Markt angeboten und nachgefragt wird, erscheint der Zins als Preis des (Geld-)Kapitals.46 Während der Preis als ökonomische Kategorie seinem Begriffe nach der Ausdruck des Werts einer Ware im Gebrauchswert der Geldware ist, ist in der oberflächlichen Erscheinung vom Zins als Preis des Geldkapitals der Preis „auf seine rein abstrakte und inhaltslose Form reduziert, daß er eine bestimmte Summe ist, die für irgend etwas, was so oder so als Gebrauchswert figuriert, gezahlt wird.“47 Im Ausdruck: Zins als Preis des Geldkapitals ist der Preis aber nicht nur auf seine inhaltslose Form (Geld für Gebrauchswert) reduziert48, der Ausdruck selbst ist „ein durchaus irrationeller Ausdruck“49, der Zins als Preis des Geldkapitals ist „eine irrationelle Form des Preises.“50 Dies deshalb, weil dieser Ausdruck dem Begriff des Preises direkt widerspricht: Das zinstragende Kapital als eine bestimmte Wertsumme ist eine besondersartige Ware, die einen von dieser Wertsumme unterschiedenen Preis (=Zins) haben soll, wohingegen der Preis seinem Begriffe nach nichts als der Geldausdruck des Werts einer Ware ist.51
Wenn der Zins, der Sache nach bloß eine besondere Rubrik für einen Teil des Profits, auch als „Preis“ der besonderen Ware Geld als Kapital erscheint, so bleibt diese Ware dennoch eine besondere Ware, nämlich Kapital, sich verwertender Wert.52 Und der Grad der Verwertung eines jeden Kapitals bemisst sich nach dem Verhältnis des Mehrwerts zu dem Wert des vorgeschossenen Kapitals. Die Festsetzung der Höhe des Zinses, dieses „Preises“ des Geldkapitals, durch Angebot und Nachfrage ist also „zugleich Festsetzung der Höhe der Verwertung des zinstragenden Geldkapitals. Als Ausdruck der Verwertung ist der Zins aber nicht Preis, sondern Inkrement einer vorgeschossenen Wertsumme, Vergleich zwischen Ausgangs- und Endgröße der Bewegung des zinstragenden Kapitals. Das Verhältnis ΔG zu G wird gemessen durch den Zinsfuß i. Erschien das Geldkapital als Ware, wo der Zins als Preis figurierte, im Verhältnis nach außen, so tritt es in Gestalt des Zinsfußes in ein Verhältnis zu sich selbst.“53 Der Zinsfuß misst somit den Grad der Verwertung des zinstragenden Kapitals.
Weil der Zins nur ein besonderer Name für einen Teil des vom reproduktiven Kapital realisierten Durchschnittsprofits ist, ergibt sich als Maximalgrenze des Zinsfußes die Durchschnittsprofitrate. Eine Minimalgrenze des Zinsfußes ist dagegen nicht bestimmbar.54 Die Durchschnittsrate des Zinsfußes55 wird als eine durchschnittliche Marktrate durch Angebot von und Nachfrage nach Geldkapital auf dem Finanzmarkt reguliert. Anders als im Falle der „natürlichen“ Profitrate, des „natürlichen“ Arbeitslohns und des „natürlichen“ Preises von Waren im Allgemeinen, in welchen die Konkurrenz, d.h. das Spiel von Angebot und Nachfrage, nur der spezifische Durchsetzungsmodus eines von der Konkurrenz selbst unabhängigen und dieselbe bestimmenden allgemeinen Gesetzes ist56, existiert nach Marx keine in diesem Sinne „natürliche“ Durchschnittsrate des Zinsfußes. Im Falle der durchschnittlichen Zinsrate regiert innerhalb der angegebenen Minimal- und Maximalgrenze ausschließlich die Konkurrenz als solche.57
Das verleihbare Geldkapital wird angeboten und nachgefragt auf dem Finanzmarkt, der sich nach der jeweiligen Leihfrist unterteilen lässt in den Geldmarkt, den Markt für kurzfristiges Geldkapital, und den Kapitalmarkt, den Markt für langfristiges Geldkapital.58 Entsprechend sind ein mittlerer Geldmarktzinsfuß und ein mittlerer Kapitalmarktzinsfuß zu unterscheiden, wobei letzterer über dem ersteren liegt. Innerhalb der Teilmärkte wiederum differenzieren sich die Zinssätze entsprechend der Bonität der Borger.59 Obgleich die jeweilige Marktrate des Zinses im Zeitverlauf beständig schwankt und obgleich sie je nach Fristigkeit und je nach Bonität des Borgers eine verschiedene ist, erscheint sie doch zu jedem Zeitpunkt bei gegebener Fristigkeit und Bonität in allgemeiner, einheitlicher und fixer Gestalt, als bestimmte und gegebene Größe – im Unterschied zur allgemeinen Profitrate, die als ein „verschwimmendes Nebelbild“60 nicht unmittelbar empirisch zu erfassen ist.61 Die Fixität und Uniformität des Zinsfußes folgt aus der Besonderheit des Marktes für Geldkapital; daraus, dass die angebotene und nachgefrage Ware, Kapital, dieselbe einheitliche, sich selbst gleiche Form des Geldes besitzt62, und dass sich hier nur eine Masse von Geldkapitalverleihern und eine Masse von Geldkapitalborgern gegenüberstehen.63

Die qualitative Teilung des Profits

Wir haben gesehen, wie mit dem zinstragenden Kapital eine bloß quantitative Teilung des vom reproduktiven Kapital realisierten Bruttoprofits in Nettoprofit, dem reproduktiven Borger zufallend, und Zins, dem Verleiher zufallend, erfolgt. Die bloß quantitativen Teile eines gegebenen Ganzen, Nettoprofit und Zins, existieren als solche aber nur in ihrem Gegensatz.64 Weil der eine Teil des Profits die Form des Zinses annimmt, der dem Eigentümer und Verleiher des Geldkapitals zukommt, erscheint der andere Teil des Profits als Nettoprofit, der dem reproduktiv fungierenden Kapitalisten zukommt.65 Durch dieses Spiegelspiel von Zins und Nettoprofit, wo der Zins als solcher nur dem Nettoprofit und der Nettoprofit als solcher nur dem Zins, „beide einander, aber nicht der Arbeit gegenüberstehn“66, verschwindet ihre gemeinsame Einheit als bloß quantitative Teile desselben Ganzen, des in Profit verwandelten Mehrwerts, hinter ihrer gegensätzlichen Form. Die bloß quantitative Teilung des Bruttoprofits schlägt um in eine qualitative Teilung:67 Weil der Zins dem Verleiher des Geldkapitals als dessen bloßem Eigentümer zufließt, erscheint der Zins notwendig als „Frucht des Kapitaleigentums, des Kapitals an sich, abstrahiert vom Reproduktionsprozeß des Kapitals, soweit es nicht „arbeitet“, nicht fungiert.“68 Weil der Nettoprofit dem Borger des Geldkapitals als dessen Nichteigentümer und bloßem Anwender zufließt, erscheint er notwendig als Unternehmergewinn, d.h. als Frucht des reproduktiv fungierenden Kapitals, des Kapitals im Reproduktionsprozeß (Produktions- und Zirkulationsprozess), soweit es „arbeitet“, fungiert. Der Umschlag der quantitativen Teilung in eine qualitative Teilung bedeutet also, dass sich die zwei Teile des Profits gegeneinander verselbständigen zu voneinander unabhängigen Teilen, als ob sie aus zwei gänzlich verschiedenen Quellen stammen würden; als ob die mit dem zinstragenden Kapital gesetzte Trennung von Eigentum und Anwendung des Kapitals nicht allein der Teilungsgrund des vorausgesetzten Profits wäre, sondern der Existenzgrund von Zins und Unternehmergewinn.69
Diese qualitative Teilung in Zins und Unternehmergewinn verallgemeinert sich schließlich für die gesamte Kapitalistenklasse und das Gesamtkapital: Unabhängig davon, ob der reproduktiv fungierende Kapitalist Eigentümer oder Nichteigentümer des von ihm angewandten Kapitals ist, unabhängig davon, ob er tatsächlich mit geliehenem Kapital oder (und) nur mit eigenem Kapital arbeitet, findet eine Teilung des Profits in Zins und Unternehmergewinn statt. Auch der reproduktive Kapitalist ohne Fremdkapital unterscheidet sich als Anwender seines Kapitals, der Unternehmergewinn bezieht, von sich selbst als Eigentümer seines Kapitals, der Zins bezieht (insofern er in diesem Fall sein eigenes Kapital, potenziell zinstragend, statt an Andere an sich selbst verliehen hat). Denn – die Marktrate des Zinses in ihrer fixen und uniformen Gestalt vorausgesetzt als für alle Kapitalisten gegebenes Datum – hat jeder einzelne Kapitalist tatsächlich die Wahlmöglichkeit, sein Geldkapital entweder selbst reproduktiv fungieren zu lassen oder es zinstragend zu verleihen.70
Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie ist vermittels der genetischen Darstellung71 wesentlich „Theorie der Erscheinung“ oder „Kritik des erscheinenden Wissens“72. Als solche beansprucht sie, nicht nur den „innren Zusammenhang der ökonomischen Kategorien oder den verborgnen Bau des bürgerlichen ökonomischen Systems“73 zu begreifen, sondern aus dem begriffenen inneren Zusammenhang den äußerlich erscheinenden Zusammenhang genetisch zu entwickeln.74 Der innere Zusammenhang ist dabei in seinen eigenen Erscheinungsformen nicht mehr sichtbar, sondern verhüllt und verkehrt:
„Es erscheint also in der Konkurrenz alles verkehrt. Die fertige Gestalt der ökonomischen Verhältnisse, wie sie sich auf der Oberfläche zeigt, in ihrer realen Existenz, und daher auch in den Vorstellungen, worin die Träger und Agenten dieser Verhältnisse sich über dieselben klarzuwerden suchen, sind sehr verschieden von, und in der Tat verkehrt, gegensätzlich zu ihrer innern, wesentlichen, aber verhüllten Kerngestalt und dem ihr entsprechenden Begriff.“75 „Krud wie diese Vorstellungen sind, entspringen sie doch mit Notwendigkeit aus der verkehrten Art und Weise, worin die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion innerhalb der Konkurrenz sich darstellen.“76
Unter diesem Aspekt der genetischen Entwicklung der verdrehten und verkehrten objektiven Erscheinungsformen und damit des diesen entsprechenden notwendig falschen Bewusstseins geht es im dritten Band des Kapital um die Erscheinungsformen des Mehrwerts.77 Der erste Abschnitt stellt die Verwandlung des Mehrwerts in Profit78 dar, der zweite Abschnitt die Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit und die Abschnitte vier, fünf und sechs die Teilung des Durchschnittsprofits in „gegeneinander gleichgültige, voneinander unabhängige und durch verschiedne Gesetze regulierte Gestalten“79 (industrieller und merkantiler Unternehmergewinn, Zins, Grundrente). Mit dem Umschlag der quantitativen Teilung des Profits in die qualitative haben wir die genetische Entwicklung der verkehrten Erscheinungsform von Zins und Unternehmergewinn nachvollzogen.80
Es ist nun entscheidend, zu begreifen, dass diese verkehrten Erscheinungsformen nicht allein ein notwendig falsches Bewusstsein der ökonomischen Agenten produzieren, sondern – als „wirkliche Existenzformen“81 des inneren Zusammenhangs – auch das bewusste Handeln der ökonomischen Agenten strukturieren:
„Und es sind diese fertigen Verhältnisse und Formen, die in der wirklichen Produktion als Voraussetzungen erscheinen, weil die kapitalistische Produktionsweise sich in den von ihr selbst geschaffnen Gestalten bewegt und diese, ihr Resultat, im Prozeß der Reproduktion, ihr ebensosehr als fertige Voraussetzungen gegenübertreten. Als solche bestimmen sie praktisch das Tun und Treiben der einzelnen Kapitalisten etc., geben die Motive her, wie sie als solche in ihrem Bewußtsein sich widerspiegeln.“82
Nur vermittels der durch die verkehrten Erscheinungsformen strukturierten Handlungen der Agenten wird der innere Zusammenhang hinter ihrem Rücken reproduziert.83 Der Abschnitt zum zinstragenden Kapital soll deshalb fortgesetzt werden mit einer kurzen Betrachtung der bewussten Handlungskalküle der Kapitalisten, die auf der Erscheinungsform des Zinses aufbauen. In dieser Hinsicht erscheint zum einen der Zins als Kapitalkostengröße und daher den Marktpreis bestimmend, zum anderen der Zinsfuß als alternative Ertragsrate für neu anzulegendes Kapital und daher akkumulationsbestimmend.84

Der Zins als Kapitalkostengröße und als alternative Ertragsrate

Im zinstragenden Kapital wird das Kapital selbst zur Ware, der Zins erscheint als Preis des Geldkapitals. Da kein Unternehmer reproduktiv (industriell oder merkantil) in Funktion treten kann, ohne Geldkapital anzuwenden, muss er den Preis des Geldkapitals, den Zins, als eine Kost kalkulieren wie jede andere (nur mit dem Unterschied, dass er den Preis des Geldkapitals erst zu einem späteren Zeitpunkt zu zahlen hat). Der Zins wird daher unter die Vorschusskosten gerechnet; und zwar auch dann, wenn der reproduktive Unternehmer nur sein eigenes Kapital anwendet (in diesem Fall hat der reproduktive Unternehmer den Zins sich selbst als Kapitaleigentümer zu zahlen).85 „Der Teil des Profits, der daher als Preis des Kapitals in den Prozeß eingeht, wird unter die Vorschußkosten gerechnet, erscheint so nicht mehr als surplus, und wird aus einem Produkt des Prozesses eine seiner gegebnen Voraussetzungen, Produktionsbedingung, die als solche, in selbständiger Form, in den Prozeß eingeht und sein Resultat bestimmt.“86 Weil der Zins also von vornherein als eine, wenn auch erst später zu zahlende, Vorschusskost kalkuliert wird, geht er in den Marktpreis ein.87 Der Zins, der seiner Substanz nach nichts als ein unter besonderem Namen rubrifizierter Teil des Mehrwerts ist, daher in letzter Instanz ein Teil des Warenwerts, wird so zu einem selbständigen, den Marktpreis konstituierenden Element.88
Im Handlungskalkül des reproduktiven Kapitalisten erscheint der Zins nicht nur als Kapitalkostengröße und daher als konstituierendes Element des Marktpreises; sein Verwertungsmaß, der Zinsfuß, erscheint darüber hinaus als alternative Ertragsrate für neu (reproduktiv) anzulegendes Geldkapital und daher als akkumulationsbestimmend.89 Ausgangspunkt dieses Handlungskalküls ist die mit der uniformen und fixen Gestalt des Zinsfußes am Markt für Geldkapital für den einzelnen Kapitalisten gegebene Wahlmöglichkeit, sein Geldkapital entweder reproduktiv fungieren zu lassen oder zinsbringend zu verleihen. Jede reproduktive Anlage des Geldkapitals impliziert daher für den einzelnen Kapitalisten den Verzicht auf den möglichen Zins bei Verleih seines Geldkapitals. Dieser prinzipiell mögliche, aber bei reproduktiver Anlage nicht realisierte Zins wird gemäß dem Konzept der Opportunitätskosten bei der Planung von Investitionsentscheidungen von vornherein einkalkuliert. Diese Kalkulation soll anhand eines Beispiels illustriert werden: Ein reproduktives Investitionsvorhaben erfordere zum Zeitpunkt t=0 einen Vorschuss von 100 Geldeinheiten und führe im Zeitpunkt t=1 zu einem Rückfluss von 105 Geldeinheiten, der reproduktive Profit in t=1 beträgt daher 5 Geldeinheiten. Eine konstante Marktrate des Zinses von 7% unterstellt, würde allerdings der alternative Verleih des Geldkapitals von 100 in t=0 in t=1 einen Zins in Höhe von 7 Geldeinheiten einbringen, so dass das reproduktive Investitionsvorhaben nicht durchgeführt wird. Diese aus der Wahlmöglichkeit des einzelnen Kapitalisten zwischen reproduktiver Anlage oder zinsbringendem Verleih des Geldkapitals entsprungene Kalkulation berechnet unter Einbeziehung des Zinsfußes als alternativer Ertragsrate für neu anzulegendes Geldkapital den Barwert oder Gegenwartswert des reproduktiven Profits.90 Im Beispiel war der Bezugszeitpunkt des Barwerts der Zeitpunkt t=1. Im zu betriebswirtschaftlichen Methoden verallgemeinerten Planungskalkül der reproduktiven Kapitalisten wird ein besonderer Barwert, der sogenannte Kapitalwert (engl. Net Present Value), verwendet. Bezugszeitpunkt ist hier der Zeitpunkt t=0. Unter Einbeziehung der Marktrate des Zinses wird so durch den Diskontfaktor [1/(1+Marktrate des Zinses)] der Barwert des reproduktiven Profits eines Investitionsvorhabens zum Zeitpunkt t=0 berechnet. Werden mehrere Perioden (t=0 bis t=n) berücksichtigt, so ergeben sich aus dieser Kalkulation die klassischen finanzmathematischen Methoden der Investitionsrechnung, die Kapitalwertmethode und die Methode des internen Zinsfußes, zur Beurteilung der Rentabilität von reproduktiven Investitionsvorhaben.91 Wenn der Zins als Kapitalkostengröße zur Produktionsbedingung wurde und daher den Marktpreis bestimmte, wird der Zinsfuß nun weiter zur Reproduktionsbedingung, welche die Akkumulation mitbestimmt.

Dogmengeschichtliche Situierung der Marxschen Zinstheorie

Der Abschnitt zum zinstragenden Kapitel soll abgeschlossen werden mit einem Résumee der Charakteristika der Marxschen Zinstheorie im Vergleich mit den Zinstheorien von Klassik, Neoklassik und Keynes als den Paradigmen der Volkswirtschaftslehre.92 Die Marxsche Zinstheorie beinhaltet drei zentrale Aussagen: 1. Der Zins ist Teil des Profits respektive des Mehrwerts. 2. Es existiert ein Unterschied zwischen der allgemeinen Profitrate (Bruttoprofitrate) einerseits und der Rate des Unternehmergewinns (Nettoprofitrate) und der Zinsrate andererseits. Die Zinsrate, dies folgt aus 1., liegt im langfristigen Durchschnitt unterhalb der allgemeinen Profitrate. 3. Es existiert keine natürliche Rate des Zinses.
Die gesamte genetische Darstellung des dritten Bandes des Kapital zeigt, wie der Mehrwert auf der „Oberfläche der Erscheinungen“93 zunächst notwendigerweise verkehrt als Profit sich darstellt, sich in Durchschnittsprofit verwandelt, und schließlich in industriellen und merkantilen Unternehmergewinn, Zins und Grundrente (als verschiedenen Revenueformen) zerfällt. Der Zins ist demnach ein Teil des Durchschnittsprofits und des Mehrwerts, seine Substanz das durch Verausgabung von lebendiger Arbeit über die Reproduktion des Werts der Arbeitskraft hinaus geschaffene Wertprodukt. Dabei versteht sich von selbst, dass Marx auf der Darstellungsebene der Kapitel 21 bis 24 des fünften Abschnitts in allgemeiner Weise (d.h. noch unter Abstraktion vom Kreditsystem und dem öffentlichen Kredit sowie dem privaten Konsumentenkredit) die spezifisch kapitalistische Form des zinstragenden Kapitals im Unterschied zum zinstragenden Kapital in seiner vorkapitalistischen, „antediluvianischen“ Form als Wucherkapital untersucht. Und diese spezifische Form des modernen zinstragenden Kapitals gründet auf dem Charakter des Borgers als reproduktiver Kapitalist.94 Mit der Bestimmung des Zinses als Teil des vom reproduktiven Kapital realisierten Profits nun steht Marx in dogmengeschichtlicher Perspektive – systematisch ausgedrückt – auf dem Boden der Klassik, sowohl entgegen der neoklassischen Bestimmung des Zinses als Ausdruck einer Gegenwartspräferenz und damit als Belohnung für Warten an sich als auch entgegen der Keynesschen Bestimmung des Zinses als Ausdruck einer Liquiditätspräferenz und damit als Prämie für die Aufgabe von Liquidität. Historisch ausgedrückt, gehört die Marxsche Zinstheorie zu den klassischen nicht-monetären Zinstheorien der, grob, zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und des 19. Jahrhunderts, entgegen der monetären Zinstheorien sowohl des 17. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als auch des 20. Jahrhunderts. Die frühen Zinstheorien des 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts (Culpeper, Manley, Child, Petty, Locke und Pollexfen) waren durchweg monetäre Zinstheorien in dem Sinne, dass der Zins als Preis für den Gebrauch von Geld und seine Höhe als von der Geldmenge abhängig gedacht wurde.95 Der erste, der die Ansätze zu einer nicht-monetären Zinstheorie entwickelte, war Nicholas Barbon in seinem Discourse of Trade von 1690.96 Aber sein Ansatz wurde nicht aufgenommen, und so waren es Joseph Massie (An Essay on the Governing Causes of the Natural Rate of Interest, 1750) und David Hume (Of Interest, 1752), die die nicht-monetäre Zinstheorie erneut begründeten.97 Marx beruft sich in seiner Zinstheorie expressis verbis auf diese beiden Schriften.98 Die darin begründete nicht-monetäre Zinstheorie wird dann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (bspw. Anne Robert Jacques Turgot99, Adam Smith100) und im gesamten 19. Jahrhundert (bspw. David Ricardo, John Stuart Mill101) durchgängig vertreten.102 Erst Wicksell, der zwar selbst noch eine nicht-monetäre Zinstheorie vertrat, legte mit seiner Theorie des kumulativen Prozesses103 die Basis für das Wiederaufkommen der monetären Zinstheorie104, wie sie schließlich von Keynes in seiner General Theory von 1936 entwickelt wurde.105
Auch mit der zweiten zentralen Aussage seiner Zinstheorie bezüglich der Existenz eines Unterschieds zwischen der allgemeinen Profitrate einerseits und der Rate des Unternehmergewinns sowie der Zinsrate andererseits, wobei die Zinsrate im Durchschnitt unterhalb der allgemeinen Profitrate liegen muss, befindet sich Marx in Übereinstimmung mit der Zinstheorie der Klassik.106 So setzt sich beispielsweise nach John Stuart Mill der Bruttoprofit der reproduktiven Kapitalisten aus drei Komponenten zusammen: Einer Versicherungsprämie (zur Kompensation des Risikos des Kapitalverlusts bei reproduktiver Anwendung), dem Unternehmerlohn (zur Kompensation der Arbeit der Oberaufsicht und Leitung des reproduktiven Prozesses) sowie dem Zins (zur Kompensation der Abstinenz vom Konsum).107 Daher schließt Mill: „What a person expects to gain, who superintends the employment of his own capital, is always more, and generally much more, than this [the interest]. The rate of profit greatly exceeds the rate of interest.“108 Im krassen Gegensatz zu Marx und der Klassik macht die neoklassische Theorie überhaupt keinen Unterschied zwischen Profitrate und Zinsrate, beide sind identisch.109 Keynes wiederum, obwohl er anders als Marx und die Klassik eine monetäre Zinstheorie vertritt, unterscheidet ebenfalls zwischen der Profitrate (in der Sprache von Keynes: die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals) und der Zinsrate. Diese Keynessche Unterscheidung von Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals und Zinsrate ist als Kritik der neoklassischen Zinstheorie konzipiert.110 Aus Sicht der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie bleibt dabei allerdings die Keynessche knappheitstheoretische Begründung der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals problematisch. Denn seine Begründung der „Warenzinssätze“ (die Eigenzinssätze der in Warenform existierenden Vermögensgegenstände) und damit der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals für sich genommen, d.h. ohne Bezug auf den Geldzinssatz, ist nicht in der Lage, ein Niveau der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals anzugeben. Das Niveau der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals selbst bleibt quantitativ unbestimmt. Bei Keynes ist nur klar, dass die Grenzleistungsfähigkeit des Sachkapitals über der Geldzinsrate, die selbständig durch die Liquiditätspräferenz bestimmt ist, liegen muss; und dass sie darüber liegt, dafür sorgt die Geldzinsrate selbst, weil sie den Sachkapitalbestand knapp hält. Ein Niveau der Warenzinssätze kann Keynes also nur insofern bestimmen, als die Warenzinssätze in einer negativen Spannung zum selbständig bestimmten Geldzinssatz stehen, letzterer mithin eine untere Grenze für das Sinken der Warenzinssätze bildet.111 Auch wenn Keynes das Niveau der Warenzinssätze und damit der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals nicht selbständig bestimmen kann, werden die Eigenzinssätze des Sachkapitals bei Keynes qualitativ dennoch selbständig aus den Verhältnissen des reproduktiven Kapitals begründet – die Geldzinsrate spielt hier lediglich die Rolle einer Untergrenze.112 Bei seinen monetärkeynesianischen Interpreten dagegen wird die bei Keynes vorhandene Problematik der selbständigen Bestimmung des Niveaus der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals dahingehend aufgelöst, dass es von vornherein allein der auf dem Vermögensmarkt selbständig bestimmte Zinssatz ist, der überhaupt erst einen Profit des reproduktiven Kapitals erzwingt.113 Die monetärkeynesianische Position steht der Marxschen Entwicklung des Zinses damit diametral entgegen: Denn bei Marx verwandelt sich temporär brachliegendes Geldkapital, wie gezeigt, nur deshalb in zinstragendes Kapital, weil Geld auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise den zusätzlichen Gebrauchswert als mögliches Kapital hat und als solches zur Ware sui generis wird. In diesem Sinne sagt Marx: „Die Bildung des zinstragenden Kapitals, seine Scheidung vom industriellen Kapital, ist notwendiges Produkt der Entwicklung des industriellen Kapitals selbst.“114
Die dritte und letzte zentrale Aussage der Marxschen Zinstheorie, dass keine natürliche Rate des Zinses existiere, sondern vielmehr allein die Konkurrenz der Anbieter und Nachfrager auf dem Markt für Geldkapital über die jedesmalige Höhe (auch) des (durchschnittlichen) Zinsfußes entscheide, lässt nun aber Raum für eine konkretisierende Weiterentwicklung seiner Zinstheorie.115 Dies sowohl auf der Ebene der Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise „in ihrem idealen Durchschnitt“ als auch auf der Ebene der „wirklichen Bewegung der Konkurrenz“116 (Bewegung der Zinsrate während des Konjunkturzyklus). Auf der Ebene der Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise in ihrem idealen Durchschnitt ist hinsichtlich einer konkretisierenden Weiterentwicklung der Zinstheorie wiederum zu unterscheiden zwischen der jetzt erreichten Darstellungsebene des zinstragenden Kapitals in seiner allgemeinen Gestalt117 und der konkreten Gestalt, die es im Kreditsystem annimmt (Märkte für fiktives Kapital und Banksystem;118 auf dieser Ebene ist die monetäre Zinstheorie von Keynes angelegt119). Auf der jetzt erreichten Darstellungsebene, d.h. noch unter Abstraktion vom Banksystem und den Märkten für fiktives Kapital, scheint eine Konkretisierung der Marxschen Zinstheorie in Richtung der sogenannten Loanable-Funds Theorie, wie sie zuerst von D. H. Robertson entwickelt wurde, am sinnvollsten.120 Was die Ebene der „wirklichen Bewegung der Konkurrenz“ angeht, die den Konjunkturzyklus und die Bewegung der Zinsrate während desselben einschließt, aber in dieser Arbeit nicht Gegenstand der Darstellung ist, sei darauf hingewiesen, dass die Marxsche Zinstheorie, innerhalb der „klassischen“, durch die Wert- und Mehrwerttheorie gezogenen Grenzen, nicht nur offen ist, sondern hindeutet auf eine Konkretisierung in Richtung monetärer Zinstheorie. Innerhalb der durch die (monetäre) Werttheorie gezogenen Grenzen – denn Maximalgrenze den Zinsfußes ist und bleibt die davon unabhängig bestimmte allgemeine Profitrate. Dies schließt Weiterentwicklungen im Sinne einer monetär-keynesianischen Position aus.121 Hindeutend auf eine Konkretisierung in Richtung monetärer Zinstheorie – denn Voraussetzung der Konstitution des zinstragenden Kapitals ist der reproduktive Kreislauf des Geldkapitals sowie die temporäre Freisetzung des Geldkapitals aus seinem reproduktiven Kreislauf. Auf dieser Grundlage erhält Geld den zusätzlichen Gebrauchswert als mögliches Kapital, so dass Geld als Kapital zur Ware sui generis wird, die auf dem Markt für Geldkapital ge- und verliehen wird.122 Weil die durch die bloß fiktive Verdopplung ein- und desselben Kapitals erzwungene Teilung des Profits in Zins und Unternehmergewinn nur von den spezifischen Bedingungen am Markt für Geldkapital abhängt, existiert keine natürliche Zinsrate im Sinne einer Bestimmung derselben durch ein von der Konkurrenz unabhängiges, aus dem Reproduktionsprozess des Kapitals ableitbares, allgemeines Gesetz.
„Gerade weil es kein allgemeines Gesetz gibt, ist eine nähere Bestimmung des Zinses, sei es als Ausdruck einer „Zeitpräferenz“ wie in der Neoklassik oder einer „Liquiditätsprämie“ wie bei Keynes nur dann ein Widerspruch zur Marxschen Theorie (was sowohl von marxistischer Seite wie von keynesianischer Seite behauptet wird), wenn diese Bestimmungen als Entstehungsgründe des Zinses aufgefaßt werden. Dies ist aber nicht der Fall, wenn sie lediglich als Ausdruck des Kalküls der Geldbesitzer aufgefaßt werden, die im einen Fall den gegenwärtigen Konsumverzicht im anderen Fall die Sicherheit der Geldhaltung mit dem künftigen Ertrag vergleichen. Die Kompatibilität solcher das Konkurrenzverhalten beschreibender Kalküle mit der Marxschen Theorie ist dann erst noch zu prüfen. Dabei scheint es plausibel, daß die Vorstellung einer Zeitpräferenz eher zu einer nicht-monetären Werttheorie paßt, während die Keynessche Liquiditätsprämie, die zum Ausdruck bringt, daß Geld mehr ist als ein bloßes Zirkulationsmittel, daß Geldhaltung selbst einen Zweck erfüllt, an die monetäre Werttheorie anschließt.“123
In diesem Sinne haben einige Autoren die Gemeinsamkeiten der Marxschen und der Keynesschen monetären Zinstheorie betont.124

Das Aktienkapital

Wir haben verfolgt, wie das temporär aus dem Kreislauf des reproduktiven Kapitals freigesetzte Geldkapital sich in zinstragendes Kapital verwandelt und wie die rein quantitative Teilung des Bruttoprofits in Zins und Nettoprofit sich in eine qualitative verwandelt: Weil diese Teile des Profits als solche nur in ihrem Gegensatz zueinander – und nicht zur Lohnarbeit – existieren, erscheint der Zins als Frucht des bloßen Eigentums an Kapital, des Kapitals als Eigentum, während der Nettoprofit als Unternehmergewinn erscheint, als Frucht des reproduktiv (industriell oder merkantil) fungierenden Kapitals, des Kapitals als Funktion. Im Gegensatz zum Zins erscheint der Unternehmergewinn als ein besonderer Arbeitslohn, der die mit dem reproduktiven Fungieren des Kapitals verbundene besondere Arbeit des Unternehmers (Aufsicht, Leitung, Organisation, Innovation) entlohnt; der Unternehmer daher als besonderer Arbeiter und der kapitalistische Produktionsprozess als einfacher Arbeitsprozes.125 Diese qualitative Scheidung setzt sich für die gesamte Kapitalistenklasse fest, so dass auch derjenige reproduktive Kapitalist, der nur eigenes Kapital anwendet, sich unterscheidet in den Eigentümer des Kapitals, der als solcher Zins erhält, und den Anwender des Kapitals, der als solcher Unternehmergewinn erhält.
Diese mit dem zinstragenden Kapital gegebene Trennung von Eigentum und Funktion vervollständigt sich, erhält institutionelle Existenz mit der Bildung von Aktiengesellschaften.126 Hier wird der fungierende Kapitalist vollständig durch den Funktionär (Manager, Dirigent) ersetzt, der formal Arbeitslohn bezieht, und der Kapitaleigentümer fixiert sich zum bloßen Eigentümer, der gänzlich außerhalb des Reproduktionsprozesses steht.127
„Wird (…) der fungierende Kapitalist vollständig durch den Funktionär ersetzt, wie bei gesellschaftlich organisiertem Kapital (Aktiengesellschaften), so wird aller Profit in der Form des Zinses als Ausschüttungsdividende bezogen und steht solcherart gegensatzlos dar. Solange der Zins noch im Gegensatz zum Unternehmergewinn stand, konnte er nur auf dessen Kosten vergrößert werden und fand seine Maximalgrenze am Durchschnittsprofit. Indem aber der Gegensatz aufgehoben wird, der Unternehmergewinn zum Aufsichtslohn fortentwickelt wird, schließlich gar der fungierende Kapitalist als überflüssige Person aus dem Produktionsprozess verschwindet und aller Profit in der Form des Zinses bezogen wird, ist der Zins nur noch bezogen auf das zinstragende Kapital als seine Quelle. Dessen Kreislaufformel G-G‘ ist zwar der ganzen Bewegung bisher unterlegt; während aber zunächst nur das „An sich“ der Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses gesetzt war, nur vom Standpunkt des Geldverleihers aus, ist jetzt die Verselbständigung des zinstragenden Kapitals vollständig, an und für sich, entwickelt.“128
In der Form des zinstragenden Kapitals (G-G‘) und im Aktienkapital – als einer spezifischen Form des zinstragenden Kapitals129 – ist die Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses, „die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung vom Kapitalfetisch“130, vollendet. Denn hier erscheint das Resultat des gesamten, Produktions- wie Zirkulationssphäre umfassenden, Reproduktionsprozesses des Kapitals, dass vorgeschossener Kapitalwert in bestimmter Zeitfrist verwertet zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt, unmittelbar, d.h. getrennt von dem Prozess, dessen Resultat es nur ist. Das „Resultat des gesamten Reproduktionsprozesses erscheint als eine, einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft (…) Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst. (…) In G-G‘ haben wir die begriffslose Form des Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverhältnisse in der höchsten Potenz (…) die Kapitalmystifikation in der grellsten Form.“131 In der Form des zinstragenden Kapitals, sowohl im eigentlichen Verleih von Geldkapital als auch im Kauf einer Aktie am Emissionsmarkt, wird das Geld im Zirkulationsprozess selbst als „zinstragendes Ding“132 veräußert.

  1. Vgl. dazu Wolf (2013). Vgl. MEW 25, 33: „Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapitalistische Produktionsprozeß, für sich genommen, darbietet, als unmittelbarer Produktionsprozeß, bei dem noch von allen sekundären Einwirkungen ihm fremder Umstände abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsprozeß erschöpft nicht den Lebenlauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Welt ergänzt durch den Zirkulationsprozeß, und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Zirkulationsprozesses als der Vermittlung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, daß der kapitalistische Produktionsprozeß, im ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozeß ist.“ [zurück]
  2. Vgl. MEW 25, 33: „Worum es sich in diesem dritten Buch handelt, kann nicht sein, allgemeine Reflexionen über diese Einheit anzustellen. Es gilt vielmehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem Bewegungsprozeß des Kapitals, als Ganzes betrachtet, hervorwachsen. In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenüber, für die die Gestalt des Kapitals im unmittelbaren Produktionsprozeß, wie seine Gestalt im Zirkulationsprozeß, nur als besondere Momente erscheinen. Die Gestaltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, nähern sich also schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewußtsein der Produktionsagenten selbst auftreten.“ [zurück]
  3. Normalfall bedeutet dabei, dass die Wertzusammensetzung des jeweiligen Einzelkapitals abweicht von der Wertzusammensetzung des gesellschaftlichen Durchschnittskapitals. [zurück]
  4. Vgl. MEW 24, 56: „Die beiden Formen, die der Kapitalwert in seiner Zirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und Warenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form ist die von produktivem Kapital. Das Kapital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist industrielles Kapital – industriell hier in dem Sinn, daß es jeden kapitalistisch betriebnen Produktionszweig umfasst.“ Vgl. auch MEW 24, 192. [zurück]
  5. MEGA II/11, 28. [zurück]
  6. Vgl. MEW 25, 316: „Trotz ihrer Verselbständigung ist die Bewegung des Kaufmannskapitals nie etwas andres als die Bewegung des industriellen Kapitals innerhalb der Zirkulationssphäre. Aber kraft seiner Verselbständigung bewegt es sich innerhalb gewisser Grenzen unabhängig von den Schranken des Reproduktionsprozesses und treibt ihn daher selbst über seine Schranken hinaus. Die innere Abhängigkeit, die äußre Selbständigkeit treiben es bis zu einem Punkt, wo der innere Zusammenhang gewaltsam, durch eine Krise, wiederhergestellt wird.“ [zurück]
  7. Vgl. MEW 24, 61: „Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Geschäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.“ MEW 25, 312: „Es findet also eine Verdopplung statt. Einerseits sind die Funktionen als Warenkapital und Geldkapital (daher weiter bestimmt als kommerzielles Kapital) allgemeine Formbestimmtheiten des industriellen Kapitals. Andrereseits sind besondre Kapitale, also auch besondre Reihen von Kapitalisten, ausschließlich tätig in diesen Funktionen; und diese Funktionen werden so zu besondren Sphären der Kapitalverwertung.“ Zum Warenhandlungskapital vgl. MEW 25, 278: „Sofern diese Funktion des im Zirkulationsprozeß befindlichen Kapitals überhaupt als besondre Funktion eines besondren Kapitals verselbständigt wird, sich fixiert als eine durch die Teilung der Arbeit einer besondren Gattung von Kapitalisten zugewiesene Funktion, wird das Warenkapital zum Warenhandlungskapital oder kommerziellen Kapital.“ Vgl. MEW 25, 279: „Das Warenhandlungskapital nun ist nichts als die verwandelte Form eines Teils dieses beständig auf dem Markt befindlichen, in dem Prozeß der Metamorphose befindlichen und stets von der Zirkulationssphäre umfangenen Zirkulationskapitals.“ Vgl. MEW 25, 281: „Das Warenhandlungskapital ist also durchaus nichts andres als das Warenkapital des Produzenten, das den Prozeß seiner Verwandlung in Geld durchzumachen, seine Funktion als Warenkapital auf dem Markt zu verrichten hat, nur daß diese Funktion statt als beiläufige Operation des Produzenten nun als ausschließliche Operation einer besondren Gattung von Kapitalisten, der Warenhändler, erscheint, verselbständigt wird als Geschäft einer besondren Kapitalanlage.“ Zum Geldhandlungskapital vgl. MEW 25, 327: „Die rein technischen Bewegungen, die das Geld durchmacht im Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals und, wie wir jetzt hinzusetzen können, des Warenhandlungskapitals (da dies einen Teil der Zirkulationsbewegung des industriellen Kapitals als seine eigne und eigentümliche Bewegung übernimmt) – diese Bewegungen, verselbständigt zur Funktion eines besondren Kapitals, das sie, und nur sie, als ihm eigentümliche Operationen ausübt, verwandeln dies Kapital in Geldhandlungskapital. (…) Von dem Gesamtkapital sondert sich nun ab und verselbständigt sich ein bestimmter Teil in Form von Geldkapital, dessen kapitalistische Funktion ausschließlich darin besteht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen Kapitalisten diese Operationen auszuführen. Wie beim Warenhandlungskapital trennt sich ein Teil des im Zirkulationsprozeß in der Gestalt von Geldkapital vorhandnen industriellen Kapitals ab und verrichtet diese Operationen des Reproduktionsprozesses für das gesamte übrige Kapital. Die Bewegungen dieses Geldkapitals sind also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teils des in seinem Reproduktionsprozeß begriffnen industriellen Kapitals.“ Vgl. MEW 25, 334: „Der Geldhandel in der reinen Form, worin wir ihn hier betrachten, d.h. getrennt vom Kreditwesen, hat es also nur zu tun mit der Technik eines Moments der Warenzirkulation, nämlich der Geldzirkulation und den daraus entspringenden verschiednen Funktionen des Geldes.“ [zurück]
  8. Vgl. MEW 25, 278f. [zurück]
  9. Vgl. zur Bedeutung der Beschränkung der Betrachtung auf die reine Form des Warenhandlungskapitals MEW 25, 278f. [zurück]
  10. Vgl. zur Bedeutung der Beschränkung der Betrachtung auf die reine Form des Geldhandlungskapitals MEW 25, 334. [zurück]
  11. Vgl. MEW 25, 309: „Da das Kaufmannskapital absolut nichts ist als eine verselbständigte Form eines Teils des im Zirkulaitonsprozeß fungierenden industriellen Kapitals, so müssen alle auf dasselbe bezüglichen Fragen dadurch gelöst werden, daß man sich das Problem zunächst in der Form stellt, worin die dem kaufmännischen Kapital eigentümlichen Phänomene noch nicht selbständig erscheinen, sondern noch in direktem Zusammenhang mit dem industriellen Kapital, als dessen Zweig.“ Vgl. MEW 25, 292: „Man hat in Buch II gesehn, daß die reinen Funktionen des Kapitals in der Zirkulationssphäre – die Operationen, die der industrielle Kapitalist vornehmen muß, um erstens den Wert seiner Waren zu realisieren und zweitens diesen Wert in die Produktionselemente der Ware rückzuverwandeln, die Operationen zur Vermittlung der Metamorphosen des Warenkapitals W‘-G-W, also die Akte des Verkaufens und Kaufens – weder Wert noch Mehrwert erzeugen. Umgekehrt zeigte es sich, daß die Zeit, die hierfür erheischt, objektiv mit Bezug auf die Waren und subjektiv mit Bezug auf den Kapitalisten, Grenzen erzeugt für die Bildung von Wert und Mehrwert.“ [zurück]
  12. Vgl. MEW 24, 133: „Wenn durch Teilung der Arbeit eine Funktion, die an und für sich unproduktiv, aber ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenverrichtung vieler in die ausschließliche Verrichtung weniger verwandelt wird, in ihr besondres Geschäft, so verwandelt sich nicht der Charakter der Funktion selbst.“ Vgl. MEW 24, 136: „Die Teilung der Arbeit, die Verselbständigung einer Funktion, macht sie nicht produkt- und wertbildend, wenn sie es nicht an sich, also schon vor ihrer Verselbständigung ist.“ Vgl. auch MEW 25, 299ff. [zurück]
  13. Vgl. zum Profit des Warenhandlungskapitals ausführlich MEW 25, 292-313; zum Profit des Geldhandlungskapitals MEW 25, 334. [zurück]
  14. MEW 25, 350: „Bei der ersten Betrachtung der allgemeinen oder Durchschnittsprofitrate (Abschnitt II dieses Buchs) hatten wir diese letztre noch nicht in ihrer fertigen Gestalt vor uns, indem die Ausgleichung noch bloß als Ausgleichung der in verschiednen Sphären angelegten industriellen Kapitale erschien. Dies wurde ergänzt im vorigen [vierten] Abschnitt, wo die Teilnahme des Handelskapitals an dieser Ausgleichung und der merkantile Profit erörtert ward. Die allgemeine Profitrate und der Durchschnittsprofit stellten sich jetzt innerhalb engerer Grenzen dar als vorher. Im Fortgang der Entwicklung ist im Auge zu halten, daß, wenn wir fernerhin von allgemeiner Profitrate oder Durchschnittsprofit sprechen, dies in der letztren Fassung geschieht, also bloß mit Bezug auf die fertige Gestalt der Durchschnittsrate. Da diese nunmehr für das industrielle und merkantile Kapital dieselbe ist, ist es auch nicht weiter nötig, soweit es sich nur um diesen Durchschnittsprofit handelt, einen Unterschied zwischen industriellem und kommerziellem Profit zu machen. Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil angelegt, es wirft pro rata seiner Größe denselben jährlichen Durchschnittsprofit ab.“ [zurück]
  15. Vgl. MEW 25, 291, 321f., 328, 333f. Vgl. dazu auch Eltis (1991). [zurück]
  16. Vgl. zur Kategorie des reproduktiven Kapitals Krüger (2010), 473, FN1: „Die Kategorie des reproduktiven Kapitals wurde von Marx erdacht, um dasjenige Kapital, das innerhalb des Reproduktionsprozesses des industriellen und kommerziellen Kapitals in Geld-, Waren- und produktiver Form fungiert – also identisch ist mit dem gesellschaftlichen Gesamtkapital, wie es auf der bisher erreichten Konkretionsstufe der Darstellung bestimmt wurde –, von dem durch die Dazwischenkunft des zinstragenden Kapitals sich ergebenden Weiterbestimmungen des „gesellschaftlichen Vermögens“ (Sach- und Geldvermögen) abzugrenzen. Der Reproduktionsprozess des industriellen und kommerziellen Kapitals als reproduktive Sphäre oder reproduktiver Zirkel bezeichnet also genuin wertmäßig bestimmte Verhältnisse, ganz im Unterschied zur gängigen Redeweise von „Realkapital“ oder der „Realsphäre“, die die Vorstellung nahe legt, dass man es in diesem Bereich mit Realgrößen oder Gebrauchswerten zu tun habe, denen erst durch die Finanzsphäre monetäre Ausdrucksformen zuerkannt werden.“ [zurück]
  17. MEW 24, 109. [zurück]
  18. MEW 23, 168f.: „In der Zirkulation G-W-G funktionieren dagegen beide, Ware und Geld, nur als verschiedene Existenzweisen des Werts selbst, das Geld seine allgemeine, die Ware seine besondre, sozusagen nur verkleidete Existenzweise. Er geht beständig aus der einen Form in die andre über, ohne sich in dieser Bewegung zu verlieren, und verwandelt sich so in ein automatisches Subjekt.“ [zurück]
  19. MEW 23, 170. [zurück]
  20. Vgl. MEW 23, 170. Hier bezeichnet Marx den Kreislauf des Geldkapitals als „die allgemeine Formel des Kapitals“. Vgl. auch MEW 23, 169: „Als das übergreifende Subjekt eines solchen Prozesses ,worin er Geldform und Warenform bald annimmt, bald abstreift, sich aber in diesem Wechsel erhält und ausreckt, bedarf der Wert vor allem einer selbständigen Form, wodurch seine Identität mit sich selbst konstatiert wird. Und diese Form besitzt er nur im Gelde.“ [zurück]
  21. Vgl. MEW 25, 350: „Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil angelegt, es wirft pro rata seiner Größe denselben jährlichen Durchschnittsprofit ab.“ [zurück]
  22. MEW 24, 489: „Man begreift das Vergnügen, wenn innerhalb des Kreditwesens alle diese potentiellen Kapitale durch ihre Konzentration in Händen von Banken usw. zu disponiblem Kapital, „loanable capital“, Geldkapital werden, und zwar nicht mehr zu passivem und als Zukunftsmusik, sondern zu aktivem, wucherndem (hier wuchern im Sinne des Wachsens).“ Vgl. auch MEW 24, 182; 254; 256; 284; 323; 494; 347ff.; MEGA II/11, 820. [zurück]
  23. Vgl. MEW 25, 350f., 363f. [zurück]
  24. Vgl. MEW 25, 357: „Das Verhältnis zu sich selbst, als welches das Kapital sich darstellt, wenn man den kapitalistischen Produktionsprozess als Ganzes und Einheit anschaut, und worin das Kapital als Geld heckendes Geld auftritt, wird hier ohne vermittelnde Zwischenbewegung einfach als sein Charakter, als seine Bestimmtheit ihm einverleibt. Und in dieser Bestimmtheit wird es veräußert, wenn es als Geldkapital verliehen wird.“ [zurück]
  25. MEW 25, 351. [zurück]
  26. MEW 25, 351. [zurück]
  27. Vgl. Heinrich (2003), 288: „Zinstragendes Kapital ist nicht, wie das Waren- und das Geldhandlungskapital die Verselbständigung eines funktionellen Abschnitts im Kreislaufprozeß des Kapitals. Es ist vielmehr eine „abgeleitete“ Bestimmung, insofern der Begriff des zinstragenden Kapitals die (begrifflich) fertig bestimmte Durchschnittsprofitrate voraussetzt. Daß das zinstragende Kapital eine abgeleitete Bestimmung ist und daß der Zins aus dem Profit gezahlt werden muß, wurde nun häufig so verstanden, daß das zinstragende Kapital eine dem industriellen Kapital gegenüber untergeordnete Bedeutung habe und daß die Profitrate die Zinsrate bestimmen würde. Dabei wird aber die begriffliche Entwicklung der Kategorien mit der realen Wirkung der untersuchten Verhältnisse verwechselt; das Verhältnis von Bewegung der Profitrate und Bewegung Zinsrate ist hier noch gar nicht systematisch angesprochen. Das Wesentliche an der Marxschen Analyse des zinstragenden Kapitals ist nicht allein das quantitative Argument, daß der Zinssatz (zumindest unter gewöhnlichen Bedingungen) kleiner als die Durchschnittsprofitrate sein muß, sondern das qualitative Argument, daß Geld nur deshalb zu zinstragendem Kapital werden kann, weil es möglich ist, dieses Geld als Kapital zu benutzen.“ [zurück]
  28. Vgl. MEW 25, 370: „Wir haben es hier nur damit zu tun, die selbständige Gestalt des zinstragenden Kapitals und die Verselbständigung des Zinses gegen den Profit zu entwickeln.“ Dieser Teil des fünften Abschnitts, also die Kapitel 21 bis 24, sind in der Sekundärliteratur hinlänglich abgehandelt worden. Vgl. Heinrich (2003), 285-289; Krüger (2010), 473-493; Itoh/Lapavitsas (1999), 59-80; Brunhoff (1998); Fan-Hung (1939); Panico (1980); Sardoni (1998); Schefold (1998); Reuten (2002). [zurück]
  29. MEW 25, 354. [zurück]
  30. Vgl. MEW 25, 354. [zurück]
  31. Vgl. MEW 25, 355: „Es [das reproduktive Kapital] erscheint in seinem Zirkulationsprozeß nie als Kapital, sondern nur als Ware oder Geld, und dies ist hier sein einziges Dasein für andre. Ware und Geld sind hier nur Kapital, nicht soweit die Ware sich in Geld, das Geld sich in Ware verwandelt, nicht in ihren wirklichen Beziehungen zum Käufer oder Verkäufer, sondern bloß in ihren ideellen Beziehungen, entweder zum Kapitalisten selbst (subjektiv betrachtet) oder als Momente des Reproduktionsprozesses (objektiv betrachtet). Als Kapital existiert das Kapital, in der wirklichen Bewegung, nicht im Zirkulationsprozeß, sondern nur im Produktionsprozeß, im Ausbeutungsprozeß der Arbeitskraft.“ Vgl. auch Panico (1980), 365: „Unlike interest-bearing capital, productive capital never circulates as capital, but as specific commodities or money.“ [zurück]
  32. MEW 25, 355. [zurück]
  33. Vgl. Krüger (2010), 473. [zurück]
  34. Vgl. MEW 25, 352: „Betrachten wir zunächst die eigentümliche Zirkulation des zinstragenden Kapitals. Es ist dann in zweiter Instanz zu untersuchen die eigne Art, wie es als Ware verkauft wird, nämlich verliehen statt ein für allemal abgetreten.“ [zurück]
  35. Vgl. MEW 25, 353. [zurück]
  36. Vgl. Krüger (2010), 474. [zurück]
  37. Vgl. Krüger (2010), 474f. [zurück]
  38. Vgl. MEW 25, 354ff., 357-362. Vgl. auch MEW 25, 366: „Es muß nie vergessen werden, daß hier das Kapital als Kapital Ware ist oder daß die Ware, um die es sich hier handelt, Kapital ist. Die sämtlichen Verhältnisse, die hier erscheinen, wären daher irrationell vom Standpunkt der einfachen Ware aus, oder auch vom Standpunkt des Kapitals, soweit es in seinem Reproduktionsprozeß als Warenkapital fungiert. Verleihen und Borgen, statt des Verkaufens und Kaufens, ist hier ein auf der spezifischen Natur der Ware – des Kapitals – hervorgehender Unterschied.“ [zurück]
  39. Vgl. MEW 25, 362. [zurück]
  40. Vgl. MEW 25, 362: „Bisher haben wir nur die Bewegung des verliehenen Kapitals zwischen seinem Eigner und dem industriellen Kapitalisten betrachtet. Jetzt ist der Zins zu untersuchen.“ [zurück]
  41. Vgl. MEW 26.3, 464: „Es sind nicht zwei verschiedne Kapitalien, das zinstragende und profitbringende, sondern dasselbe Kapital, das im Prozeß als Kapital funktioniert, wirft einen Profit ab, der sich zwischen zwei verschiednen Kapitalisten verteilt.“ [zurück]
  42. Vgl. MEW 25, 365f.: „Aber als realisiertes Kapital hat der Borger es zurückzuzahlen, also als Wert plus Mehrwert (Zins); und der letztre kann nur ein Teil des von ihm realisierten Profits sein. Nur ein Teil, nicht das Ganze. Denn der Gebrauchswert [des als Kapital verliehenden Geldes] für den Borger ist, daß es ihm Profit produziert. Sonst hätte keine Veräußerung des Gebrauchswerts von seiten des Verleihers stattgefunden. Andrerseits kann nicht der ganze Profit dem Borger zufallen. Er zahlte sonst nichts für die Veräußerung des Gebrauchswerts, und er gäbe das vorgeschoßne Geld an den Verleiher nur als einfaches Geld zurück, nicht als Kapital, als realisiertes Kapital, denn realisiertes Kapital ist es nur als G + ΔG. Beide geben dieselbe Geldsumme als Kapital aus, der Verleiher und der Borger. Aber nur in der Hand des letzteren fungiert sie als Kapital. Der Profit wird nicht verdoppelt durch das doppelte Dasein derselben Geldsumme als Kapital für zwei Personen. Es kann für beide als Kapital nur fungieren durch Teilung des Profits. Der dem Verleiher zufallende Teil heißt Zins.“ [zurück]
  43. MEW 25, 351. [zurück]
  44. Vgl. die spätere Zusammenfassung von Kapitel 21 und 22 durch Marx selbst, MEW 25, 383: „Der Zins, wie wir in den beiden vorhergehenden Kapitel gesehn, erscheint ursprünglich, ist ursprünglich, und bleibt in Wirklichkeit nichts als ein Teil des Profits, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist, Industrieller oder Kaufmann, soweit er nicht eignes Kapital, sondern geliehenes Kapital anwendet, wegzahlen muss an den Eigentümer und Verleiher dieses Kapitals. (…) Es ist in der Tat nur die Trennung der Kapitalisten in Geldkapitalisten und industriellen Kapitalisten, die einen Teil des Profits in Zins verwandelt, die überhaupt die Kategorie des Zinses schafft.“ [zurück]
  45. MEW 25, 379. [zurück]
  46. Vgl. MEW 25, 379, 366ff. [zurück]
  47. MEW 25, 366. [zurück]
  48. Erinnert sei hier an die anlässlich der Entwicklung des Begriffs des Preises als Wertausdruck angeführte Möglichkeit einer qualitativen Inkongruenz in dem Sinne, dass der Preis, obwohl seinem Begriffe nach Wertausdruck, aufhören kann, Wertausdruck zu sein; indem beispielsweise Dinge, die überhaupt keinen Wert haben, einen Preis erhalten. [zurück]
  49. MEW 25, 366. [zurück]
  50. MEW 25, 366. [zurück]
  51. Vgl. MEW 25, 366. Vgl. MEW 25, 367: „Wie soll nun eine Wertsumme einen Preis haben außer ihrem eignen Preis, außer dem Preis, der in ihrer eignen Geldform ausgedrückt ist?“ [zurück]
  52. Vgl. MEW 26.3, 510: „Man sieht, wie der vulgarian hier [im Ausdruck Zins als Preis des Kapitals] über die Schwierigkeit weg will, indem er das Kapital, d.h. das Geld oder die Ware, soweit sie eine von sich als Geld oder Ware spezifisch unterschiedne Bestimmtheit haben, zu verwandeln sucht in bloße Ware, d.h. grade von dem spezifischen Unterschied, der erklärt werden soll, absieht. Er will nicht sagen, daß dies Mittel der Exploitation von Surplusarbeit, daher von mehr Wert als Wert in ihm enthalten ist. Er sagt statt dessen: Es hat mehr Wert als seinen Wert, weil es eine ordinäre Ware wie jede andre ist, d.h. einen Gebrauchswert hat. Hier wird Kapital mit Ware identifiziert, während grade erklärt werden soll, wie die Ware als Kapital auftreten kann.“ [zurück]
  53. Krüger (2010), 479 (meine Hervorhebung). [zurück]
  54. Vgl. MEW 25, 370ff. [zurück]
  55. Vgl. MEW 25, 374. [zurück]
  56. Vgl. MEW 25, 375. [zurück]
  57. Vgl. MEW 25, 374-377. Vgl. zum „natürlichen“ Arbeitslohn MEW 23, 559ff.; vgl. zur „natürlichen“ Profitrate und dem „natürlichen“ Preis der Waren MEW 25, 182-209. Vgl. auch Krüger (2010), 480. [zurück]
  58. Vgl. Krüger (2010), 481: „Die Abgrenzung zwischen beiden Bereichen ergibt sich über die unterschiedlichen Umschlagverhältnisse des reproduktiven Kapitals, nämlich zum einen den Umschlag des zirkulierenden Kapitals, innerhalb dessen Geldkapital namentlich zu Zahlungszwecken geliehen wird, sowie die Umschläge des fixen Kapitals, innerhalb deren Geldkapital für Investitionszwecke nachgefragt wird. Die unterschiedlichen Reproduktionstermine des reproduktiv fungierenden Kapitals bilden die bestimmende, wenngleich verdeckte Grundlage für die Verhältnisse des zinstragenden Kapitals und seiner Märkte.“ Vgl. zur Hierarchie der Teilmärkte ebd., 482. [zurück]
  59. Vgl. MEW 25, 378. [zurück]
  60. MEW 25, 381. [zurück]
  61. Vgl. MEW 25, 377-382. [zurück]
  62. Vgl. MEW 25, 380f. [zurück]
  63. Vgl. MEW 25, 381: „Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seines besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. (…) So daß sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.“ [zurück]
  64. Vgl. MEW 25, 391: „Diese beiden Formen (…) existieren nur in ihrem Gegensatz. Sie sind also beide nicht bezogen auf den Mehrwert, von dem sie nur in verschiednen Kategorien, Rubriken oder Namen fixierte Teile sind, sondern sie sind aufeinander bezogen.“ [zurück]
  65. Die nur gegensätzliche Existenz von Zins und Nettoprofit gilt nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ: Bei gegebenem Durchschnittsprofit variieren Rate des Nettoprofits und Rate des Zinses invers. [zurück]
  66. MEW 25, 394. [zurück]
  67. Vgl. MEW 25, 385-388, 391-394. [zurück]
  68. MEW 25, 387. [zurück]
  69. Vgl. MEW 25, 388, 394. Vgl. MEW 25, 393: „Über der gegensätzlichen Form der beiden Teile, worin der Profit, also der Mehrwert zerfällt, wird vergessen, daß beide bloß Teile des Mehrwerts sind.“ Vgl. MEW 25, 394: „In der Tat ist in der Form, die die beiden Teile des Profits, d.h. des Mehrwerts, als Zins und Unternehmergewinn annehmen, kein Verhältnis zur Arbeit ausgedrückt, weil dies Verhältnis nur existiert zwischen ihr und dem Profit oder vielmehr dem Mehrwert als der Summe, dem Ganzen, der Einheit dieser beiden Teile. (…) Daraus, daß der Zins dem Unternehmergewinn und der Unternehmergewinn dem Zins, beide einander, aber nicht der Arbeit gegenüberstehen, folgt – daß Unternehmergewinn plus Zins, d.h. der Profit, weiter der Mehrwert, worauf beruhn? Auf der gegensätzlichen Form seiner beiden Teile! Der Profit wird aber produziert, ehe diese Teilung mit ihm vorgenommen wird und ehe von ihr die Rede sein kann.“ [zurück]
  70. Vgl. MEW 25, 388-391. [zurück]
  71. Vgl. zum Unterschied von der analytischen Methode der klassischen politischen Ökonomie und der genetischen Darstellung der Kritik der politischen Ökonomie MEW 26.3, 490f.: „Die klassische Ökonomie sucht die verschiednen fixen und einander fremden Formen des Reichtums durch Analyse auf ihre innre Einheit zurückzuführen und ihnen die Gestalt, worin sie gleichgültig nebeneinander stehn, abzuschälen; [sie] will den innren Zusammenhang im Unterschied von der Mannigfaltigkeit der Erscheinungsformen begreifen. Sie reduziert daher Rente auf Surplusprofit, womit sie aufhört als besondre, selbständige Form und von ihrem scheinbaren Quell, dem Boden, getrennt wird. Sie streift dem Zins ditto seine selbständige Form ab und zeigt ihn als Teil des Profits nach. Sie hat alle Formen der Revenue und alle selbständigen Gestalten, Titel, unter denen am Wert der Ware vom Nichtarbeiter partizipiert wird, auf die eine Form des Profits reduziert. Dieser aber löst sich in Mehrwert auf, da der Wert der ganzen Ware in Arbeit sich auflöst; das bezahlte Quantum der in ihr enthaltnen Arbeit in Arbeitslohn, also der Überschuß darüber in unbezahlte Arbeit, gratis unter verschiednen Titeln angeeignete, aber vom Kapital hervorgerufene Surplusarbeit. Die klassische Ökonomie widerspricht sich gelegentlich in dieser Analyse; sie versucht oft unmittelbar, ohne die Mittelglieder, die Reduktion zu unternehmen und die Identität der Quelle der verschiedenen Formen nachzuweisen. Dies geht aber aus ihrer analytischen Methode, womit die Kritik und das Begreifen anfangen muß, notwendig hervor. Sie hat nicht das Interesse, die verschiednen Formen genetisch zu entwickeln, sondern sie durch Analyse auf ihre Einheit zurückzuführen, weil sie von ihnen als gegebnen Voraussetzungen ausgeht. Die Analyse aber die notwendige Voraussetzung der genetischen Darstellung, des Begreifens des wirklichen Gestaltungsprozesses in seinen verschiednen Phasen.“ Vgl. zur Kritik der politischen Ökonomie als genetischer Darstellung ausführlicher Gaul (2012). [zurück]
  72. Brentel (1989), 283. [zurück]
  73. MEW 26.2, 162. [zurück]
  74. Vgl. hier zu die Marxsche Interpretation von Adam Smith und David Ricardo in MEW 26.2, 161-166. Marx unterscheidet im Werk von Adam Smith einen esoterische und eine exoterische Auffassung: „Diese beiden Auffassungsweisen – wovon die eine in den innren Zusammenhang, sozusagen in die Physiologie des bürgerlichen Systems eindringt, die andre nur beschreibt, katalogisiert, erzählt und unter schematisierende Begriffsbestimmungen bringt, was sich in dem Lebensprozeß äußerlich zeigt, so wie es sich zeigt und erscheint – laufen bei Smith nicht nur unbefangen nebeneinander, sondern durcheinander und widersprechen sich fortwährend. (…) Die eine Arbeit interessiert ihn so sehr wie die andre, und da beide unabhängig voneinander vorgehn, kommt hier eine ganz widersprechende Vorstellungsweise heraus, die eine, die den innren Zusammenhang mehr oder minder richtig ausspricht, die andre, die mit derselben Berechtigung und ohne irgendein innres Verhältnis – ohne allen Zusammenhang mit der andren Auffassungsweise – den erscheinenden Zusammenhang ausspricht“ (MEW 26.2, 162). Nach Marx ist es „die große historische Bedeutung Ricardos für die Wissenschaft“ (MEW 26.2, 162), dass er die esoterische und die exoterische Auffassung, die bei Adam Smith vollkommen unvermittelt nebeneinander stehen, in ein Verhältnis setzt; dass er also den bei Smith selbst unthematischen Widerspruch zwischen innerem Zusammenhang und erscheinendem Zusammenhang zum Thema macht: „Die Methode Ricardos besteht nun darin: Er geht aus von der Bestimmung der Wertgröße der Ware durch Arbeitszeit und untersucht dann, ob die übrigen ökonomischen Verhältnisse, Kategorien, dieser Bestimmung des Wertes widersprechen oder wie weit sie dieselbe modifizieren. Man sieht auf den ersten Blick sowohl die historische Berechtigung dieser Verfahrungsart, ihre wissenschaftliche Notwendigkeit in der Geschichte der Ökonomie, aber zugleich auch ihre wissenschaftliche Unzulänglichkeit, eine Unzulänglichkeit, die sich nicht nur in der Darstellungsart (formell) zeigt, sondern zu irrigen Resultaten führt, weil sie notwendige Mittelglieder überspringt und in unmittelbarer Weise die Kongruenz der ökonomischen Kategorien untereinander nachzuweisen sucht“ (MEW 26.2, 161f.). In Marx‘ Augen ist der entscheidende Mangel bei Ricardo der, dass der Fortgang vom inneren zum erscheinenden Zusammenhang „keine Fortentwicklung“ (MEW 26.2, 166) ist. Die genetische Fortentwicklung vom inneren zum erscheinenden Zusammenhang charakterisiert die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie. [zurück]
  75. MEW 25, 219. [zurück]
  76. MEW 25, 235. [zurück]
  77. Vgl. dazu die Zusammenfassung des dritten Bandes durch Marx selbst in MEW 25, 836ff. [zurück]
  78. Vgl. MEW 26.3, 474: „Und in dieser ganz entfremdeten Form des Profits, und in demselben Grade, wie die Gestalt des Profits seinen innren Kern versteckt, erhält das Kapital mehr und mehr eine sachliche Gestalt, wird aus Verhältnis immer mehr Ding, aber Ding, das das gesellschaftliche Verhältnis im Leib hat, in sich verschluckt hat, mit fiktivem Leben und Selbständigkeit sich zu sich selbst verhaltendes Ding, sinnlich-übersinnliches Wesen; und in dieser Form von Kapital und Profit erscheint es als fertige Voraussetzung auf der Oberfläche. Es ist die Form seiner Wirklichkeit oder vielmehr seine wirkliche Existenzform. Und es ist die Form, worin es im Bewußtsein seiner Träger, der Kapitalisten, lebt, sich in ihren Vorstellungen abspiegelt.“ [zurück]
  79. MEW 26.3, 476. [zurück]
  80. Vgl. MEW 26.3, 468: „Wie alles in dieser Produktionsweise sich verkehrt darstellt, so auch schließlich die letzte Verkehrung in dem Verhältnis von Zins und Profit, so daß der unter besondrer Rubrik [Zins] abgeschiedene Teil des Profits vielmehr als das eigenst dem Kapital angehörige Produkt und der industrielle Profit als bloß darauf gepropfter Zusatz sich darstellt.“ [zurück]
  81. MEW 26.3, 474. [zurück]
  82. MEW 26.3, 476. [zurück]
  83. Vgl. Lipietz (1983), 117: „On peut donc dire que le système des connexions de surface acquiert une certaine autonomie et consistance, non seulement parce que c‘est la forme dans laquelle les relations internes apparaissent pour les agents individuels, mais aussi parce que ces relations internes ne sont effectivement reproduites qu‘à travers ce comportement (de calcul d‘un „prix d‘offre“) des entrepreneurs privés.“ [zurück]
  84. Vgl. Krüger (2010), 488ff. [zurück]
  85. Die Betriebswirtschaftslehre behandelt die Zinskosten in diesem Falle unter den Posten „kalkulatorische Kosten“ und (gemäß dem Opportunitätskostenkonzept) „Zusatzkosten“ als „kalkulatorische Eigenkapitalzinsen“. Diese sind gleich dem möglichen Zinsertrag einer risikoadäquaten Alternativanlage des Eigenkapitals. Vgl. Wöhe (2008), 942f. [zurück]
  86. MEW 26.3, 499. [zurück]
  87. Vgl. MEW 26.3, 498-507. [zurück]
  88. Vgl. MEW 26.3, 500f.: „Die Analyse des Mehrwerts, also eines Teils des Werts der Waren, in diese besondren Rubriken, Kategorien [wie Zins etc.], ist sehr verständlich und widerstreitet in keienr Weise dem Gesetz des Werts selbst. Durch die selbständige Form aber, die diese verschiednen Teile des Mehrwerts erlangen, durch die verschiednen Personen, denen sie zufließen, durch die verschiednen Elemente, worauf der Titel an sie begründet ist, endlich durch die Selbständigkeit, worin verschiedne dieser Teile dem Prozeß als Bedingungen gegenübertreten, wird das Ganze mystifiziert. Aus Teilen, worin der Wert analysiert werden kann, werden sie zu selbständigen Elementen, die ihn konstituieren, zu konstituierenden Elementen. Sie sind das für den Marktpreis. Sie werden wirklich zu konstituierenden Elementen desselben. Wie diese ihre scheinbare Unabhängigkeit als Bedingung des Prozesses ihrerseits durch das innre Gesetz reguliert und nur scheinbar unabhängig sind, tritt in keinem Augenblick des Produktionsprozesses in die Erscheinung, noch wirkt es als bestimmendes, bewußtes Motiv. Grade das Umgekehrte. Die höchste Festigkeit, die dieser Schein des Resultats als selbständige Bedingungen annehmen kann, ist gegeben, sobald Teile des Mehrwerts – als Preise von Produktionsbedingungen – in den Preis eintreten.“ Vgl. MEW 26.3, 503: „Es ist also die beständige Reproduktion derselben Verhältnisse – der die kapitalistische Produktion bedingenden Verhältnisse –, die sie nicht nur als gesellschaftliche Formen und Resultate dieses Prozesses erscheinen läßt, sondern zugleich als beständige Voraussetzungen. Solche sind sie aber nur als von ihm selbst beständig gesetzte, geschaffne, produzierte Voraussetzungen. Diese Reproduktion ist aber keine bewußte und erscheint vielmehr nur in der beständigen Existenz dieser Verhältnisse als Voraussetzungen und den Produktionsprozeß beherrschende Bedingungen. Aus den Auflösungen des Warenwerts z.B. werden seine konstituierenden Teile, die sich als selbständige gegenübertreten und daher auch als selbständige [Teile] gegen ihre Einheit, die vielmehr als Kombination erscheint. Der Bürger sieht, daß das Produkt beständig Produktionsbedingung wird. Aber er sieht nicht, daß die Produktionsverhältnisse selbst, die gesellschaftlichen Formen, in denen er produziert und die ihm als gegebne, natürliche Verhältnisse erscheinen, das beständige Produkt – und nur darum die beständige Voraussetzung – dieser spezifisch gesellschaftlichen Produktionsweise sind.“ Vgl. MEW 26.3, 507: „In der Form des Zinses und der Rente, worin der Mehrwert antizipiert wird, ist vorausgesetzt, daß der allgemeine Charakter der Reproduktion derselbe bleibt. Und dies ist der Fall, solang die kapitalistische Produktionsweise fortdauert. Zweitens ist selbst vorausgesetzt, was plus au moins auch der Fall, daß für bestimmte Zeit die bestimmten Verhältnisse dieser Produktionsweise dieselben bleiben. So fixiert sich das Resultat der Produktion als feste, daher vorausgesetzte Bedingung derselben, und zwar als feste Eigenschaft der sachlichen Produktionsbedingungen. Es sind die Krisen, die diesem Schein der Selbständigkeit der verschiednen Elemente, worin sich der Produktionsprozeß beständig auflöst und die er beständig rückerzeugt, ein Ende machen.“ Vgl. für eine ausführliche und hellsichtige Interpretation des letzten Zitats Lipietz (1983). [zurück]
  89. Vgl. Krüger (2010), 488ff. [zurück]
  90. Vgl. Schmidt/Terberger (1997), 128: „Eine Investition ist eine Zahlungsreihe. Einer Zahlungsreihe kann man einen Barwert oder Gegenwartswert zuordnen, indem man alle vor dem Bezugszeitpunkt anfallenden Zahlungen bis zum Bezugszeitpunkt aufzinst und alle nach dem Bezugszeitpunkt anfallenden Zahlungen abzinst und dann die Summe aller auf den Bezugszeitpunkt umgerechneten Zahlungen bildet. Ein Barwert kann für jeden beliebigen Zeitpunkt und mit jedem Zinssatz berechnet werden.“ [zurück]
  91. Vgl. zur Kapitalwertmethode und zur Methode des internen Zinsfußes Schmidt/Terberger (1997), 127-165; Berk/DeMarzo (2007), 47-80, 149-156; Wöhe/Döring (2008), 537-539, 542-544. [zurück]
  92. Vgl. zum Kuhnschen Begriff des Paradigmas, angewendet auf die Schulen der Volkswirtschaftslehre Herr (2001), 204ff.; Heinrich (2003), 19-26. [zurück]
  93. MEW 25, 53. [zurück]
  94. Vgl. MEW 25, 614: „Was das zinstragende Kapital, soweit es ein wesentliches Element der kapitalistischen Produktionsweise bildet, vom Wucherkapital unterscheidet, ist in keiner Weise die Natur oder der Charakter dieses Kapitals selbst. Es sind nur die veränderten Bedingungen, unter denen es fungiert, und daher auch die total verwandelte Gestalt des Borgers, der dem Geldverleiher gegenübertritt. Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten.“ Vgl. auch Mandel (1970), 232: „Anders ist es mit dem Zirkulations- und Investitionskredit in der kapitalistischen Gesellschaft. Ein Geldvorschuß dient nicht mehr dazu, den Lebensunterhalt des Schuldner zu sichern, sondern ermöglicht diesem, einen Gewinn zu erzielen.“ Vgl. auch Heinrich (2003), 289: „Natürlich kann Geld auch gegen Zins verliehen werden, ohne daß es vom Borger als Kapital benutzt wird. Hier geht es aber nicht um diese allgemeine Möglichkeit des Zinses, die nicht einmal Geld, sondern lediglich irgendeine Form übertragbaren Eigentums voraussetzt, sondern um die spezifisch kapitalistische Formbestimmung des Zinses, d.h. um den Unterschied vom bloßen „Wucher“, der auch unter vorkapitalistischen Verhältnissen existierte und häufig die Tendenz hatte, den Schuldner in den Ruin zu treiben. Unter kapitalistischen Verhältnissen ermöglicht es das zinstragende Kapital dem fungierenden Kapitalisten, seinen Reichtum und die Verwertung seines eigenen Kapitals erheblich zu steigern, indem er sich nicht nur den Profit aneignet, der von diesem Kapital abgeworfen wird, sondern auch noch den Unternehmergewinn, der ihm vom geliehenen Kapital nach Abzug des Zinses bleibt. Die Verschuldung der Einzelkapitale ist daher der Normalfall und nicht etwa schon ein Krisensymptom.“ Vgl. dazu MEW 25, 607-626. [zurück]
  95. Vgl. Schumpeter (2009), 416. [zurück]
  96. Vgl. Schumpeter (2009), 417ff.: „Zwischen Locke und den heutigen monetären Zinstheorien besteht keine Brücke. Stattdessen machte man einen neuen Anfang, der zu einem so großen Erfolg führte, daß es uns heute schwer fällt, darüber erstaunt zu sein, wie es eigentlich angebracht wäre. Soweit mir bekannt ist, gab es davon nur ganz schwache Andeutungen vor dem Jahr 1690 als Barbon (Discourse of Trade) die bedeutungsvolle Behauptung aufstellte: „Im allgemeinen werden Zinsen für Geld berechnet…, aber das ist ein Irrtum; denn Zinsen werden für Vorrat gezahlt“ (…) Für den Leser, der die Geschichte der Zinstheorie während des neunzehnten und der erste vier Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts begreifen will, ist das volle Verständnis der Bedeutung dieser Behauptung unerlässlich. (…) Die Behauptung, daß es möglich ist, das monetäre Element auszuklammern, ohne damit etwas Wesentliches aufzugeben, war daher ein äußerst kühner Schritt – den weder die Scholastiker, noch Petty oder Locke für möglich hielten (…); im besonderen war dies der entscheidende Schritt in Richtung auf die „Real“-Analyse des neunzehnten Jahrhunderts, nach der das Geld nur ein „Schleier“ war, den die Analyse entfernen muß.“ [zurück]
  97. Vgl. Schumpeter (2009), 419ff. [zurück]
  98. Vgl. den Abschnitt „Hume und Massie“ in den Theorien über den Mehrwert (MEW 26.1, 349-353) sowie MEW 25, 389: „Daher andrerseits die bis zur Zeit Massies vorherrschende Vorstellung, daß es das Geld als solches ist, was im Zins bezahlt wird. Der Umstand, daß verliehenes Kapital Zins abwirft, ob wirklich als Kapital verwandt oder nicht – auch wenn nur zur Konsumtion geborgt –, befestigt die Vorstellung von der Selbständigkeit dieser Form des Kapitals. Der beste Beweis von der Selbständigkeit, worin, in den ersten Perioden der kapitalistischen Produktionsweise, der Zins dem Profit und das zinstragende dem industriellen Kapital gegenüber erscheint, ist der, daß erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Tatsache entdeckt wurde (von Massie und nach ihm von Hume), daß der Zins ein bloßer Teil des Bruttoprofits ist, und daß es überhaupt einer solchen Entdeckung bedurfte.“ Vgl. auch MEW 25, 364f., 371, 374f., 377f. [zurück]
  99. Vgl. Schumpeter (2009), 420ff.: „Turgots Beitrag ist die weitaus beste Leistung des achtzehnten Jahrhunderts auf dem Gebiet der Zinstheorie (…) Ebenso wie Hume argumentierte auch Turgot, daß die Geldmenge den Zinssatz nicht bestimme, wobei er ganz richtig die begriffliche Unabhängigkeit der beiden Bedeutungen des Ausdruckes „Geldwert“ betonte – seines Wertes auf dem Geldmarkt und des auf den Gütermärkten – und schließlich so weit ging, zu behaupten, daß eine Steigerung der Geldmenge, die die Warenpreise erhöht, den Zinssatz merklich steigern könne. Auch ersetzte er wie Hume das Angebot an Geld durch das Angebot an Ersparnissen. Und es gibt noch manchen anderen Punkt, den Hume bereits vor ihm ausführte. Seine Theorie aber geht weit über all das hinaus (…) Die hommes industrieux teilen ihren Profit mit den Kapitalisten, die die Mittel zur Verfügung stellen. Der Anteil, der letzteren zufällt, wird wie jeder Preis durch das Spiel von Angebot und Nachfrage zwischen Darlehensgebern und Darlehensnehmern bestimmt. (…) Aus den beiden Gründen wird es dem Leser schwerfallen, für den genialen Schritt Turgots die nötige Bewunderung aufzubringen, mit dem er unter Ausnützung des Kapitalbegriffes von Cantillon und Quesnay das Zinsphänomen mit einer elementaren Produktionsgegebenheit in Verbindung brachte.“ [zurück]
  100. Vgl. Schumpeter (2009), 419: „A. Smith übernahm diese Theorie des Zinses (…) und das neunzehnte Jahrhundert übernahm sie von ihm.“ „‘Was der Darlehensgeber wirklich zur Verfügung stellt ist nicht das Geld, … sondern es sind die Güter, die dafür erworben werden können‘ (Buch II, Kap.4), und an den Ansichten von ‚Mr. Locke, Mr. Law und Mr. Montesquieu‘, daß eine Steigerung der Gold- oder Silbermenge den Zinssatz senkt, ist nichts dran“ (ebd., 422). [zurück]
  101. Vgl. Schumpeter (2009), 790: „Der Zins [bei J.S. Mill] war kein monetäres Phänomen. Wenn die „Klassiker“ im Rahmen der fundamentalen Analyse überhaupt von Geldzins sprachen, meinten sie nicht einen Ertrag aus Gelddarlehen per se, wie dies die Autoren der Scholastik getan hatten und wie es auch einige von uns heute tun, sondern lediglich den monetären Ausdruck für den Ertrag des Sachkapitals (…). Der Zins, der lediglich derjenige Teil der Nettoeinkünfte eines Unternehmens war, den der Eigentümer-Manager einem Kreditgeber übergibt, dem er die Mühe und das Risiko des Wirtschaftens erspart, blieb ebenfalls ein (reiner) „Profit des Bestandes“. Dies trifft für alle Ökonomen unserer Periode zu – für Marx nicht weniger als für Say – und auch für nahezu alle der nächsten Periode.“ [zurück]
  102. Vgl. Schumpeter (2009), 414, 418f., 878ff. „Es kann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß diese Auffassung das ganze neunzehnte Jahrhundert hindurch vorherrschend blieb, wenigstens bis zu Wicksell“ (ebd., 878). [zurück]
  103. Vgl. die kurzen Darstellungen der Theorie des kumulativen Prozesses in Issing (1995), 95ff.; Borchert (1992), 31, 113f.; Gaul (2008), 18ff. (hier im Kontext der Auseinandersetzung zwischen Currency- und Bankingschule). Zur Zinstheorie von Wicksell allgemein vgl. Lutz (1956), 25-36. [zurück]
  104. Vgl. Schumpeter (2009), 1356ff.: „Während der zur Diskussion stehenden Periode blieb die Zinsrate für praktisch alle Wirtschaftswissenschaftler eine Ertragsrate – wie immer sie auch erklärt wurde – des physischen Kapitals, und die monetäre Zinsrate war eine bloße Ableitung der realen. Es war natürlich seit langem bekannt, daß diese beiden Zinsraten nicht zusammenfallen müssen. (…) Niemand aber hat diesem Umstand größere Bedeutung beigemessen, bis Wicksell diese Unterscheidung zum Mittelpunkt seiner Theorie des Geldwertes und zum Gegenstand einer eingehenden Analyse machte, die zum Wicksellschen Kumulativen Prozeß führte. (…) Die durch dieses Argument geschaffene analystische Situation läßt sich folgendermaßen schildern: An sich stellt Wicksells Betonung der Auswirkungen möglicher Divergenzen zwischen der monetären und der realen Zinsrate noch keinen zwingenden Grund zur Aufgabe der Position dar, daß ein Nettoertrag physischer Güter die grundsätzliche Tatsache des Zinses ist – einer Position, die Wicksell selbst niemals aufgegeben hat. Diese Divergenzen aber sind ein guter und hinlänglicher Grund dafür, die monetäre Zinsrate als eine selbständige Variable zu behandeln, die, wenigstens teilweise, von anderen Faktoren als denen abhängt, die den Nettoertrag physischen Kapitals (die natürliche oder reale Rate) regulieren. Natürlich sind beide Zinsraten verwandt. Im Gleichgewicht sind sie sogar gleich. Sie sind aber nicht „grundsätzlich gleiche Dinge“. Und sobald wir dies anerkennen, werden beide Raten immer weiter divergieren, und wir werden uns mehr und mehr von der Position entfernen, daß der Nettoertrag dieser oder jener Art, den physische Güter erbingen, die fundamentale Tatsache der Zinsrate des Kapitalmarktes ist – eine Position, die wir auf Barbon zurückgeführt haben, und die Lord Keynes deshalb verurteilen sollte, weil sie „Verwechslung“ zwischen der Zinsrate und Grenzleistungsfähigkeit (physischen) Kapitals impliziere. Andere Faktoren, z.B. die Kreditpolitik der Banken, werden sich uns dann als ebenso grundsätzlich darstellen, womit sich der Weg öffnet zu rein monetären Zinstheorien, wie sie später entstanden, und unter denen die Keynessche mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken sollte als alle anderen.“ [zurück]
  105. Vgl. Schumpeter (2009), 1432. [zurück]
  106. Vgl. auch Krüger (2010), 473, 492, 533. [zurück]
  107. Vgl. Mill (2004), 387ff. [zurück]
  108. Mill (2004), 388. Vgl. auch ebd., 592ff. [zurück]
  109. Vgl. Naples/Aslanbeigui (1996), 60. Die Identität von Profitrate und Zinsrate in der langen Frist vorausgesetzt, weshalb die Autoren von „the rate of profit-interest“ sprechen, kommen Naples/Aslanbeigui anhand der Untersuchung von acht einführenden, neoklassischen Lehrbüchern zu folgendem Ergebnis: „The introductory textbooks that we have surveyed demonstrate the failure of their authors to provide a coherent theory of the rate of profit in the short run or long run, fundamental as this may be (…) We conclude that 30 years after the capital controversy the neoclassical theory of the profit rate remains murky. The absence of a coherent explanation for the profit rate represents a fundamental failure for the neoclassical model“ (ebd., 69f.). [zurück]
  110. Vgl. Krüger (2012), 60f.: „Mit der Keynesschen Differenzierung zwischen Profitrate und Zinsfuß ist gleichzeitig die neoklassische Zinstheorie grundsätzlich kritisiert. (…) Im vorliegenden Argumentationszusammenhang [der Differenzierung zwischen Profitrate und Zinsrate als Kritik der neoklassischen Zinstheorie] stellt jedoch die Keynessche Kritik an diesem so genannten Zinsautomatismus der Neoklassik nicht den entscheidenden Gesichtspunkt dar, sondern das Verhältnis von Zins und Profit. Der behauptete Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage nach Ersparnissen über den gleichgewichtsvermittelnden Zinssatz impliziert für die Neoklassik weiter, dass „der Zins … als der Faktor dargestellt (wird), der den Grenznachteil des Wartens mit der Grenzproduktivität des Kapitals in Gleichgewicht bringt“ (ebd. 148f.). Nun bezeichnet die Grenzproduktivität des Kapitals normalerweise oder in erster Instanz sogar ein stoffliches Produkt; selbst wenn man jedoch hierunter den Wert des Grenzerzeugnisses versteht, wird evident, dass der Zins jetzt als das spezifische Erträgnis des Kapitals gefasst wird: Im Gleichgewicht sind also Profit und Zins des Kapitals notwendigerweise gleich, ein Unterschied zwischen beiden existiert nicht. Diese Ineinssetzung beruht auf einer Konfundierung von Realkapital (im Sinne von industriell oder kommerziell angelegtem Kapital) und zinstragendem Kapital. Keynes bemerkt in diesem Zusammenhang kritisch zu Marshall: „Es ist zu beachten, daß Marshall das Wort ‚Kapital‘ und nicht ‚Geld‘ und das Wort ‚Bestand‘ und nicht ‚Anleihen‘ gebraucht; und doch ist der Zins eine Zahlung für das Borgen von Geld, und ‚Nachfrage nach Kapital‘ sollte in diesem Zusammenhang die ‚Nachfrage nach Geldanleihen zum Zwecke des Kaufens eines Bestandes an Kapitalgütern‘ bedeuten. Die Gleichheit zwischen dem Angebot des Bestandes an Kapitalgütern und der Nachfrage nach dem Bestand wird aber durch die Preise der Kapitalgüter und nicht durch den Zinssatz hergestellt werden. Was der Zinssatz herstellt, ist die Gleichheit zwischen der Nachfrage und dem Angebot von Darlehen, das heißt Anleihen.“ (AT: 156, Fn.) Damit wird der Grund für die neoklassische Konfundierung von Zins und Profit deutlich; sie beruht auf einer Konfusion hinsichtlich des Begriffes von Kapital. Das zinstragende Kapital gilt der Neoklassik als Kapital par excellence, hinter dem der funktionelle Unterschied verschiedener Kapitalsorten erlischt. Ist aber das zinstragende Kapital das Kapital überhaupt, ist der Zins das Erträgnis des Kapitals und erhält der Zinsfuß als gleichgewichtsvermittelnde Variable zwischen Angebot und Nachfrage nach (zinstragendem) Kapital die zentrale Funktion für die Kapitalakkumulation: Sparen (Angebot an Kapital) und Investieren (Nachfrage nach Kapital) stehen somit in einem prinzipiell gleichförmigen Zusammenhang, mehr noch: das erste bestimmt das letztere.“ [zurück]
  111. Vgl. Keynes (2009), 179f., 187ff.; Krüger (2012), 52-58. [zurück]
  112. Vgl. Keynes (2009), 187ff.; Krüger (2012), 52ff. [zurück]
  113. Vgl. Krüger (2012), 55. Vgl. Herr (2001), 211f.: „Der Vermögensmarkt steht an der Spitze der Markthierarchie, er dominiert den Güter- und den Arbeitsmarkt. Nach Keynes steuern Geldvorschüsse die Produktion. Das bedeutet, dass Prozesse auf dem Vermögensmarkt über den gewünschten Bestand an Produktivvermögen und damit auch über die Investitionstätigkeit entscheiden. Nach dieser Sicht ist eine Marktwirtschaft eine Kredit- bzw. Verpflichtungsökonomie. Auf dem Vermögensmarkt stellen sich Unternehmen in der Regel als Schuldner dar, die Kredite vom Bankensystem oder direkt von den Haushalten bekommen. (…) In der Perspektive von Keynes ist der Zinssatz ein monetäres Phänomen. Damit ist gemeint, dass Zinsen kein Ausdruck einer wie auch immer gearteten Realsphäre sind, also nicht wie im neoklassischen Ansatz eine physische Produktivität von Kapitalgütern oder Zeitpräferenzen von Haushalten repräsentieren. Zinssätze werden auf dem Vermögensmarkt bestimmt und sind der Preis für die zeitlich befristete Aufgabe von Geld. Zinsen sind wie Löhne für Unternehmen Kosten, die verdient werden müssen. Der Zinssatz lässt sich als eine Art Steuer interpretieren, welche die Gläubiger des Unternehmenssektors einstreichen (Keynes 1936, Kap. 18). Durch den Zinssatz wird eine Mindestverwertung von Produktionsprozessen erzwungen, die ansonsten nicht existieren würde. Im Gleichgewicht bestimmt der monetäre Zinssatz die Verwertungsrate von Produktivvermögen. Nach klassisch-neoklassischer Sicht ist es, wie gesagt, gerade umgekehrt, da sich dort der Geldzinssatz einer – wie auch immer bestimmten – Verwertungsrate der Realökonomie anpasst. Investitionen hängen bei Keynes unter anderem vom monetär bestimmten Zinssatz ab und können nicht als Ausdruck einer Realsphäre ohne Einfluss einer Geldsphäre gefasst werden.“ An anderer Stelle schreibt Herr prägnant: „Zins kommt damit nicht aus dem Profit…, sondern der Zins erzwingt umgekehrt den Profit“ (zit. in Krüger (2012), 55). Krüger kommentiert vom Standpunkt der Kritik der politischen Ökonomie: „Es wird hier der Standpunkt des Geldkapitalisten bzw. Vermögenseigentümers oder -besiters eingenommen, deren Kalküle Vermögensertrag und Vermögenssicherung sind; der fungierende Unternehmer ist demgegenüber ein bloßer Vikar des Geldvermögensbesitzers, der den Rückfluss des als zinstragendes Kapital vorgeschossenen Geldkapitals nur vermittelt. Das Kalkül des Vermögensbesitzers, sein Vermögen zu sichern (…) konstituiert das Knapphalten von Geld und somit überhaupt erst die Existenz eines Profits, sodass die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals nicht mehr durch primär reproduktiv-“realwirtschaftliche“, objektive Gütermarktkonstellationen bestimmt und nur durch den nach unten starren Geldzinsfuß in ihrem Sinken begrenzt wird, sondern überhaupt erst durch das Knapphalten von Geld aus dem Vermögenssicherungskalkül des dominierenden Geldkapitalisten entsteht. Damit ist die bei Keynes noch vorhandene Beziehung zwischen stofflichen und wertlichen bzw. preislichen Bestimmtheiten der Produktion gänzlich aufgelöst und die Preisbestimmung rein durch die auf dem Finanz- oder Vermögensmarkt dominierenden Kalküle determiniert.“ [zurück]
  114. MEW 26.3, 463. [zurück]
  115. Vgl. Sardoni (1998), 275f.: „While for Ricardo the rate of interest, in the long period, is regulated by the natural rate of profit in the ‚real‘ sector, for Marx the rate of interest does not depend on the rate of profit either in the short or in the long period. The rate of interest depends on supply and demand for loans. By distinguishing between a market rate of interest and an average rate of interest, Marx pointed out that the average rate of interest is not determined by any ‚natural‘ law, but is merely the result of continuous fluctuations of the market rate.“ Vgl. zum Unterschied zwischen Marx und Ricardo in diesem Sinne auch Panico (1980), 370f. Zum Sinne der Leugnung der Existenz einer natürlichen Zinsrate bei Marx vgl. auch Itoh/Lapavitsas (1999), 72. Im Unterschied zu Marx nimmt John Stuart Mill die Existenz einer natürlichen Rate des Zinses an (vgl. Mill (2004), 593f.), wenngleich auch er im Rahmen dieser ganz klassischen Zinstheorie den spezifisch monetären Faktoren selbständigen Einfluss zugesteht (vgl. Mill (2004), 598ff.). [zurück]
  116. MEW 25, 839: „In der Darstellung der Versachlichung der Produktionsverhältnisse und ihrer Verselbständigung gegenüber den Produktionsagenten gehen wir nicht ein auf die Art und Weise, wie die Zusammenhänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Zyklen der Industrie und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihnen als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen und sich ihnen gegenüber als blinde Notwendigkeit gelten machen. Deswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz außerhalb unsers Plans liegt und wir nur die innere Organisation der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen Durchschnitt, darzustellen haben.“ [zurück]
  117. Hierzu schreibt Marx zu Beginn des 22. Kapitels: „Der Gegenstand dieses Kapitels, sowie überhaupt alle später zu behandelnden Erscheinungen des Kredits, können hier nicht im einzelnen untersucht werden. Die Konkurrenz zwischen Verleihern und Borgern und die daher resultierenden kürzeren Schwankungen des Geldmarkts fallen außerhalb des Bereichs unserer Betrachtung. Der Kreislauf, den die Zinsrate während des industriellen Zyklus durchläuft, unterstellt zu seiner Darstellung die Darstellung dieses Zyklus selbst, die ebenfalls hier nicht gegeben werden kann. (…) Wir haben es hier nur damit zu tun, die selbständige Gestalt des zinstragenden Kapitals und die Verselbständigung des Zinses gegen den Profit zu entwickeln.“ Wie das Zitat zeigt, hat Marx selbst die im Text anvisierte konkretisierende Weiterentwicklung auf der Ebene der Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise in ihrem idealen Durchschnitt, d.h. noch unabhängig von der Bewegung der Zinsrate im Konjunkturzyklus, als Möglichkeit erwogen. [zurück]
  118. Vgl. MEW 25, 613: „Im großen und ganzen wird das zinstragende Kapital im modernen Kreditsystem den Bedingungen der kapitalistischen Produktion angepaßt.“ Vgl. MEW 25, 617: „Diese gewaltsame Bekämpfung des Wuchers, diese Forderung der Unterordnung des zinstragenden Kapitals unter das industrielle Kapital ist nur der Vorläufer der organischen Schöpfungen, die diese Bedingungen der kapitalistischen Produktion im modernen Bankwesen herstellen, das einerseits das Wucherkapital seines Monopols beraubt, indem es alle totliegenden Geldreserven konzentriert und auf den Geldmarkt wirft, andrerseits das Monopol der edlen Metalle selbst durch Schöpfung des Kreditgelds beschränkt.“ Vgl. 26.3, 507: „Das zinstragende Kapital erhält die der kapitalistischen Produktion eigentümliche und ihr entsprechende Form im Kredit. Er ist eine von der kapitalistischen Produktionsweise selbst geschaffne Form.“ Vgl. dazu Panico (1980), 371f. [zurück]
  119. Im 13. Kapitel legt Keynes seine „allgemeine Theorie des Zinssatzes“ dar. Zunächst hebt Keynes hervor, dass die Betrachtung der Entscheidung, erzieltes Einkommen entweder zu konsumieren oder zu sparen, nicht hinreichend ist. Derjenige, der nicht konsumiert, also spart, steht vor einer zweiten Entscheidung: Der Entscheidung zwischen Bargeldhaltung einerseits und Verwertung des Geldes als zinstragendes Kapital andererseits. Die Bargeldhaltung bzw. das Horten an sich bringt keine Zinsen ein. Deshalb lehnt Keynes die neoklassische Zinstheorie vom Zins als Belohnung für Warten nur überhaupt ab (die gleiche Kritik übt Marx an Nassau W. Senior’s Abstinenztheorie des Zinses, vgl. dazu Fan-Hung (1939), 36). Der Zins resultiert nicht aus der ersten Entscheidungsalternative zwischen Konsum und Sparen, sondern aus der zweiten Entscheidungsalternative zwischen Bargeldhaltung und Verwertung des Geldes als zinstragendem Kapital als den beiden verschiedenen Formen der Verfügung über zukünftigen Verbrauch. Der Zins wird von Keynes daher bestimmt als Belohnung für die Aufgabe der Liquidität, der Zinssatz ergibt sich nachfrageseitig aus dem Grad der Liquiditätspräferenz und angebotsseitig aus der Geldmenge. Im 15. Kapitel untersucht Keynes dann eingehender die „psychologischen und betrieblichen Anreize zur Liquidität“, d.h. die Bestimmungsgründe der Liquiditätspräferenz bzw. der Nachfrage nach Geld: Letztere lässt sich analysieren in das Einkommensmotiv, das Geschäftsmotiv, das Vorsichtsmotiv und das Spekulationsmotiv. Dem Spekulationsmotiv kommt dabei aufgrund seiner Zinsreagibilität die überragende Bedeutung zu. Das Spekulationsmotiv unterstellt aber bereits die Existenz organisierter Märkte für fiktivess Kapital. Vgl. Keynes (2009), 140-147; 164-176; Krüger (2012), 48ff., 182-189; Sardoni (1998), 282f. Sardoni vergleicht auch die Zinstheorie der General Theory mit ihrer Formulierung in den Vorarbeiten zur General Theory sowie ihren Akzentuierungen im Zuge der Diskussionen nach Veröffentlichung der General Theory. Dabei wird deutlich, dass die Auffassung von Keynes sowohl in den Vorarbeiten als auch in den Diskussionen nach 1936 eine größere Nähe zur Marxschen Zinstheorie aufweist. [zurück]
  120. Vgl. dazu auch die Einschätzung von Fan-Hung: „In his analysis of the rate of interest over the whole period of a trade cycle, Marx’s work is more akin to that of Professor Robertson, in the sense that he considers the rate of interest as being determined by the supply and demand of loanable money. On the whole, however, Marx’s theory can be correctly interpreted as a typical bank-loan theory, since he say, in a certain place, that ‚the variations of the rate of interest depend upon the supply of loan-capital, that is of the capital loaned in the form of money, hard cash, and notes … However, the mass of this loanable capital is different form and independent of the mass of circulating money‘“ (Fan-Hung (1939), 40). Vgl. auch Sardoni (1998), 281. Inwieweit sich die Theorie der Loanable-Funds und die Keynessche Liquiditätspräferenz-Theorie des Zinses überhaupt unterscheiden, war in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine kontrovers diskutierte Frage. Vgl. dazu die Arbeit von Tsiang, die den Versuch einer Versöhnung der beiden Theorien unternimmt: „It is the purpose of (…) this paper to show that the two theories are indeed identical in the sense that the two sets of demand and supply functions, i.e., the demand for and the supply of loanable funds, and the demand for money to hold and the stock of money in existence – would determine the same rate of interest in all circumstances, if both sets of demand and supply functions are formulated correctly in the ex ante sense“ (Tsiang (1956), 539). [zurück]
  121. Vgl. den originellen und methodisch bewussten Beitrag von Betz („Kapital“ und Geldkeynesianismus), der in Grundrissen eine monetär-keynesianische Weiterentwicklung der Kritik der politischen Ökonomie skizziert: „Wird der Gegenstand des „Kapital“ als Entwicklung ökonomischer Kategorien gefaßt, so kann sein Aufbau als Abfolge unterschiedlicher Theorieebenen verstanden werden. Es wird versucht zu zeigen, daß diese Abfolge auf der vom „Kapital“ erreichten Ebene noch nicht abgeschlossen und der Übergang zu den Grundkategorien einer monetärkeynesianischen Ökonomik möglich ist“ (Betz (1988), 93). Tatsächlich versucht der Aufsatz nachzuweisen, dass der Übergang zum Monetär-Keynesianismus vom Standpunkt der Kritik der politischen Ökonomie nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist. Vgl. ebd., 108f. [zurück]
  122. Vgl. Mandel (1970), 234: „Mit Keynes entdecken die bürgerlichen Ökonomen wieder, daß der Zins nur die Nachfrage nach liquidem Kapital betrifft, d.h. das Geld-Kapital, und daß er somit nicht den Gewinn, den das produktive Kapital erbringt, bestimmen kann.“ [zurück]
  123. Heinrich (2003), 288 FN55. [zurück]
  124. Vgl. Hein (1998), 158: „Auch der Zins wird bei Marx, genauso wie bei Keynes und in der postkeynesianischen Theorie, als monetäre Kategorie, d.h. als Kategorie des Geldmarktes, gefaßt. Der Zins ist in Marxscher und post-keynesianischer Theorie den realwirtschaftlichen Einkommensentstehungsprozessen vorgegeben und wird nicht direkt von diesen beinflußt, wohingegen die Geld- und Kreditmenge endogen durch die kreditfinanzierten Ausgaben bestimmt wird. Dieser monetäre Zins unterscheidet sich mithin fundamental vom realwirtschaftlichen Zins neoklassischer Prägung. Die Bestimmung der Höhe des langfristig gültigen Zinssatzes erfolgt in der Marxschen Theorie durch konventionelle Faktoren und gehorcht damit keinen realwirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, sondern wird durch die institutionellen Strukturen der Ökonomie und die Verhandlungsstärke von Gläubigern und Schuldnern festgelegt. Diese Sichtweise ist offen für eine Zinsdetermination durch die Zentralbank und die Risikoerwägungen der Vermögensbesitzer, wie sie in der post- und monetär-keynesianischen Theorie vorgenommen wird. Allerdings wird in der Marxschen Theorie, anders als in Keynesschen und post-keynesianischen Ansätzen, durch die Höhe des Zinssatzes nicht die Profitrate des Gleichgewichtes bestimmt. Von Marx wird vielmehr ein trilateraler Verteilungskonflikt zwischen industriellen Kapitalisten, Geldkapitalisten und Arbeitern und damit zwischen industrieller Profitrate, Geldzinssatz und Reallohn thematisiert, dessen Ausgang im Prinzip offen ist und dabei vom langfristigen Akkumulationstrend beeinflußt wird, aber auch auf diesen zurückwirkt.“ Vgl. ebd., 149f.; Fan-Hung (1939), 40: In „his analysis of the rate of interest in times of crisis, Marx has much in common with Mr. Keynes, to the extent that he regards the rate of interest as being primarily determined by the supply and demand of money. (…) Marx argues that in times of stringency the rate of interest is primarily determined by the absolute quantity of money in circulation (…) we must emphasize that the superiority of Marx’s theory of interest compared with that of neo-classical economists is that from the outset he regards the rate of interest as a money rate. The determination of the rate of interest is, therefore, specifically a monetary problem. Marx probably is the first who has been able to distinguish money capital from commodity-capital.“ Vgl. auch Sardoni (1998), 281: „When Marx concerned himself with the explanation of actual crises he took banks and finance into consideration and provided some insights pointing to the fact that changes in liquidity preference affect the rate of interest.“ Gegen Fan-Hung, dem zufolge die Marxsche Zinstheorie – im Zyklusdurchschnitt, d.h. mit Ausnahme der Marxschen Analyse der Zinsrate in einer Krise – eine größere Nähe zur Loanable-Funds-Theorie von Robertson als zur Liquiditätspräferenztheorie von Keynes aufweist, argumentiert Sardoni unter Berücksichtigung der Vorarbeiten zur General Theory sowie der Debattenbeiträge nach ihrer Veröffentlichung, dass es in jedem Fall deutliche Parallelen zwischen der Marxschen und der Keynesschen Theorie gibt: „However the fact that Marx held that the rate of interest is also determined by the demand for loans to finance expenditure is not sufficient to characterize his approach as ‚more akin‘ to Robertson’s. In fact, although Keynes argued that the rate of interest is exclusively determined by the demand for and the supply of money, the debate that took place after the publication of the book convinced him that the rate of interest is also influenced by the demand for funds to finance new investment. If both the demand for money and the demand for finance concur to determine the rate of interest, it is obvious that the former tends to prevail during crises, while the demand for loans to finance expenditure is stronger during the upswing of the cycle. We finally turn to consider the motives for which the economy’s liquidity preference can increase, and it is very evident that, in this respect, there is a strong similarity between Marx’s analysis and that of Keynes. In the 1933 draft of the General Theory (…) Keynes even referred directly to Marx and acknowledged that the latter had come close to a correct treatment of the issues at hand. For Keynes, Marx „pointed out the the nature of production in the actual world is not, as economists seem to suppose, a sace of C-M-C‘, i.e., of exchanging commodity (or effort). That may be the standpoint of the private consumer. But it is not the attitude of business, which is the case of M-C-M‘“ (…) Capitalist entrepreneurs purchase goods (and labour) in order to make profits, and if their expectations of profitability are pessimistic, the demand for idle money rises while the demand for goods and labour decreases“ (Sardoni (1998), 281f.). [zurück]
  125. Vgl. MEW 25, 392-396; MEW 26.3, 452-486. [zurück]
  126. Zwischenstufen zwischen dem selbständigen Privatkapital und der Aktiengesellschaft stellen (in der Bundesrepublik Deutschland) unter den Personengesellschaften die Offene Handelsgesellschaft (OHG) sowie die Kommanditgesellschaft (KG), unter den Kapitalgesellschaften die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) dar (vgl. Wöhe/Döring (2008), 224ff.). Marx thematisiert die Aktiengesellschaft im 23. und im 27. Kapitel des fünften Abschnitts (vgl. MEW 25, 396ff., 452ff.). [zurück]
  127. Vgl. MEW 25, 452f. [zurück]
  128. Krüger (2010), 486f. [zurück]
  129. Das Aktienkapital wird hier nur betrachtet, insofern es eine spezifische Form des zinstragenden Kapitals ist. An dieser Stelle geht es allein um die Herausarbeitung der Gemeinsamkeit von zinstragendem Kapital als solchem und Aktienkapital als einer spezifischen Form desselben, die in der Trennung von Funktion und Eigentum und der damit gesetzten Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses (G-G‘) besteht. Der mit der Konstatierung dieser Gemeinsamkeit implizierte Rückfluss des mit dem Kauf einer Aktie am Emissionsmarkt vorgeschossenen Kapitals wird im Text zunächst einfach unterstellt. Denn die Darstellung dieses Rückflusses setzt die erst noch zu entwickelnde Kategorie des fiktiven Kapitals voraus (vgl. dazu den folgenden Abschnitt). Vgl. zur Gemeinsamkeit von zinstragendem Kapital und Aktienkapital Reuten (2002), 191: „Capital’s division between interest bearing capital and the enterprise is highlighted in the institutional existence of the joint stock company and joint stock capital. Marx initiates this movement at the end of chapter 23 and further expands on it in chapter 27. With astonishing foresight Marx does not view the JSC as essentially different from IBC, but rather as a developed form of it.“ Reuten fasst das zinstragende Kapital und das Aktienkapital unter den Begriff des finance capital, das er vom financial capital (Banken, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, Investmentfonds und individuelle Investoren) unterscheidet. Hinsichtlich des finance capital (FC), also des zinstragenden Kapitals und des Aktienkapitals, schreibt er: „These [interest-bearing capital (IBC), joint-stock capital (JSC)] differ, first, in degree of risk bearing and consequent degree of reward. Second, JSC, has at least formal ownership of the company. FC is alike in that it is an interest-bearing capital (in the case of IBC) or takes the form of interest-bearing capital (in the case of JSC)“ (Reuten (2002), 193). [zurück]
  130. MEW 25, 405. [zurück]
  131. MEW 25, 405. Vgl. zur Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses in der Form des zinstragenden Kapitals das gleichlautende Kapitel 24 des fünften Abschnitts (MEW 25, 404-412) sowie ausführlicher MEW 26.3, 445-528. [zurück]
  132. MEW 25, 405. [zurück]

Studien zur Marxschen Geldtheorie. Teil I

Der Verfasser der „Observations“ und S. Bailey beschuldigen Ricardo, er habe den Tauschwert aus einem nur Relativen in etwas Absolutes verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität, die diese Dinge, Diamant und Perlen z.B., als Tauschwerte besitzen, auf das hinter dem Schein verborgene wahre Verhältnis reduziert, auf ihre Relativität als bloße Ausdrücke menschlicher Arbeit. Wenn die Ricardianer dem Bailey grob, aber nicht schlagend antworten, so nur, weil sie bei Ricardo selbst keinen Aufschluß über den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform oder Tauschwert fanden (MEW 23, 98 FN 36).

Schumpeter, einer der wenigen Nationalökonomen, der Marx tatsächlich ernsthaft studiert hat und deshalb auch schätzte,1 kommt zu einem erstaunlichen Urteil, wonach Marx in der Geldtheorie weit hinter die Schule von Ricardo zurückfällt. Er spricht von „Marxens ausgesprochen schwacher Leistung auf dem Gebiet des Geldes, wo es ihm nicht gelungen ist, an den Ricardianischen Standard heranzukommen.“2 Dieses Urteil ist befremdlich und es ist nicht befremdlich. Befremdlich ist es, weil es gerade einer der zentralsten Vorwürfe Marxens an die Adresse der klassischen politischen Ökonomie im Allgemeinen und Ricardos im Besonderen ist, dass er den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform nicht begriffen hat; dass er den Wert nicht hinreichend begriffen hat und aus diesem Grund auch das Geld nicht begreift. Befremdlich ist es, weil Marx seinem eigenen Anspruch nach etwas leistet, was die klassische politische Ökonomie noch nicht einmal versucht hat, nämlich diesen inneren Zusammenhang, somit die Genesis der Geldform, nachzuweisen. Nicht befremdlich ist es, weil der von Marx erstmals erbrachte Nachweis des inneren Zusammenhangs von Wert und Wertform zum esoterischen Teil der Marxschen Geldtheorie – wenn man sie denn so nennen will – gehört. Anders gewendet: der Nachweis des Tauschwerts als notwendiger Erscheinungsform des Werts unterscheidet die Kritik der politischen Ökonomie als Konstitutionstheorie ökonomischer Gegenständlichkeit von ihrem Gegenstand, der politischen Ökonomie. Es überrascht daher nicht, dass Schumpeter als politischer Ökonom Marx nur als den Schüler Ricardos erfasst3, der er unzweifelhaft auch war, und so die entscheidende Differenz zwischen Marxscher und Ricardoscher Werttheorie nicht in den Blick bekommt. Der folgende Beitrag versucht, die für die Kritik der politischen Ökonomie spezifische Einheit von Wert- und Geldtheorie4 zu erhellen.5

Im Vorwort zur ersten Auflage des Kapital heißt es: „Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das Verständnis des ersten Kapitels, namentlich des Abschnitts, der die Analyse der Ware enthält, wird daher die meiste Schwierigkeit machen. Was nun näher die Analyse der Wertsubstanz und der Wertgröße betrifft, so habe ich sie möglichst popularisiert. Die Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform, ist sehr inhaltslos und einfach. Dennoch hat der Menschengeist sie seit mehr als 2000 Jahren vergeblich zu ergründen gesucht, während andrerseits die Analyse viel inhaltsvollerer und komplizierterer Formen wenigstens annähernd gelang. Warum? Weil der ausgebildete Körper leichter zu studieren ist als die Körperzelle. Bei der Analyse der ökonomischen Formen kann außerdem weder das Mikroskop dienen noch chemische Reagentien. Die Abstraktionskraft muß beide ersetzen. Für die bürgerliche Gesellschaft ist aber die Warenform des Arbeitsprodukts oder die Wertform der Ware die ökonomische Zellenform. […] Mit Ausnahme des Abschnitts über die Wertform wird man daher dies Buch nicht wegen Schwerverständlichkeit anklagen können.“6 Marx betont hier das Problem des Anfangs, die besondere Schwierigkeit, die der Anfang, insbesondere das erste Kapitel über die Ware, und hier insbesondere die Wertform, dem Verständnis bereiten. Und er benennt den Grund hierfür: Es ist die besondere Rolle, die die Abstraktionskraft in der Analyse der einfachen ökonomischen Formen spielt.
Was hat es mit der Abstraktionskraft auf sich?
Das Kapital als Produktionsverhältnis hat Systemcharakter, denn es reproduziert seine historischen Voraussetzung als „Resultate seines Daseins.“7 Gegenstand der Marxschen Darstellung als logisch-systematischer ist nicht die „Geschichte der Bildung des modernen Kapitals“, sondern die „gewordne, auf ihrer eignen Grundlage sich bewegende bürgerliche Gesellschaft.“8 Die Darstellung steht dabei vor dem Problem, dass „im vollendeten bürgerlichen System jedes ökonomische Verhältnis das andre in der bürgerlich-ökonomischen Form voraussetzt und so jedes Gesetzte zugleich Voraussetzung ist.“9 Diese sich wechselseitig voraussetzenden und daher gleichzeitig existierenden Verhältnisse und Kategorien muss die Darstellung notwendigerweise in ein begriffliches Nacheinander bringen.10 Die im Hinblick auf diese Reihenfolge der Kategorien „wissenschaftlich richtige Methode“ ist nach Marx die „Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen.“11 Die Darstellung hat als logisch-systematische also mit dem per Abstraktionskraft gewonnenen Resultat des Forschungsprozesses anzufangen. Diese im Forschungsprozess vollzogenen „methodisch bedeutsamen Abstraktionen“, systematisch herausgearbeitet von Dieter Wolf, sollen im Folgenden mit Blick auf die ersten drei Kapitel des ersten Kapital-Bandes erklärt werden.12

1. Schritt: Abstraktion vom Produktionsprozess des Kapitals. Resultat: Einfache Warenzirkulation (Drittes Kapitel)

Tatsächlich ist die Sphäre der Warenzirkulation oder einfachen Zirkulation, die „als das unmittelbar Vorhandne an der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheint“13, nur allgemein vorherrschend unter Voraussetzung des Kapitalverhältnisses: „Ihr unmittelbares Sein ist daher reiner Schein. Sie ist das Phänomen eines hinter ihr vorgehenden Prozesses“.14 Im Urtext bestimmt Marx die einfache Zirkulation als „eine abstrakte Sphäre des bürgerlichen Gesammtproductionsprozesses, die durch ihre eigenen Bestimmungen sich als Moment, blose Erscheinungsform eines hinter ihr liegenden, ebenso aus ihr resultirenden, wie sie producirenden tieferen Processes – das industrielle Capital – ausweist.“15 Die Sphäre der Warenzirkulation als Gegenstand des dritten Kapitels („Das Geld oder die Warenzirkulation“) verdankt sich somit einer methodisch bedeutsamen Abstraktion vom kapitalistischen Produktionsprozess sowie von der allgemeinen Formel des Kapitals, wie es in der Zirkulation erscheint (G – W – G‘).16 „Nach der Abstraktion vom kapitalistischen Produktionsprozess wird die Warenzirkulation, die sowohl Voraussetzung als auch Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses ist, nur nach der Seite erfasst, nach der sie dessen Voraussetzung ist.“17 Auf der Abstraktionsebene der einfachen Zirkulation stehen sich ursprünglich Geld sowie Geldbesitzer (Käufer) und preisbestimmte Waren sowie Warenbesitzer (Käufer) gegenüber (W – G – W). Damit ergibt sich in Bezug auf die Erklärung des Geldes ein fehlerhafter Zirkel, weil sich Geld und Preis wechselseitig voraussetzen: Preise gibt es, weil es Geld gibt; und Geld gibt es, weil das Geld (in seiner Funktion als Maßstab der Preise oder Rechengeld) die Preise verschiedener Waren quantitativ vergleicht, indem es diese Preise (als verschiedene Geldquanta) ausdrückt mit Hilfe eines konventionell fixierten Geldquantums als Maßeinheit. Geld gibt es weiter, weil das Geld (in seiner Funktion als Maß der Werte) das Material des Preisausdrucks der buntscheckigen Waren ist, in dem sie als qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare erscheinen. Um diesem fehlerhaften Zirkel in der Erklärung des Geldes zu entgehen, nimmt Marx eine weitere methodisch bedeutsame Abstraktion vor, nämlich die von preisbestimmten Waren und Geld.

2. Schritt: Abstraktion von preisbestimmten Waren und Geld. Resultat: Austauschprozess (Zweites Kapitel)

Resultat der Abstraktion von preisbestimmten Waren und Geld ist der Austauschprozess, wie ihn Marx im zweiten Kapitel darstellt. Nun stehen sich nur noch Warenbesitzer gegenüber mit einfach bestimmten Waren als Einheiten von Gebrauchswert und Wert. Die Abstraktion von preisbestimmten Waren und Geld, aber noch nicht von den Warenbesitzern impliziert, dass auch vom bewussten Umgang der Warenbesitzern mit den ökonomisch gesellschaftlichen Formen abstrahiert wird. Denn das Bewusstsein und das Wissen der Warenbesitzer kann sich nur auf die preisbestimmten Waren und das Geld als „fertige Formen“18 beziehen. Auf der Abstraktionsebene des Austauschprozesses kann es in Bezug auf die Warenbesitzer also nur um deren „gesellschaftliche Tat“19 gehen, wobei Marx mit dem Begriff der „Tat“ implizit auf die von Hegel in der Rechtsphilosophie im §117 getroffene Unterscheidung von „Handlung“ und „Tat“ zurückgreift:20 Demnach ist unter „Tat“ eine „zwar willentliche, aber ohne rationale Überlegung durchgeführte Handlung“ zu verstehen, „die mit nicht intendierten Nebenfolgen verbunden ist, für die der Handelnde aber dennoch kausal verantwortlich ist.“21 Es ist dasselbe unbewusste, naturwüchsige Handeln der Warenbesitzer, welches mit der tatsächlichen Gleichsetzung der verschiedenartigen Arbeitsprodukte als Werte im Austauschprozess auch die verschiedenartigen Arbeiten als abstrakt menschliche Arbeit gleichsetzt, und welches – Geld konstituiert. Für beide Prozesse gilt: „Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“22 Gegen Konventionstheorien der Entstehung des Geldes begreift Marx die Geldkonstitution (wie die Konstitution ökonomischer Gegenständlichkeit überhaupt) also als einen unbewussten naturwüchsigen Prozess.24
Mit der naturwüchsigen Konstitution des Geldes durch das willentliche, aber unbewusste Handeln der Warenbesitzer ist zwar gesagt, dass Geld Resultat einer spezifischen gesellschaftlichen Praxis, des Austauschprozesses, ist. Damit stellt sich jedoch die im Blick auf die Erklärung des Geldes entscheidende Frage, was sich außerhalb des Bewusstseins der Warenbesitzer hinsichtlich der einfachen, nicht preisbestimmten Waren eigentlich abspielt. Dazu schreibt Marx:
„In ihrer Verlegenheit denken unsre Warenbesitzer wie Faust. Im Anfang war die Tat. Sie haben daher schon gehandelt, bevor sie gedacht haben. Die Gesetze der Warennatur betätigten sich im Naturinstinkt der Warenbesitzer. Sie können ihre Waren nur als Werte und darum nur als Waren aufeinander beziehn, indem sie dieselben gegensätzlich auf irgendeine andre Ware als allgemeines Äquivalent beziehn. Das ergab die Analyse der Ware. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller andren Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform. Allgemeines Äquivalent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozeß zur spezifisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Ware. So wird sie – Geld.“24
Zwar entsteht Geld, d.h. der Ausschluss einer bestimmten Ware als allgemeines Äquivalent, nur durch das Handeln der Warenbesitzer; aber dieses unbewusste, instinktartige Handeln exekutiert dabei nur die „Gesetze der Warennatur“. Aus diesem Grund nimmt Marx die weitere methodisch bedeutsame Abstraktion von den Warenbesitzern vor, um die Gesetze der Warennatur selbst zu analysieren.

3. Schritt: Abstraktion von Warenbesitzern. Resultat: Analyse der Ware (erstes Kapitel)

Fassen wir die methodisch bedeutsamen Abstraktionen des Forschers Marx zusammen, so wurde zunächst vom kapitalistischen Produktionsprozess abstrahiert sowie von der allgemeinen Formel des Kapitals, wie es in der einfachen Warenzirkulation erscheint. Innerhalb der einfachen Warenzirkulation (drittes Kapitel) wurde sodann von Preis und Geld abstrahiert, d.h. die einfache Warenzirkulation wurde auf den in ihr als reales Moment eingeschlossenen Austauschprozess (zweites Kapitel) reduziert. Schließlich nahm Marx die Abstraktion von den Warenbesitzern und ihren Handlungen vor, um die „Gesetze der Warennatur“ zu analysieren (erstes Kapitel). Der Anfang der Darstellung verdankt sich somit einer Reihe von methodisch bedeutsamen Abstraktionen, deren Resultat die „theoretische, gedachte“25 Beziehung der einfach bestimmten Waren zueinander ist und, in letzter Instanz, die Ware als abstraktestes Konkretum ist.26

Ausgangspunkt der Darstellung ist somit die Ware als abstraktestes Konkretum, als Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert. Der Tauschwert, so Marx, „erscheint zunächst“ als das quantitative Verhältnis, worin sich Gebrauchswerte unterschiedlicher Art gegeneinander austauschen. Damit scheint der Tauschwert etwas „rein Relatives“ zu sein, ein der Ware „immanenter Tauschwert“ scheint ein Widerspruch in sich zu sein.27 Wenn Marx dann auf Seite 51 des Kapital den Schluss vom Tauschwert auf ein (sich in ihm nur ausdrückendes) „Gleiches“, gemeinsames Drittes vollzieht, also den Schluss vom Tauschwert auf den Wert, grenzt er sich von Positionen ab, die den Wertbegriff auf den Tauschwert reduzieren bzw. einen vom Tauschwert unabhängigen Begriff des Wertes ablehnen. So werden ebenda Nicholas Barbon und Samuel Butler zitiert. Der eigentliche, wenn auch ungenannte, Gegner aber, den Marx mit seinem Schluss vom Tauschwert auf den Wert kritisiert, ist Samuel Bailey.28 Samuel Bailey nimmt eine herausragende Stellung in der Geschichte der Auflösung der Ricardoschen Schule ein, indem er mit seinem Angriff auf den Begriff des Werts bei Ricardo direkt dessen theoretisches Fundament attackiert. Ricardo habe, dies ist der zentrale Vorwurf Baileys, den Wert unzulässigerweise aus einer rein „relativen Eigenschaft der Waren zueinander in etwas Absolutes verwandelt.“29 Der Wertbegriff im Sinne eines immanenten Wertes sei eine Fiktion, die sich der Existenz des Geldes verdanke.30 Dagegen insistiert Marx sowohl in seiner theoriegeschichtlichen Auseinandersetzung mit Samuel Bailey in den Theorien über den Mehrwert als auch in der systematischen Darstellung im Kapital auf der Notwendigkeit, vom Tauschwert auf den Wert als seinem Gehalt zu schließen.31 Dabei – dies ist entscheidend – geht Marx nicht von einem Tauschwert einer beliebigen Ware aus (x Ware A = y Ware B), sondern von einer unendlichen Vielzahl von Tauschwerten einer beliebigen Ware (x Ware A = y Ware B = z Ware C usw.).32 Dies ist nur folgerichtig, vergegenwärtigt man sich den Ausgangspunkt der methodisch bedeutsamen Abstraktionen: Im Preis waren alle Waren qualitativ gleichgesetzt und quantitativ in bestimmten Proportionen durcheinander ersetzbar. Wird von Preis und Geld sowie den Warenbesitzern abstrahiert, bleiben die nunmehr einfach bestimmten Waren nach wie vor (wenn auch nur in theoretischer, gedachter Weise) allseitig aufeinander bezogen, und zwar in bestimmter Proportion. Als Resultat der methodisch bedeutsamen Abstraktionen von Preis und Geld sowie von den Warenbesitzern sind die Waren in bestimmter Proportion durch einander ersetzbare Tauschwerte, also Äquivalente oder gleiche Größen. Dies unterstellt aber immer schon eine qualitative Gleichheit, eine gemeinsame Einheit, ein gemeinsames Drittes – den Wert.33 Dieses Kommensurabilitätsargument von Seite 51 des Kapital macht den Kern der Auseinandersetzung mit Bailey in den Theorien über den Mehrwert aus.34 Im Kapital selbst wird es wieder aufgenommen – diesmal explizit gegen Bailey gerichtet35 – in der Analyse des Gehalts der relativen Wertform.36 Festhalten lässt sich somit, dass Marx gegen Bailey und mit Ricardo das quantitative Verhältnis, in dem sich Gebrauchswerte verschiedener Art gegeneinander austauschen, also den Tauschwert, auf den Wert – im Sinne der Arbeitswerttheorie, d.h. auf vergegenständlichte Arbeit – zurückführt.
Wenn Marx im Kapital im Anschluss an das Kommensurabilitätsargument die Frage nach der Bestimmung des gemeinsamen Dritten der Waren über ein Ausschlußverfahren dahingehend beantwortet, dass die abstrakt menschliche Arbeit die Substanz der Werte ist,37 will er damit keinen „Beweis der Arbeitswerttheorie“ liefern.38 Stattdessen geht es Marx an dieser Stelle um eine Kritik an der Arbeitswerttheorie der klassischen politischen Ökonomie. In kritischer Abgrenzung von Ricardo und der gesamten klassischen politischen Ökonomie zielt die Marxsche Argumentationskette auf den Nachweis des Doppelcharakters der in den Waren dargestellten Arbeit, also auf die Unterscheidung von konkret-nützlicher und abstrakt-menschlicher Arbeit – nach Marx der „Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht“ (MEW 23, 56). Marx beabsichtigt zu zeigen, dass nicht einfach Arbeit – wie die klassische politische Ökonomie meint –, sondern abstrakt menschliche Arbeit Wertsubstanz ist.39
Während der Gebrauchswert Resultat der Arbeit in ihrer Eigenschaft als konkrete nützliche Arbeit ist, ist der Wert Resultat der Arbeit in ihrer Eigenschaft als abstrakt menschliche Arbeit. In dieser kommt der spezifisch gesellschaftliche Charakter der Waren produzierenden Arbeit zum Ausdruck:40 Weil die Produzenten ihre Arbeiten als voneinander unabhängige Privatarbeiten verausgaben, treten sie „erst in gesellschaftlichen Kontakt durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte.“41 „Indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“42 Weil das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten derart über das gesellschaftliche Verhältnis der Arbeitsprodukte vermittelt ist, erscheinen „die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst“43: als Werteigenschaft, Wertgröße und Wertverhältnis der Waren, damit das „gesellschaftliche Verhältnis als ein Verhältnis der Dinge unter sich.“44 Wenn nun die klassische politische Ökonomie in Person von Ricardo im Rahmen der Arbeitswerttheorie den Wert in Arbeit auflöst, verfehlt sie zwar den spezifisch gesellschaftlichen Charakter der Waren produzierenden Arbeit, aber immerhin führt sie in ihrer Analyse den Tauschwert als bloßes Verhältnis der Arbeitsprodukte unter sich zurück auf menschliche Arbeit.45 Der Vorwurf von Bailey an die Adresse Ricardos, er habe den Wert aus etwas rein Relativem in etwas Absolutes, eine scholastische Entität, verwandelt, ist somit an Bailey selbst zu richten: „Ich habe in dem 1. Teil meiner Schrift erwähnt, wie es die auf dem Privataustausch beruhende Arbeit charakterisiert, daß sich der gesellschaftliche Charakter der Arbeit als „property“ der Dinge „darstellt“ – verkehrt; daß ein gesellschaftliches Verhältnis als Verhältnis der Dinge unter sich erscheint (…) Diesen Schein nimmt unser Fetischdiener als etwas Wirkliches und glaubt in der Tat, daß der Tauschwert der Dinge durch ihre properties as things bestimmt ist (…) Er, der wiseacre, verwandelt also den Wert in etwas Absolutes, „a property of things“, statt darin nur etwas Relatives, die Relation der Dinge zur gesellschaftlichen Arbeit zu sehn, der auf Privataustausch beruhenden gesellschaftlichen Arbeit, in welcher Dinge als nichts Selbständiges, sondern als bloße Ausdrücke der gesellschaftlichen Produktion bestimmt sind.“46
Der klassischen politischen Ökonomie wiederum ist nur vorzuwerfen, dass ihre Analyse von Wert und Wertgröße aufgrund der fehlenden Unterscheidung von konkreter und abstrakter Arbeit unvollkommen ist, und dass sie deshalb auch den spezifisch gesellschaftlichen Charakter der Waren produzierenden Arbeit nicht erkannt hat. Geldtheoretisch ist der von Marx in kritischer Abgrenzung zur Ricardianischen Werttheorie erbrachte Nachweis des Doppelcharakters der in den Waren dargestellten Arbeit deshalb von höchster Relevanz, weil nach Marx die Tatsache, dass die klassische polititsche Ökonomie diesen Doppelcharakter nicht erkannt hat, verantwortlich ist dafür, dass sie auch den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform oder Tauschwert nicht begriffen hat, dass sie – mit anderen Worten – Geld nicht begriffen hat.47
Der auf die Analyse des Doppelcharakters der in den Waren dargestellten Arbeit folgende Abschnitt „Die Wertform oder der Tauschwert“ beansprucht, diesen inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform darzulegen. Nachdem vom Tauschwert in seiner unmittelbaren Erscheinungsform als quantitatives Verhältnis, in dem sich Gebrauchswerte verschiedener Art gegeneinander austauschen, ausgegangen wurde, um – analytisch – den Begriffs des Werts zu finden, also um den Wert unabhängig von seiner Darstellung oder seinem Ausdruck (siehe MEW 26.3) zu begreifen, kehrt Marx nun zur Betrachtung des Tauschwerts zurück.48 Mit dem durch den Theoretiker qua Analyse gewonnenen Wissen um den Wert geht es nun aber um den Tauschwert als notwendige Erscheinungsform des Werts oder kurz: um den Tauschwert als Wertform.49 Mit der Darstellung des inneren Zusammenhangs zwischen Wert und Wertform beansprucht Marx, etwas zu leisten, „was von der bürgerlichen Ökonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Genesis der Geldform nachzuweisen.“50
Die Bestimmtheit der Ware als Einheit von Gebrauchswert und Wert resultierte aus dem vom wissenschaftlichen Bewusstsein vollzogenen, analytischen Schluss vom Tauschwert auf den Wert mit abstrakt-menschlicher Arbeit als der Wertsubstanz. Weil es dieses durch Marx repräsentierte wissenschaftliche Bewusstsein war51, dass auf dem Wege der analytischen Abstraktion den Wert als „bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit“52 als das „Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt“53 aufzeigte, ist die Wertgegenständlichkeit an diesem Punkt der Darstellung eine bloß „gespenstige Gegenständlichkeit“.54 An der einzelnen wirklichen Ware selbst ist die Wertgegenständlichkeit als eine rein gesellschaftliche nicht zu fassen.55 Als rein gesellschaftliche kann sie „nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen“,56 weshalb Marx nun erneut das Wertverhältnis zwischen Waren untersucht, und zwar zunächst dasjenige zwischen zwei Waren, da es das einfachste57 Wertverhältnis darstellt; diesmal allerdings konkreter bestimmt als Wertausdruck. Die Frage nach der Wertgegenständlichkeit leitet derart die Betrachtung der Wertform ein.58

Die einfache Wertform

Dem theoretischen Betrachter mit seinem Wissen um die Natur des Werts ist bewusst, dass dem Wertverhältnis x Ware A = y Ware B die Gleichheit der Waren als Werte zugrundeliegt: Nur als gegenständliche Ausdrücke derselben Einheit: als abstrakt-menschliche Arbeit in geronnenem Zustand, als „Gallerten“ oder „Kristalle“ dieser ihnen gemeinsamen gesellschaftlichen Substanz, sind sie qualitativ Gleiche und also quantitativ Vergleichbare.59 Die qualitative Gleichheit der Waren als Vergegenständlichungen abstrakt-menschlicher Arbeit ist zwar Grundlage oder Gehalt des Wertverhältnisses, im Wertverhältnis als Wertausdruck spielen die Waren allerdings verschiedene Rollen:60 Ware A drückt ihren Wert aktiv aus. Weil er nur als Gegenständlichkeit ausgedrückt werden kann, die von der Naturalform der Ware A selbst verschieden61 und ihr zugleich mit anderer Ware gemeinsam ist62, kann es nur die Naturalform oder der Gebrauchswert der Ware B sein, worin der Wert der Ware A ausgedrückt wird. Weil der Wert der Ware A somit relativ dargestellt wird, befindet sie sich in relativer Wertform. Ware B dient passiv als Material des Wertausdrucks.63 Zwar ist die Naturalform der Ware B an sich nur ein Gebrauchswert. Aber innerhalb des Wertverhältnisses gilt der handgreifliche Körper der Ware B als „Existenzform von Wert“, „Wertding“64 oder „Wertkörper“65. Innerhalb des Wertverhältnisses wird die Naturalform der Ware B also zur Wertform der Ware A, oder, Ware B befindet sich in Äquivalentform. Indem Ware A ihren Wert im Gebrauchswert der Ware B ausdrückt, wodurch die Naturalform der Ware B unmittelbar als Wert gilt, ist die Äquivalentform die Form unmittelbarer Austauschbarkeit.66
Die Äquivalentform zeichnet sich folglich durch drei Eigentümlichkeiten aus: Zum ersten wird der Gebrauchswert der in Äquivalentform stehenden Ware zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts. Zum zweiten wird die konkrete Arbeit, die die in Äquivalentform stehende Ware produziert hat, zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakter Arbeit. Zum dritten wird die Privatarbeit, die die in Äquivalentform stehende Ware produziert hat, zur Form ihres Gegenteils, zu Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form.67 Während der Wert (als unterschieden vom Gebrauchswert) zunächst nur „an sich oder für uns“ durch die vom theoretischen Betrachter nachvollzogene analytische Abstraktion gegeben war, ist er auf dieser Stufe der Darstellung durch seine Darstellung im Gebrauchswert einer zweiten Ware innerhalb des Wertverhältnisses „gesetzt“.68
Auch wenn der einfachste Wertausdruck, der im Wertverhältnis nur zweier Waren enthalten ist, mangelhaft ist, weil er den Wert nicht adäquat auszudrücken vermag69, enthält er doch „das Geheimnis aller Wertform“70. Bereits die Analyse des einfachen Wertausdrucks kann deshalb das „Rätsel der Äquivalentform“71, in letzter Instanz das „Geldrätsel“72, lösen. Das Rätselhafte der Äquivalentform73 resultiert aus ihren Eigentümlichkeiten, dass Gebrauchswert und konkrete Privatarbeit zu Erscheinungsformen ihres Gegenteils werden: Wert und abstrakter Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Dadurch entsteht der falsche Schein, als ob der in Äquivalentform stehenden Ware die Äquivalentform als dingliche Eigenschaft zukäme. Der Warenkörper, in dem der Wert der Ware A ausgedrückt wird, scheint auch unabhängig vom Wertverhältnis die Äquivalentform als eine „gesellschaftliche Natureigenschaft“74 zu besitzen.75 Dieser Schein wird befestigt in der aus der Umkehrung der entfalteten Wertform sich ergebenden allgemeinen Äquivalentform, weil hier eine einzige und dieselbe Ware in Äquivalentform der gesamten Warenwelt gegenübersteht. Vollendet wird der falsche Schein in der Geldform, weil in der Geldform die allgemeine Äquivalentform mit der Naturalform einer spezifischen Ware verwächst:76 „Eine Ware scheint nicht erst Geld zu werden, weil die andren Waren allseitig ihre Werte in ihr darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werte in ihr darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermittelnde Bewegung verschwindet in ihrem eigenen Resultat und läßt keine Spur zurück. Ohne ihr Zutun finden die Waren ihre eigne Wertgestalt fertig vor als einen außer und neben ihnen existierenden Warenkörper.“77
Die Betrachtung der einfachen Wertform stellt dagegen die vermittelnde Bewegung dar, macht derart den Schein als Schein einsichtig und löst das Rätsel der Äquivalentform: Zum ersten zeigt sie, dass einer Ware die Äquivalentform nur innerhalb des Wertverhältnisses als Wertausdruck zukommt, weil die Äquivalentform überhaupt nur eine „gegensätzliche Warenform“78 ist. Die Äquivalentform existiert nur als der eine Pol des Wertausdrucks im Gegensatz zur relativen Wertform als dem anderen Pol.79 Zum zweiten zeigt sie, dass das aktive Moment der Wert ist und nicht die Wertform80 beziehungsweise die relative Wertform und nicht die Äquivalentform81 beziehungsweise die Ware und nicht das Geld.82

Zusammenfassung und geldtheoretische Implikationen

Im Hinblick auf eine Zusammenfassung der esoterischen Geldtheorie der Kritik der politischen Ökonomie lässt sich festhalten, dass die Betrachtung der einfachen Wertform zwar das Geldrätsel löst, die einfache Wertform selbst jedoch kein adäquater Wertausdruck ist.83 Zwar wird der Wert einer Ware durch den einfachen Wertausdruck als etwas von ihrem eigenen Gebrauchswert Unterschiedenes dargestellt. Aber der Wert ist nicht als das der Ware mit allen anderen Waren Gemeinsame ausgedrückt, die qualitative Gleichheit und daher quantitative Vergleichbarkeit mit allen anderen Waren wird nicht ausgedrückt.84 Die totale oder entfaltete Wertform einer Ware als die nie abschließbare Reihe ihrer einfachen Wertausdrücke stellt den Wert einer Ware vollständiger als die einfache Wertform als etwas von ihrem eigenen Gebrauchswert Unterschiedenes dar. Denn er wird nun nicht mehr in dem Gebrauchswert nur einer anderen Ware ausgedrückt, sondern in einer unendlichen Vielzahl von Gebrauchswerten.85 Zudem tritt die Ware jetzt erstmals in ein gesellschaftliches Verhältnis zu allen anderen Waren, zur Warenwelt. Dennoch drückt auch die totale oder entfaltete Wertform nicht die qualitative Gleichheit aller Waren als Werte aus. Der Wert als das allen Waren Gemeinsame wird erst in der allgemeinen Wertform ausgedrückt, in der alle Waren ihre Werte im Gebrauchswert einer und derselben Ware ausdrücken.86
Die Geldform unterscheidet sich von der allgemeinen Wertform nur dadurch, dass die allgemeine Äquivalentform mit der Naturalform einer spezifischen Ware verwächst.87 Das erste Kapitel – das die „Gesetze der Warennatur“88 untersucht, d.h. den den Warenbesitzern unbewussten Wert und die Entwicklung seiner Formen, wobei die Waren in „theoretischer, gedachter“89 Weise aufeinander bezogen werden – weist die Notwendigkeit der allgemeinen Äquivalentform, aber nur die Möglichkeit der Geldform nach. Denn dass eine spezifische Ware (in Abhängigkeit von der Beschaffenheit ihres Warenkörpers) auf gesellschaftlich gültige Weise das Monopol erhält, die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen und so zum Geld wird, kann nur Resultat des Handelns der Warenbesitzer sein, die im Austauschprozess die Waren wirklich aufeinander beziehen. Deshalb wird die methodische Abstraktion von den Warenbesitzern zurückgenommen und im zweiten Kapitel der Austauschprozess betrachtet, dessen Resultat die Verdopplung der Ware in Ware und Geld ist.90
Die Marxsche Einheit aus Wert- und Geldtheorie91 beziehungsweise seine Analyse von Wert und seine genetische Darstellung der Wertformen enthalten profunde gesellschafts- und erkenntnistheoretische Implikationen, die Marx selbst unter der Überschrift „Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“ entfaltet hat.92 An dieser Stelle sollen aber zwei im engeren Sinne geldtheoretische Implikationen der genetischen Darstellung der Wertformen hervorgehoben werden.

Marx, Ricardo und Bailey

Zum ersten muss die genetische Darstellung der Wertformen als der Nachweis des inneren Zusammenhangs zwischen Wert und Wertform bzw. zwischen Ware und Geld theoriegeschichtlich als doppelte Kritik an Ricardo93 und dessen Antipoden Bailey gelesen werden.94 Während Ricardo den Wert ohne die Wertform untersucht, untersucht Bailey die Wertform ohne den Wert.95 Während Ricardo den Wert auf sein immanentes Wertmaß, die Arbeitszeit, zurückführt, immanentes und äußeres Wertmaß, Wert und Tauschwert aber nicht vermittelt, leugnet Bailey die Arbeitszeit als immanentes Wertmaß und identifiziert kurzerhand Wert und Tauschwert: Ricardo habe den Tauschwert als einer nur relativen Eigenschaft in etwas Absolutes verwandelt. Mit Ricardo und gegen Bailey hält Marx an der Arbeitszeit als immanentem Wertmaß der Waren fest. Als Vergegenständlichungen – abstrakt-menschlicher – Arbeit sind die Waren Werte und daher an und für sich kommensurabel. Ricardo hat es jedoch unterlassen, den notwendigen Zusammenhang von Wert und Wertform, also den Tauschwert als notwendige Erscheinungsform des Werts zu entwickeln und damit die Kritik von Bailey an der Arbeitswerttheorie ermöglicht.96 Dagegen zeigt Marx, dass der Wert als die allen Waren gemeinsame übernatürliche, rein gesellschaftliche Eigenschaft erscheinen muss und dies nur kann im Gebrauchswert einer als allgemeines Äquivalent ausgeschlossenen spezifischen Ware. „Geld als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes, der Arbeitszeit.“97
Die im engeren Sinne ökonomietheoretische Relevanz der kategorialen Unterscheidung von Wert und Tauschwert, also der Erkenntnis des Tauschwerts als notwendiger Erscheinungsform des Werts zeigt sich bei Betrachtung der quantitativen Bestimmtheit der relativen Wertform (was bedeutet: die Wertform hat nicht nur Wert überhaupt, sondern quantitativ bestimmten Wert oder Wertgröße auszudrücken98). Diese Betrachtung ergibt, dass eine Inkongruenz zwischen der Wertgröße und dem relativen Ausdruck dieser Wertgröße oder der Größe des relativen Werts besteht.99 Inkongruenz zwischen Wertgröße und Größes des relativen Werts meint hier, dass sich durch Produktivkraftänderungen der in relativer Wertform stehenden Ware bewirkte Veränderungen ihrer Wertgröße „weder unzweideutig noch erschöpfend widerspiegeln in ihrem relativen Ausdruck oder in der Größe des relativen Werts. Der relative Wert einer Ware kann wechseln, obgleich ihr Wert konstant bleibt. Ihr relativer Wert kann konstant bleiben, obgleich ihr Wert wechselt, und endlich brauchen gleichzeitige Wechsel in ihrer Wertgröße und im relativen Ausdruck dieser Wertgröße sich keineswegs zu decken.“100 Der Grund für die Inkongruenz zwischen Wertgröße und Größe des relativen Werts in diesem Sinne liegt in der Möglichkeit, dass sich der Wert sowohl der in relativer Wertform befindlichen Ware als auch der Wert der in Äquivalentform befindlichen Ware ändern kann (in gleicher oder entgegengesetzter Richtung; wenn in gleicher Richtung, dann in ungleichem Grade).101 Wenn der kategoriale Unterschied zwischen Wert und Tauschwert nicht klar und deutlich entwickelt ist, wie es bei Ricardo der Fall ist, bietet sich der Vulgärökonomie die Möglichkeit, die Bestimmung des Werts durch Arbeitszeit anzugreifen.102 Umgekehrt, wenn der Tauschwert als notwendige Erscheinungsform des Werts entwickelt ist, wird die vollkommene Begriffslosigkeit der Identifikation von Wert und Tauschwert resp. Wert und Preis offensichtlich.103

Das Problem der Geldware

Die zweite im engeren Sinne geldtheoretische Implikation der genetischen Darstellung der Wertformen betrifft das vieldiskutierte Problem der Geldware. Denn der von Marx erbrachte theoretische Nachvollzug der Genesis der Geldform im Ausgang vom Wertverhältnis der Waren impliziert, dass Geld in seiner Fundamentalbestimmung als allgemeines Äquivalent und in seiner damit gegebenen Fundamentalfunktion als Maß der Werte eine Ware ist und sein muss.104 Geld ist diejenige Ware, mit deren Naturalform die allgemeine Äquivalentform gesellschaftlich gültig verwächst.105 Für Marx selbst stellte sich vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Ausgestaltung der Geldsysteme der kapitalistischen Ländern ein besonderes Problem der Geldware überhaupt nicht, so dass er im Hinblick auf das Verhältnis von Ware und Geld programmatisch formulieren konnte: „Die Schwierigkeit liegt nicht darin zu begreifen, daß Geld Ware, sondern wie, warum, wodurch Ware Geld ist.“106 Diese Frage ist es, auf die die genetische Entwicklung der Wertformen eine Antwort gibt. Aus heutiger Perspektive stellt sich dagegen seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems das Problem der Geldware.107 Deshalb ist es keineswegs trivial, näher zu erläutern, warum der Marsche Geldbegriff impliziert, dass Geld in seiner Fundamentalbestimmung und -funktion Geldware ist und sein muss.108
Der erste Grund, warum der Marxsche Geldbegriff Geld als Geldware impliziert, ergibt sich aus der methodischen Abstraktion von Preis und Geld. Die Abstraktion von preisbestimmten Waren und Geld ist im Hinblick auf die Erklärung von Geld und Preis notwendig, um dem fehlerhaften Zirkel zu entgehen, in dem sich preisbestimmte Ware und Geld wechselseitig voraussetzen, und um die gesellschaftliche Qualität zu finden, die die Kommensurabilität der Waren stiftet und sich in Geld und Preis für alle Augen sichtbar nur ausdrückt.109 Wird nun aber von Preis und Geld abstrahiert, so bleibt die Beziehung der einfach bestimmten Waren110 als Einheiten von Gebrauchswert und Wert111 übrig.112 Theoretischer Ausgangspunkt zum Begreifen des Geldes ist somit notwendigerweise das Verhältnis der Waren zueinander, woraus sich der fundamentale Charakter des Geldes als Geldware ergibt.
Der zweite Grund, warum der Marxsche Geldbegriff Geld als Geldware impliziert, ergibt sich aus der weiteren methodischen Abstraktion von den Warenbesitzern. Diese weitere Abstraktion wird notwendig, zum einen, weil sich das Bewusstsein der Warenbesitzer nur auf die im Zirkulationsprozess erscheinenden, fertig konstituierten Formen Geld und Preis beziehen kann. Zum anderen, weil das unbewusste Handeln der Warenbesitzer (der Besitzer der einfach bestimmten Waren als Einheiten von Gebrauchswert und Wert) die Waren nur als das, was sie sind, d.h. als Werte, aufeinander beziehen kann, wenn die Warenbesitzer instinktartig die Gesetze der Warennatur vollstrecken, indem sie alle Waren auf eine ausgeschlossene Ware als allgemeines Äquivalent beziehen.113 Abstrahiert man infolgedessen von den Warenbesitzern, so ergibt sich die Abstraktionsebene des ersten Kapitels: Hier geht es um die Beziehung der einfach bestimmten Waren zueinander, wie sie praktisch für die Warenbesitzer in der Ausgangssituation des Austauschprozesses114 und theoretisch einzig für das wissenschaftliche Bewusstsein gegeben ist. Der theoretische Betrachter untersucht die „Gesetze der Warennatur“, d.h. das, was sich hinsichtlich des Werts und der Wertformen im Austauschprozess (im Handeln der Warenbesitzer) abspielt, aber „außerhalb der Reichweite des Bewusstseins der Warenbesitzer liegt.“115 Hier zeigt sich, dass das gesellschaftliche Verhältnis der Personen über das gesellschaftliche Verhältnis der Arbeitsprodukte vermittelt ist: Die Produzenten treten, weil sie ihre Arbeit als voneinander unabhängige Privatarbeiten verausgaben, erst in gesellschaftlichen Kontakt durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte.116 „Indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einaner im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“117 Derart besteht „der spezifisch gesellschaftliche Charakter der voneinander unabhängigen Privatarbeiten in ihrer Gleichheit als menschliche Arbeit und [nimmt] die Form des Wertcharakters der Arbeitsprodukte an.“118 Wie gezeigt muss der Wert der Waren als die ihnen gemeinsame gesellschaftliche Eigenschaft sich gegenständlich darstellen und kann dies nur – der „naturwüchsigen und gegenständlichen Vermittlung gemäß“119 – im Gebrauchswert einer anderen Ware tun.120 Bewusst können sich die Warenbesitzer zu den durch ihr Handeln auf unbewusste Weise konstituierten ökonomischen Formen Geld und Preis erst auf der Darstellungsebene des dritten Kapitels verhalten. Erst wenn die Warenbesitzer Geld als Geldware als bereits fertige Form vorfinden – auf der Ebene des Zirkulationsprozesses der Waren –, ergibt sich die Möglichkeit eines durch Bewusstsein vermittelten Ersatzes der Geldware durch Zeichen.121 Insofern ist Geld als Geldware notwendigerweise die in der Darstellung ursprüngliche Form des Geldes.122
Der dritte Grund, warum der Marxsche Geldbegriff Geld als Geldware impliziert, ergibt sich aus der fundamentalen Bestimmung des Geldes als allgemeines Äquivalent, welche unmittelbar die Fundamentalfunktion des Geldes als Maß der Werte bezeichnet: „Die erste Funktion des Goldes besteht darin, der Warenwelt das Material ihres Wertausdrucks zu liefern oder die Warenwerte als gleichnamige Größen, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare, darzustellen. So funktioniert es als allgemeines Maß der Werte, und nur durch diese Funktion wird Gold, die spezifische Äquivalentware, zunächst Geld. Die Waren werden nicht durch das Geld kommensurabel. Umgekehrt. Weil alle Waren als Werte vergegenständlichte menschliche Arbeit, daher an und für sich kommensurabel sind, können sie ihre Werte gemeinschaftlich in derselben spezifischen Ware messen und diese dadurch in ihr gemeinschaftliches Wertmaß oder Geld verwandeln. Geld als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes, der Arbeitszeit.“123
In seiner Funktion als Maß der Werte muss das Geld Geldware sein.124 Zwar dient das Geld in seiner Wertmaßfunktion nur als vorgestelltes oder ideelles Geld, eine physische Präsenz ist nicht notwendig. Dennoch hängt der Preis – der Wertausdruck einer Ware in einem bestimmten Quantum der Geldware – „ganz vom reellen Geldmaterial ab.“125 Dies deshalb, weil die Geldware selbst ein veränderlicher Wert ist und sein muss: Nur weil beide Waren unabhängig von ihrem Wertverhältnis an und für sich Werte sind, kann der Gebrauchswert der einen Ware – der Äquivalentware – innerhalb des Wertverhältnisses zur Erscheinungsform des Werts der anderen Ware werden: Die Äquivalentware gilt innerhalb des Wertverhältnisses als Wert schlechthin, als Darstellungsform von nichts als Wert, weil sie Wert ist.126

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  1. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Marx Schumpeter zufolge der einzige war, der eine Theorie wirtschaftlicher Entwicklung in seinem Sinne vorlegte, also eine Theorie „solcher Veränderungen des Kreislaufs des Wirtschaftslebens, die die Wirtschaft aus sich selbst heraus zeugt“ (Schumpeter (1926), 95): „Der einzige größere Versuch nach dem Entwicklungsprobleme hin ist der von Karl Marx. Wir meinen hier nicht seine Geschichtsauffassung (…) die nicht zur Ökonomie im engeren Sinne gehört (…) Allein Marx hat abgesehen von dieser Leistung noch eine andere auf „Entwicklung“ bezügliche aufzuweisen. Er hat es versucht die Entwicklung des Wirtschaftslebens selbst mit den Mitteln der ökonomischen Theorie zu behandeln. Seine Akkumulations-, seine Verelendungs-, seine Zusammenbruchstheorie ergeben sich wirklich aus rein ökonomischen Gedankengängen und stets ist sein Blick auf das Ziel gerichtet, die Entfaltung des Wirtschaftslebens als solche und nicht bloß seinen Kreislauf in einem bestimmten Zeitpunkt gedanklich zu durchdringen“ (ebd., 84). [zurück]
  2. Schumpeter (1946), 45. Auch in seiner groß angelegten Dogmengeschichte spricht Schumpeter von der „besonders unbefriedigenden Behandlung von Geld und Kredit“ (Schumpeter (2009), 1374) bei Marx. [zurück]
  3. Vgl. Schumpeter (1946), 44: „Marx hatte also einen Meister? Ja. Das wirkliche Verständnis seiner Wirtschaftslehre beginnt mit der Erkenntnis, daß er als Theoretiker ein Schüler Ricardos war. Er war sein Schüler nicht nur in dem Sinn, daß seine eigene Beweisführung offensichtlich von den Behauptungen Ricardos ausgeht, sondern auch in dem weit bedeutungsvolleren Sinn, daß er die Kunst des Theoretisierens von Ricardo gelernt hatte.“ [zurück]
  4. Vgl. auch Rubin (2012), 9f.: „Die Marx’sche Geldtheorie steht in enger, untrennbarer Verbindung mit seiner Werttheorie. Diese Verbindung ist enger als die zwischen anderen Teilen des ökonomischen Systems von Marx. (…) Die Geldtheorie ergibt sich nicht nur aus der Werttheorie, sondern die Werttheorie kann umgekehrt auch nicht ohne die Geldtheorie entwickelt werden und findet erst in ihr ihre Vollendung.“ Vgl. auch ebd., 21f.: „Die Wert- und Geldtheorie in ihrer Gesamtheit charakterisieren einen und denselben grundlegenden Typ von Produktionsverhältnissen zwischen Warenproduzenten, die sich im Prozess der Produktion mit ihrer Arbeitstätigkeit gegenseitig ergänzen, aber formal unabhängig sind und miteinander erst im Prozess des Austausches in Beziehung treten. Insofern unserer Aufmerksamkeit auf die gesellschaftliche Einheit des gesamten Prozesses der Produktion und die Verteilung der Gesamtarbeit gerichtet ist, die sich vermittels des Austauschs realisiert, haben wir eine Werttheorie. Insofern unsere Aufmerksamkeit hingegen auf den Prozess des Austauschs mit seinen einzelnen Akten des Kaufs und Verkaufs als notwendige Form der Realisierung der Einheit des gesellschaftlichen Produktionsprozesses gerichtet ist, haben wir eine Geldtheorie. Nur beide Theorien in ihrer Gesamtheit geben uns ein allgemeines Bild der Warenwirtschaft in ihrer ganzen zwiespältigen Struktur: der Einheit des gesellschaftlichen Produktionsprozesses und seiner Zersplitterung in die einzelne Privatwirtschaft.“ Vgl. auch ebd., 22ff.: „Die Untersuchung des Mechanismus der sozialen Abhängigkeit zwischen der Gleichsetzung der Arbeit und der Gleichsetzung der Werte stellt eben das Thema der Marx’schen Werttheorie dar, oder der ersten Stufe unserer Untersuchung. Nachdem er gezeigt hat, auf welche Weise die Gleichsetzung der Arbeit die Form der allseitigen Gleichsetzung der Waren annimmt, geht Marx zur Analyse des letztgenannten Prozesses über, welche aufdeckt, dass die allseitige Gleichsetzung der Waren nur in der Form der Gleichsetzung dieser aller mit einer und derselben herausgehobenen Ware möglich ist, die den Charakter des Geldes annimmt. Dies ist die Theorie der Entstehung und sozialen Funktion des Geldes, oder die zweite Stufe der Untersuchung. Erst danach kann man zur Betrachtung der einzelnen Eigenschaften des Geldes als schon fertiger Resultate des Zirkulationsprozesses übergehen, die auf den ersten Blick scheinbar unabhängig von diesem Prozess sind und dem Geld selbst zugehörig zu sein scheinen. Dies ist die Theorie der einzelnen Funktionen des Geldes, oder die dritte Stufe der Untersuchung. Anders gesagt, diese drei Stufen kann man charakterisieren als die Theorie 1) des Werts oder der Ware, 2) des Übergangs der Ware in Geld und 2) des Geldes. (…) Als verbindendes Glied zwischen der Werttheorie und der Geldtheorie dient die Wertform.“ Vgl. zur Einheit von Wert- und Geldtheorie auch die Ausführungen zur „monetären Werttheorie“ in Heinrich (2003), 196-251. Vgl. auch die Einschätzung von Morris: „In any event it was out of his deep analysis of the commodity form of the product of labor thaht Marx’s ideas on money evolved. These ideas are inseparable from the analysis of the commodity form as an historically transient form. It is because this kind of analysis is so alien to bourgeois political economy that even Schumpeter, one of its greatest figures, failed to see in Marx’s writings on money anything more than an obscure expression of the narrow theories of the metallist school“ (Morris (1967), 427). Vgl. zur Einheit von Wert- und Geldtheorie in nicht-marxistischem Kontext auch Keynes (2009), 247: „Eines der Ziele der vorhergehenden Kapitel war, diesem Doppelleben zu entrinnen und die Theorie der Preise als Ganzes in enge Fühlung mit der Theorie des Wertes zurückzubringen. Die Einteilung der Wirtschaftslehre in die Theorie des Wertes und der Verteilung einerseits und die Theorie des Geldes andererseits ist nach meiner Ansicht eine falsche Einteilung.“ [zurück]
  5. Der Aufsatz steht im Sinne einer Vergewisserung der Grundlagen im Kontext umfassenderer Studien zu im engeren Sinne geldtheoretischen Problemen im Rahmen der Kritik der politischen Ökonomie. [zurück]
  6. MEW 23, 12. [zurück]
  7. MEW 42, 372; vgl. dazu den inhaltlich verbindlichen Nachweis in MEW 23, 21. Kapitel. [zurück]
  8. MEW 42, 178. [zurück]
  9. MEW 42, 203. [zurück]
  10. Vgl. Heinrich (2003), 171ff. [zurück]
  11. MEW 42, 35; im Unterschied zum Forschungsprozess, der vom vorgestellten Konkreten zu immer abstrakteren Bestimmungen führt. [zurück]
  12. Vgl. Wolf (2009); Wolf/Jung; für eine Zusammenfassung vgl. auch Elbe (2010), 179-183. [zurück]
  13. MEW 42, 180. [zurück]
  14. MEW 42, 180. [zurück]
  15. MEGA II/2, S. 68. [zurück]
  16. Vgl. Wolf/Jung, 10f. [zurück]
  17. Wolf (2009), 14 [zurück]
  18. MEW 23, 90. [zurück]
  19. MEW 23, 101. [zurück]
  20. Vgl. Iber (2005), 91. [zurück]
  21. Iber (2005), 91. [zurück]
  22. MEW 23, 88. [zurück]
  23. Vgl. MEW 42, 98: „Das Geld entsteht nicht durch Konvention, sowenig wie der Staat. Es entsteht aus dem Austausch und im Austausch naturwüchsig, ist ein Produkt desselben“; vgl. MEW 13, 35: „das Geld nicht Produkt der Reflexion oder der Verabredung ist, sondern instinktartig im Austauschprozeß gebildet wird“; vgl. MEW 26.3, 163: „Dieselben (von dem mind unabhängigen, obgleich auf ihn wirkenden) Umstände, die die Produzenten zwingen, ihre Produkte als Waren zu verkaufen – Umstände, die eine Form der gesellschaftlichen Produktion von der andren unterscheiden –, geben ihren Produkten (auch für ihre mind) einen vom Gebrauchswert unabhängigen Tauschwert. Ihr „mind“, ihr Bewusstsein, mag durchaus nicht wissen, für es mag nicht existieren, wodurch in fact der Wert ihrer Waren oder ihre Produkte als Werte bestimmt sind. Sie sind in Verhältnisse gesetzt, die ihren mind bestimmen, ohne dass sie es zu wissen brauchen. Jeder kann Geld als Geld brauchen, ohne zu wissen, was Geld ist. Die ökonomischen Kategorien spiegeln sich im Bewusstsein sehr verkehrt ab.“ [zurück]
  24. MEW 23, 101; meine Hervorhebung. [zurück]
  25. MEW 13, 29. [zurück]
  26. Vgl. auch Krüger (2012), 22: „Die vorstehenden Präzisierungen können dahingehend zusammengefasst werden, dass die zum Ausgangspunkt der weiteren Analyse geltende Bestimmung der Ware als Elementarform des sich in der Zirkulation zeigenden kapitalistischen Reichtums die Gesamtheit der tagtäglich neu in die Warenzirkulation eintretenden industriell produzierten, d.h. kapitalistisch produzierten Waren materieller Art, umfasst; dass aber zugleich der sich innerhalb der Zirkulation vermittelnde gesellschaftliche Stoffwechsel in einer „Unschärfe“ bzw. auf einer Abstraktionsstufe gefasst wird, welche den reellen Zirkel wechselweise sich voraussetzender ökonomischer Kategorien durchbricht. Hiermit wird den zentralen Problemen der Geldableitung Rechnung getragen.“ [zurück]
  27. Vgl. MEW 23, 50: „Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto.“ [zurück]
  28. Vgl. auch Rubin (2012), 65: „Marx hatte hier einen Gegner im Auge, dem an dem Nachweis gelegen war, daß außer dem relativen Tauschwert nichts existiert, daß der Wertbegriff in der politischen Ökonomie durchaus überflüssig ist. Auf welchen seiner Gegner spielt Marx an? Es war Samuel Bailey, der den Wertbegriff in der politischen Ökonomie für gänzlich unnötig hielt, der die Meinung vertrat, daß man sich auf die Beobachtung und Analyse einzelner Proportionen, in denen sich verschiedene Güter austauschen, zu beschränken habe.“ [zurück]
  29. MEW 26.3, 122; vgl. ebd., 136: „Bailey hält fest an der Form, worin der Tauschwert der Ware als Ware sich darstellt, erscheint. Allgemein stellt er sich dar, wenn in dem Gebrauchswert einer dritten Ware ausgedrückt, worin alle andre Ware ebenfalls ihren Wert ausdrückt – die als Geld dient, also im Geldpreis der Ware. Besonders stellt er sich dar, wenn ich den Tauschwert irgendeiner Ware im Gebrauchswert irgendeiner anderen Ware darstelle, also als Kornpreis, Leinwandpreis etc. In der Tat erscheint der Tauschwert der Ware, stellt er sich für andre Waren dar, immer nur in dem quantitativen Verhältnis, worin sie sich austauschen. (…) Dies ist die unmittelbare Erscheinung. Und daran hält Bailey fest. Die oberflächlichste Form, worin der Tauschwert sich zeigt, als quantitatives Verhältnis, worin Waren sich austauschen, ist nach Bailey ihr Wert. Von der Oberfläche in die Tiefe fortzugehn ist nicht erlaubt.“ [zurück]
  30. MEW 26.3, 143: Herr Bailey mit seinem queer Denkvermögen, das nur an der Oberfläche der Erscheinungen haftet, schließt ungekehrt: Der Wertbegriff wird nur gebildet – daher der Wert aus bloß quantitativem Verhältnis, worin Waren gegeneinander ausgetauscht werden, in etwas von diesem Verhältnis Unabhängiges verwandelt (was, [wie] er meint, verwandle den Wert der Waren in etwas Absolutes, in eine von den Waren getrennt existierende scholastische entity) –, weil außer den Waren Geld existiert, und wir so gewohnt sind, die Werte von Waren nicht in ihrem Verhältnis zueinander, sondern als Verhältnis zu einem Dritten, als ein von dem unmittelbaren Verhältnis unterschiednes drittes Verhältnis [zu betrachten]. Bei Bailey ist es nicht die Bestimmung des Produkts als Wert, das zur Geldbildung treibt und im Geld sich ausdrückt, sondern es ist das Dasein des Gelds, das zur Fiktion des Wertbegriffs treibt. [zurück]
  31. Es darf nicht vergessen werden, dass auch die klassische politische Ökonomie es versäumt hat, kategorial zwischen Tauschwert und Wert zu unterscheiden. Vgl. MEW 26.3, 122: „Das, was Ricardo in dieser Hinsicht vorzuwerfen ist, ist bloß, daß er nicht die verschiednen Momente in der Entwicklung des Wertbegriffs streng sondert; der Tauschwert der Ware, wie er sich darstellt, erscheint im Austauschprozeß der Waren, von dem Dasein der Ware als Wert in ihrem Unterschied von ihrem Dasein als Ding, Produkt, Gebrauchswert.“ Vgl. auch MEW 23, 95 FN 32: „Es ist einer der Grundmängel der klassischen politischen Ökonomie, daß es ihr nie gelang, aus der Analyse der Ware und spezieller des Warenwerts die Form des Werts, die ihn eben zum Tauschwert macht, herauszufinden.“ An dieses kategoriale Versäumnis kann die Kritik von Bailey anknüpfen. Die Kritik der politischen Ökonomie zeichnet sich gegenüber der klassischen politischen Ökonomie konkret dadurch aus, dass sie insgesamt fünf kategoriale Unterscheidungen trifft, die zu treffen die Klassiker unterlassen haben: 1. die Unterscheidung von Tauschwert und Wert. 2. die Unterscheidung von konkreter und abstrakter Arbeit. 3. die Unterscheidung von Wert der Arbeitskraft und lebendiger Arbeit als ihrem Gebrauchswert. 4. die Unterscheidung von konstantem und variablem Kapital. 5. die Unterscheidung der wesentlichen Kategorie des Mehrwerts von seinen besonderen Erscheinungsformen als Profit und weiter Grundrente, Unternehmergewinn und Zins. Vgl. Gaul (2012). [zurück]
  32. MEW 19, 29: „Erschien die einzelne Ware unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswertes ursprünglich als selbständiges Ding, so war sie dagegen als Tauschwert von vornherein in Beziehung auf alle andern Waren betrachtet.“ Diesen Ausgangspunkt des Schlusses vom Tauschwert auf den Wert hat schon Rubin mit Nachdruck herausgestellt. Vgl. auch Rubin (2012), 10: „Zum Ausgangspunkt seiner Analyse nimmt Marx nicht die Gleichsetzung einer Ware mit einer anderen, sondern die Gleichsetzung einer jeden Ware mit allen anderen, die sich auf dem Markt befinden, d.h. die allseitige Gleichsetzung aller Waren miteinander.“ Vgl. ausführlich ebd., 9-18, insbesondere 13: „Die Gleichsetzung zweier Waren gibt Marx nur deshalb das Recht, die Schlussfolgerung über die Gleichheit ihres Werts zu ziehen, weil er nicht eine isolierte Gleichsetzung nimmt, sondern eines der Glieder aus einer unendlichen Reihe von Angleichungen, in denen eine jede von gegebenen zwei Waren mit allen anderen gleichgesetzt wird. (…) In seiner Werttheorie nimmt Marx zum Ausgangspunkt nicht die zufällige Gleichsetzung zweier Produkte in Natur, sondern die allseitige Gleichsetzung eines jeden Produktes mit allen anderen, die sich in Form der objektiven Bewertung jeder Ware durch den Markt, vermittels des Geldes, vollzieht.“ Vgl. auch Rubin (1973), 66ff. Doch auch die Marxsche Entwicklung im Kapital selbst ist unmißverständlich. MEW 23, 51: „Betrachten wir die Sache näher. Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z.B., tauscht sich mit x Stiefelwichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, müssen x Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die „Erscheinungsform“ eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.“ Vgl. auch MEW 23, 78: „In der zweiten Form [der entfalteten Wertform im Unterschied zur einfachen, M.G.] leuchtet dagegen sofort ein von der zufälligen Erscheinung wesentlich unterschiedner und sie bestimmender Hintergrund durch. Der Wert der Leinwand bleibt gleich groß, ob in Rock oder Kaffee oder Eisen etc. dargestellt, in zahllos verschiednen Waren (…) Es wird offenbar, daß nicht der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert.“ Vgl. dazu auch Heinrich (2003), 199ff. [zurück]
  33. Vgl. MEW 26.3, 124f.: „Daraus folgt offenbar: Daß das quantitative Verhältnis, worin sich Waren als Gebrauchswerte gegeneinander austauschen, zwar der Ausdruck ihres Werts, ihr realisierter Wert, aber nicht ihr Wert selbst ist, indem sich dasselbe Wertverhältnis in ganz verschiednen Quantis von Gebrauchswerten darstellt. Ihr Dasein als Wert ist nicht in ihrem eignen Gebrauchswert – ihrem Dasein als Gebrauchswert ausgedrückt. Er erscheint in ihrem Ausdruck in andren Gebrauchswerten, d.h. in dem Verhältnis, worin sich diese andren Gebrauchswerte gegen sie austauschen. (…) Wenn die Waren sich austauschen in dem Verhältnis, worin sie gleich viel Arbeitszeit darstellen, so ist ihr Dasein als vergegenständlichte Arbeitszeit, ihr Dasein als verkörperte Arbeitszeit ihre Einheit, ihr identisches Element. Als solche sind sie qualitativ dasselbe und unterscheiden sie sich nur noch quantitativ, je nachdem sie mehr oder weniger von demselben, der Arbeitszeit, darstellen. Werte sind sie als Darstellung dieses Identischen und gleich große Werte, Äquivalente, soweit sie gleich viel Arbeitszeit darstellen. Um sie als Größen zu vergleichen, müssen sie vorher gleichnamige Größen sein, qualitativ identische.“ Ebd., 125: „But, on further consideration, we shall find that for the proportion, in which one thing exchanges with an infinitive mass of other things, which have nothing at all in common with it (…) to be a fixed proportion all those heterogeneous various things must be considered as proportionate representations, expressions of the same common unity.“ Ebd., 131f.: „Aber damit die Waren ihren Tauschwert selbständig im Geld darstellen, in einer dritten Ware, der ausschließlichen Ware – sind schon die Warenwerte unterstellt. Es handelt sich nur noch darum, sie quantitativ zu vergleichen. Eine Einheit, die sie zu denselben – zu Werten macht – als Wert qualitativ gleichmacht, ist schon unterstellt, damit ihre Werte und Wertunterschiede sich in dieser Weise darstellen. Drücken alle Waren ihre Werte in Gold z.B. aus, so ist dieser ihr Goldausdruck, ihr Goldpreis, ihre Gleichung mit dem Gold, eine Gleichung, aus der ihr Wertverhältnis zueinander erhellt, berechnet werden kann, denn sie sind nun ausgedrückt als verschiedene Quanta Gold, und in dieser Art sind die Waren in ihren Preisen als gleichnamige und vergleichbare Größen dargestellt. Aber um sie so darzustellen, müssen sie als Werte schon identisch sein. Sonst wäre das Problem, den Wert jeder Ware in Gold auszudrücken, unmöglich zu lösen, wenn nicht Ware und Gold oder jede zwei beliebige Waren als Werte, Darstellungen derselben Einheit, ineinander ausdrückbar wären. Oder im Problem selbst liegt schon diese Voraussetzung. Die Waren sind schon als Werte, als von ihren Gebrauchswerten unterschiedene Werte unterstellt, eh es sich von einer Darstellung dieses Werts in einer besondren Ware handeln kann. Damit zwei Quanta verschiedner Gebrauchswerte als Äquivalente sich gleichgesetzt werden, ist schon unterstellt, daß sie in einem Dritten gleich sind, qualitativ gleich sind und nur verschiedne quantitative Ausdrücke dieses qualitativ Gleichen.“ Ebd., 145: Dieselbe Relation der Ware, um deren Preis es sich handelt, drückt sind in 1000 different „relations in exchange“ zu all den different Waren aus und drückt doch immer dieselbe Relation aus. Also ist die relation, die sich gleichbleibt, verschieden von ihren 1000 different expressions, oder value is different von price, und die prices are only expressions of value; money price its general expression, other prices a particular expression. Es ist nicht einmal dieser einfache Schluß, zu dem Bailey kommt.“ Ebd., 155: „Bailey hat das mit den andren Eseln gemein: Wert der Ware bestimmen heißt ihren Geldausdruck finden, an external measure of their values. Nur sagen sie, von Vernunftinstinkt geleitet, daß dieses Maß dann unveränderlichen Wert haben, also in fact selbst außer der Kategorie des Werts stehn muß. Während er sagt, daß man nichts weiter sich zu denken braucht, da man in der Praxis den Wertausdruck vorfindet.“ Ebd., 159: „the difficulty consists in equalising A with any portion of B; and this is only possible if there exists a common unity for A and B, or if A and B are different representations of the same unity. If all commodities are to be expressed in gold, money, the difficulty remains the same. There must be a common unity between the gold and each of the other commodities“. Ebd., 160f.: „Hier haben wir den Burschen. Wir finden die values gemessen, ausgedrückt in den prices vor. Wir können uns also damit begnügen, [behauptet Bailey] – nicht zu wissen, was der Wert ist. Die Entwicklung des Maßes der Werte zum Geld und weiter die Entwicklung des Geldes als Maßstab der Preise verwechselt er mit dem Auffinden des Begriffes des Werts selbst in seiner Entwicklung als immanentes Maß der Waren im exchange. Er hat darin recht, daß dies Geld keine Ware von unveränderlichem Wert zu sein braucht; er schließt daraus, daß keine von der Ware selbst unabhängige, unterschiedne Bestimmung des Werts notwendig. Sobald der Wert der Waren als ihre gemeinschaftliche Einheit gegeben ist, fällt das Messen ihres relativen Werts und das Ausdrücken desselben zusammen. Aber wir kommen nicht zum Ausdruck, solange wir nicht zu einer Einheit kommen, die von dem unmittelbaren Dasein der Waren verschieden ist. (…) Geld ist selbst schon Darstellung des Werts, supponiert ihn. Geld als Maßstab der Preise unterstellt seinerseits schon die Verwandlung (theoretische) der Ware in Geld. Sind die Werte aller Waren als Geldpreise dargestellt, so kann ich sie vergleichen; sie sind in fact schon verglichen. Um aber die Werte als Preise darzustellen, muß vorher der Wert der Waren als Geld sich dargestellt haben. Geld ist bloß die Form, wie der Wert der Waren im Zirkulationsprozeß erscheint. Wie kann ich aber x cotton in y Geld darstellen? Diese Frage löst sich darin auf, wie kann ich überhaupt eine Ware in einer andren oder Waren als Äquivalente darstellen? Es ist nur die Entwicklung des Werts, unabhängig von der Darstellung der einen Ware in der andren, die die Antwort gibt.“ [zurück]
  34. Vgl. MEW 26.3, 123-125, 131f, 136f., 143ff., 154f., 159-163. Vgl. auch Brentel (1989), 118: „Das ganze Bailey-Kapitel in den Theorien ist im wesentlichen dem Nachweis dieser unterschlagenen, wie implizit doch auch immer schon vorauszusetzenden Qualität ökonomischer Gegenständlichkeit gewidmet, dem immanenten Gehalt der Wertform.“ [zurück]
  35. Vgl. MEW 23, 64 FN 17. [zurück]
  36. MEW 23, 64: „Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware im Wertverhältnis zweier Waren steckt, muß man letzteres zunächst ganz unabhängig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man verfährt meist grade umgekehrt und sieht im Wertverhältnis nur die Proportion, worin bestimmte Quanta zweier Warensorten einander gleichgelten. Man übersieht, daß die Größen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.“ [zurück]

Erster und Zweiter Abschnitt des zweiten „Kapital“-Bandes

Erster Abschnitt: Die Metamorphosen des Kapitals

Der Kreislauf, seine Formen: Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital und ihre Funktionen (die Metamorphosen des Kapitals)

Untersuchungsgegenstand: Kreislauf des Kapitals und „die verschiednen Formen, worin das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift“ (31): die Formen GELDKAPITAL, PRODUKTIVES KAPITAL und WARENKAPITAL

Die Erscheinungsform, in der sich das Kapital ursprünglich – auf der „Oberfläche der Zirkulation“ (MEW 25, 837) – darstellte, war die des Kreislaufs G-W-G´ („die allgemeine Formel des Kapitals, wie es unmittelbar in der Zirkulationssphäre erscheint“, MEW 23, 170; vgl. MEW 24, 55, MEW 25, 403, 837). Vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation und der ihr immanenten Gesetze allein war der Kreislauf G-W-G´ unbegreiflich. Die deshalb durchgeführte Analyse des unmittelbaren Produktionsprozesses löste das Rätsel der Kapitalbildung auf der Grundlage von Äquivalententausch: der kapitalistische Produktionsprozess resultiert in stofflich wie wertlich veränderter Ware und der Kapitalist entzieht der Zirkulation nur deshalb mehr Wert in Geldform als er ursprünglich in sie hineinwarf, weil er Ware von höherem Wert in sie hineinwirft als er ihr ursprünglich entzog. Nach vollzogener Analyse des Produktionsprozesses konkretisiert sich der Kreislauf G-W-G´ daher zu G-W…P…W´-G´ (Kauf der Produktionselemente auf Waren- und Arbeitsmarkt; kapitalistischer Produktionsprozess; Verkauf der produzierten, stofflich und wertlich veränderten, Warenmasse).
Nach wie vor kann das Kapital „nur als Bewegung und nicht als ruhendes Ding begriffen werden“ (MEW 24, 109; vgl. auch MEW 23, 168ff.: Wert als „automatisches Subjekt“ und „prozessierender Wert“) und nach wie vor ist die Form der Bewegung die eines Kreislaufs. Aber der Kreislauf umfasst nun sowohl Zirkulations- wie Produktionssphäre – das Kapital ist jetzt konkreter bestimmt als prozessierende Einheit von Produktion und Zirkulation (MEW 24, 64; MEW 42, 421, 424, 448, 520). Als Gegenstand des ersten Abschnitts des zweiten Buches ergibt sich somit der (Produktion und Zirkulation als seine Momente in sich fassende) (einzelne) Kreislauf des Kapitals. In jeder der drei Phasen des Kreislaufsprozesses (G-W, P, W´-G´), wovon eine der Produktionssphäre (P), zwei der Zirkulationssphäre angehören (G-W, W´-G´), befindet sich der Kapitalwert in verschiedener Gestalt oder Form. Diese verschiedenen Formen, die der prozessierende Kapitalwert in seinem Kreislauf annimmt und abstreift, sind nun zu untersuchen (31, 353). „Um die Formen rein aufzufassen“ (32) nimmt Marx an (diese Annahmen gelten für das gesamte zweite Buch), erstens, dass die Waren zu ihren Werten verkauft werden, zweitens, dass dies unter sonst gleichbleibenden Umständen geschieht (Abstraktion von Wertveränderungen) (vgl. MEW 24, 32, 77f., 110, 392).

Der prozessierende Kapitalwert kann innerhalb der Produktionssphäre nur in Gestalt der Elemente des einfachen Arbeitsprozesses (Produktionsmittel und Arbeitskraft) existieren, wie in der Zirkulationssphäre nur in Gestalt der ihr zugehörigen Formen von Ware und Geld (85f.). Marx nennt Kapitalwert existierend in Produktionsmitteln und Arbeitskraft produktives Kapital, Kapitalwert in Warenform Warenkapital und Kapitalwert in Geldform Geldkapital. Aber weder Produktionsmittel und Arbeitskraft, noch Ware, noch Geld sind für sich genommen Kapital. Es stellt sich somit die Frage, wodurch ihr Kapitalcharakter bedingt ist.
Produktionsmittel und Arbeitskraft – dies wurde bereits in Buch I entwickelt – werden Existenzweisen des produktiven Kapitals nur unter der historischen Voraussetzung der Auflösung ihrer ursprünglichen Verbindung, d.h. auf Grundlage ihrer Trennung, die aufgehoben wird allein dadurch, dass Produktionsmittel und Arbeitskraft zur Daseinsweise eines vorgeschossenen Kapitalwerts werden. Der Arbeitsprozess ist damit von vornherein als Mittel zum Zweck der Verwertung des Werts gesetzt, die Arbeitskraft als nur unter der Bedingung von Mehrwertproduktion sich reproduzieren könnende, als variables Kapital (vgl. MEGA II/11, 23: Das Kapital wird dadurch produktives Kapital, daß der Werth sich die Werthbildende Kraft einverleibt, daß das Produktionsmittel sich der Arbeitskraft, nicht die Arbeitskraft sich des Produktionsmittels bemächtigt.). (MEW 24, 42f.).
Nicht in Buch I entwickelt wurden Geldkapital und Warenkapital als die „neuen Formen, die dem Kapital anschießen in der Zirkulationssphäre“ (MEW 23, 590). In Buch I wurde die Zirkulation nicht als Zirkulation des Kapitals, sondern lediglich als allgemeine Warenzirkulation untersucht. Zwar sind die beiden Zirkulationsstadien des Kapitalkreislaufs (G-W und W´-G´) – einerseits – auch Teil der allgemeinen Warenzirkulation: Sowohl G-W (Verwandlung von Geld in Ware, Umsetzung des Werts aus Geldform in Warenform, Kauf) als auch W´-G´ (Verwandlung von Ware in Geld, Umsetzung des Werts aus Warenform in Geldform, Verkauf) sind Vorgänge der einfachen Warenzirkulation. Andererseits aber sind G-W und W´-G´ darüber hinaus Stadien im selbständigen Kreislauf des individuellen Kapitals, einer Bewegung teils innerhalb der allgemeinen Warenzirkulation, teils außerhalb derselben (61f., 64f.). Die Frage also ist, was aus G-W und W´-G´ als Vorgängen der allgemeinen Warenzirkulation (funktionell) bestimmte „Phasen der Kapitalbewegung“ (61) bzw. „Stadien im Kreislauf des Kapitals“ (64) macht und, ineins damit, was aus Geld Geldkapital und Ware Warenkapital.

Was aus G-W, Verwandlung eines gleichbleibenden Werts aus Geldform in Warenform, eine Phase im selbständigen Kreislaufsprozess des Kapitals und aus Geld Geldkapital macht, ist der spezifische Gebrauchscharakter der gekauften Waren, die qualitative Spaltung der Warensumme in die sachlichen und persönlichen Faktoren der kapitalistischen Warenproduktion: Produktionsmittel (Pm) und Arbeitskraft (A). Durch den Vollzug von G-W(A, Pm) setzt sich der in Geldform vorgeschossene Wert in eine Naturalform um, die ihn befähigt, Mehrwert zu hecken, d.h. er setzt sich um in den Zustand oder die Form von produktivem Kapital.
Das „Geldverhältnis“ (37) zwischen Geldbesitzer bzw. Käufer und Warenbesitzer bzw. Verkäufer ist zwar notwendige Voraussetzung für den Vollzug von G-W(A, Pm), aber keineswegs hinreichende: Geld verwandelt sich in Geldkapital erst – und dies ist das Spezifische an G-W(A, Pm) – mit dem Dasein des „Klassenverhältnisses zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter“ (37), d.h. G-W(A, Pm) unterstellt den Zustand der Trennung der Arbeitskraft von den gegenständlichen Bedingungen ihrer Betätigung als Resultat der ursprünglichen Akkumulation: „Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das [Klassen-]Verhältnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verhältnisses, das eine bloße Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann“ (37).
Weil im Geldkapital allgemeine Warenzirkulation und Zirkulation des Kapitals in eines fallen, ergeben sich bei Auffassung desselben zwei mögliche Irrtümer: „Erstens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als Geldkapital verrichtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geldform befindet, werden irrtümlich aus seinem Kapitalcharakter abgeleitet, während sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts geschuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld [nämlich die Funktion des allgemeinen Kaufmittels und die des allgemeinen Zahlungsmittels; 34]. Und zweitens umgekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), während sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt (…), die in bloßer Waren- und entsprechender Geldfunktion keineswegs gegeben sind.“ (38)

Was aus W´-G´, Verkauf der produzierten Warenmasse, Verwandlung eines gleichbleibenden Werts aus Warenform in Geldform, eine Phase im selbständigen Kreislaufsprozess des Kapitals und aus Ware Warenkapital macht, kann keine isolierte Betrachtung der produzierten Warenmasse für sich zeigen. Denn nicht die absolute Wertgröße der Warenmasse verleiht derselben Kapitalcharakter, sondern allein ihre relative Wertgröße, d.h. ihre Wertgröße verglichen mit dem Wert des in ihrer Produktion aufgezehrten produktiven Kapitals (P). Erst der Bezug auf den Wert des produktiven Kapitals zeigt, dass sich der Wert der Warenmasse zusammensetzt aus Kapitalwert (W=P=G) und Mehrwert (w), die Warenmasse also „Träger des verwerteten Kapitalwerts“ (47) (W+w=W´) ist. Als Träger des verwerteten Kapitalwerts ist die Warenmasse Warenkapital: „Ware wird Warenkapital (W´) als unmittelbar aus dem Produktionsprozeß selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwerteten Kapitalwerts.“ (43)
Die Warenmasse so als Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses, d.h. als Träger des verwerteten Kapitalwerts, gefasst, bedeutet der Vollzug des Aktes W´-G´, also die Funktion des Warenkapitals, die Realisierung sowohl des vorgeschossenen Kapitalwerts (G=P=W) als auch des Mehrwerts (w). Das Resultat dieser Rückverwandlung des Kapitalwerts in Geldform und gleichzeitig ersten Formverwandlung des Mehrwerts aus Warenform in Geldform ist, dass Kapitalwert und Mehrwert – voneinander getrennt – in Geldform existieren (G´=G+g).

Der Begriff des industriellen Kapitals

Der Kapitalcharakter von Geld und Ware ergibt sich jeweils aus dem bestimmten Verhältnis dieser Formen der einfachen Zirkulation zum kapitalistischen Produktionsprozess: als Einleitung desselben ist Geld Geldkapital und als Resultat desselben ist Ware Warenkapital: „Dort [in G-W(A, Pm)] fungiert das vorgeschoßne Geld als Geldkapital, weil es sich vermittelst der Zirkulation in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt. Hier [in W´-G´] kann die Ware nur als Kapital fungieren, sofern sie diesen Charakter schon fertig aus dem Produktionsprozess mitbringt, bevor ihre Zirkulation beginnt.“ (44) (65)
Was diese Besonderheit der produktiven Phase im Unterschied zu den beiden Zirkulationsphasen des Kreislaufsprozesses ausmacht, ist, dass die den Wert als Kapitalwert konstituierende Wertveränderung (die Produktion von Mehrwert) ausschließlich Resultat der Funktion des produktiven Kapitals ist. Die der Zirkulationssphäre angehörigen Verwandlungen (Metamorphosen) des Kapitalwerts (G-W, W´-G´) betreffen dagegen nicht die Wertgröße, sind also rein formell: Derselbe Wert verwandelt sich aus Geldform in Warenform (G-W) oder aus Warenform in Geldform (W´-G´). Den kapitalistischen Produktionsprozess als Funktion des produktiven Kapitals nennt Marx deshalb „reale Metamorphose des Kapitals“ (56), die Funktionen von Geldkapital (G-W) und Warenkapital (W´-G´) „formelle Metamorphosen“ (56).
Obgleich die Verwertung des Werts nur aus der Funktion des produktiven Kapitals resultiert, sind die Zirkulationsmetamorphosen ebenso notwendig wie P. G-W ist notwendig, weil das Kapital allererst die Gestalt des produktiven Kapitals annehmen muss; W´-G´ ist notwendig, weil Kapitalwert und Mehrwert realisiert werden müssen als Bedingung der Erneuerung des Kreislaufsprozesses (ob auf gleicher oder erweiterter Stufenleiter). Der Kapitalwert muss sukzessive die Formen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital annehmen. Die der Form Geldkapital entsprechende Funktion ist die Verwandlung in die Faktoren kapitalistischer Warenproduktion, also in die Form produktives Kapital. Die der Form produktives Kapital entsprechende Funktion ist der kapitalistische Produktionsprozess, die Verwandlung in stofflich und wertlich veränderte Ware, also in die Form Warenkapital. Die der Form Warenkapital entsprechende Funktion ist die Realisierung von Kapitalwert und Mehrwert, die Verwandlung des verwerteten Werts aus Warenform in Geldform, also in die Form Geldkapital. Die der Form Geldkapital entsprechende usw.
In seinem Kreislauf erscheint das Kapital somit als „ein Wert, der eine Reihenfolge zusammenhängender, durch einander bedingter Verwandlungen durchläuft, eine Reihe von Metamorphosen, die ebensoviele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. (…) In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert in verschiedner Gestalt, der eine verschiedne, spezielle Funktion entspricht. (…) Das Kapital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen [Geldkapital, produktives Kapital, Warenkapital] annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist industrielles Kapital“ (MEW 24, 56).
Die Einheit von Produktion und Zirkulation, die das industrielle Kapital ist, ist jetzt expliziert als Einheit der drei Funktionsformen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital.1

Die verschiedenen Formen des Kreislaufs selbst (die drei Kreisläufe als „besondere Erscheinungsformen des sich verwerthenden Werths“ (MEGA II/11, 38) und als „die Reproduktionsformen der drei Gestalten des Kapitals“ (MEW 24, 105))

Das Kapital hatte sich gezeigt als Bewegung in Form eines Kreislaufs, der Produktion und Zirkulation als seine Momente umfasst. Nach Untersuchung der verschiedenen Formen, die der prozessierende Kapitalwert in den drei Stadien seines Kreislaufs annimmt, lässt sich die Einheit von Produktion und Zirkulation, die das Kapital ist, nun explizieren als Einheit der drei Funktionsformen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital.
Die Bewegung des Kapitalwerts hat deshalb die Form eines Kreislaufs, weil der Kapitalwert nach Vollzug seiner drei Metamorphosen immer zu derjenigen Funktionsform zurückkehrt, von der er ausgegangen war, Ausgangs- und Rückkehrpunkt mithin qualitativ identisch sind. Je nachdem, welche der drei Funktionsformen als Ausgangs- und daher Rückkehrpunkt fixiert wird, stellt sich der Kreislauf des Kapitals in verschiedener Gestalt dar, so dass sich drei unterschiedliche Figuren des Kreislaufsprozesses ergeben: Der Kreislauf des Geldkapitals (G-W…P…W´-G´), des produktiven Kapitals (P…W´-G´-W…P) und des Warenkapitals (W´-G´-W…P…W´).
Tatsächlich sind diese drei Figuren des Kreislaufsprozesses – wie sich im vierten Kapitel zeigen wird – lediglich spezielle „Erscheinungsformen des Kreislaufs des industriellen Kapitals“ (MEW 24, 65), bloß „besondere Erscheinungsformen des sich verwerthenden Werths“ (MEGA II/11, 38). Wird dies aber verkannt, d.h. wird der Kreislauf des industriellen Kapitals nur in einer seiner drei Formen aufgefasst und wird somit eine der drei Formen als ausschließliche fixert – so entsteht ein „Schein“ (78) bzw. „illusorischer Charakter“ (66) und eine dem entsprechende illusorische Deutung des Kapitalkreislaufs. Jede besondere Erscheinungsform begründet also eine besondere Gestalt des Bewusstseins: Der Kreislauf des Geldkapitals liegt dem Merkantilsystem zugrunde, der des produktiven Kapitals der klassischen politischen Ökonomie und der des Warenkapitals der Physiokratie. Indem Marx zeigt, dass diese Schulen der politischen Ökonomie den Kreislauf des industriellen Kapitals in je nur einer seiner drei Erscheinungsformen reflektieren, hebt er sie im Hegelschen Sinne auf.
Im Kreislauf des Geldkapitals (Form I), dessen allgemeine Formel G-W…P…W´-G´ ist, erscheint erstens der Kapitalwert als Ausgangspunkt und der verwertete Kapitalwert als Rückkehrpunkt, d.h. die Verwertung des Werts als Zweck des Prozesses. Dies Kapitalverhältnis von vorgeschossenem Kapitalwert zu verwertetem Kapitalwert ist zudem in der „blinkenden Geldform“ (63) ausgedrückt. Zweitens erscheint der Produktionsprozess als Unterbrechung und Vermittlung der Zirkulation und so in der Form selbst ausdrücklich als das, was er in der kapitalistischen Produktionsweise ist – als bloßes Mittel und notwendiges Übel zur Verwertung des Werts. Drittens besitzt das Resultat G´ exakt dieselbe Form, in der es den Kreislauf eröffnet hat, ist also selbst wieder Ausgangspunkt – allerdings als vergrößertes Geldkapital. Der Kreislauf des Geldkapitals drückt deshalb nur den Akkumulationsprozeß aus.
Der bei Fixierung des Kreislaufs des Geldkapitals, dieser „rationellen Form der Schatzbildung“ (MEGA II/11, 32), als auschließlicher Form sich einstellende Schein besteht darin, dass die Verwertung des Werts nur in Gestalt von Geld heckendem Geld sichtbar wird. Der Kreislauf des Geldkapitals weist jedoch „selbst auf andre Formen hin“ (67): Zunächst setzt er in seinem ersten Akt das beständige Dasein einer Lohnarbeiterklasse voraus und daher bereits den Kreislauf des produktiven Kapitals. Dann aber zeigt die (soll Geld Geldkapital bleiben: notwendige) Wiederholung des Kreislaufs, erstens, dass G und G´ selbst nur verschwindende Momente sind, zweitens, dass die anderen Kreisläufe in der Wiederholung des Geldkapitalkreislaufs einbegriffen sind.
Der Kreislauf des produktiven Kapitals (Form II), dessen allgemeine Formel P…W´-G´-W…P ist, zeigt die periodisch erneuerte Funktion des produktiven Kapitals als Zweck des Kreislaufsprozesses an, er ist die „Form der Reproduktion“ (96). Durch die Funktion des Warenkapitals (W´-G´) erhalten sowohl der in W´ enthaltene Kapitalwert wie der Mehrwert selbständige Form als Geldsummen und sind hierdurch trennbar. Weil in Form II die Realisierung des Warenkapitals zweite Phase des Kreislaufs und erste Phase der Zirkulation ist, muss jetzt (im Unterschied zu Form I) entschieden werden, ob der selbständig in Geldform existierende Mehrwert vom Kapitalisten als Revenue verausgabt wird (einfache Reproduktion: P….P) oder ob er kapitalisiert wird (Akkumulation: P…P´)2. Vorausgesetzt, dass auch im Falle der Akkumulation zumindest ein Teil des Mehrwerts vom Kapitalisten als Revenue verzehrt wird, findet in beiden Fällen eine wirkliche Spaltung der Bewegung von Kapitalwert und (zum Konsum des Kapitalisten bestimmten) Mehrwert statt. Die Zirkulation des Kapitalwerts (rein formell: W-G-W(A, Pm)) lässt sich dann unterscheiden von der Zirkulation der Revenue des Kapitalisten (wieder rein formell: w-g-w), die zwar aus dem Kreislauf des Kapitals hervorgeht, aber aus demselben ausscheidet und in die allgemeine Zirkulation eingeht.
Die Form P…W´-G´-W…P zeigt zwei weitere Charakteristika: Erstens erscheint die gesamte Zirkulation hier formell als W-G-W (im Gegensatz zu G-W-G im Kreislauf des Geldkapitals) und daher das Geldkapital als bloßes Zirkulations- bzw. Zahlungsmittel. Die Geldform stellt sich dar als „Zirkulationsmittel des Kapitals“ (78), als bloß „verschwindende selbständige Wertform des Kapitals“ (78). Zweitens bildet die gesamte Zirkulation hier nur eine Unterbrechung und daher Vermittlung des Produktionsprozesses, der als eigentlicher Zweck erscheint – wieder im genauen Gegensatz zum Kreislauf des Geldkapitals, in dem umgekehrt die Produktion die Zirkulationsstadien unterbricht und vermittelt und so als bloßes Mittel zum Zweck der Verwertung erscheint. Während einerseits die Darstellung der Geldform als bloß verschwindender den mit Form I verbundenen Schein korrigiert, produziert Form II als ausschließliche Form fixierte andererseits den Schein, als sei der Produktionsprozess im Sinne des einfachen Arbeitsprozesses Zweck des Kapitalkreislaufs:
„Der Schein der Selbständigkeit, den die Geldform des Kapitalwerths in Figur I seines Kreislaufs besaß, verschwindet in dieser zweiten Figur, welche somit die Kritik der Figur I bildet und sie auf ihren wahren Gehalt, den einer besondren Erscheinungsform des sich vertwerthenden Werths, reduziert. Aber, notabene, was kritisiert wird, ist nur die Selbständigkeit der Geldform des processierenden Kapitalwerths – es ist nicht die Selbständigkeit des prozessirenden Werths selbst, die ihm grade seinen Kapitalcharakter und dem Produktionsprozess den Charakter des kapitalistischen Produktionsprocesses aufprägt. (…) Das Merkantilsystem deckt diese differentia specifica der kapitalistischen Produktion in seiner Formel G_etc._G´ handgreiflich auf, während die klassische Ökonomie in ihrer Aufklärungsrenommisterei gegen das Merkantilsystem die differentia specifica selbst vergißt, den Wertherzeugenden Werth, d.h. den Kapitalcharakter des Werths. Sie affektiert daher in dem kapitalistischen Produktionsprozess den blossen Arbeitsprocess zu sehn, nicht die Einheit von Arbeitsproceß und Verwertungsproceß.“ (MEGA II/11, 38f.)

Während G…G´ die Verwertung des vorgeschossenen Werts als Zweck des Kreislaufs zeigt und P…P (P´) den Kreislauf als „Reproduktionsprozeß mit gleichbleibender oder wachsender Größe des produktiven Kapitals“ (102), so gibt Form III (der Kreislauf des Warenkapitals W´-G´-W…P…W´), sofern als Kreislauf eines individuellen Kapitals betrachtet, „zu keinen weiteren Betrachtungen Anlaß, da ihr Cirkulationsproceß W´-G´-W schon in der Mitte der 2. Figur vorkam“ (MEGA II/11, 40).

Der wirkliche Kreislauf des industriellen Kapitals

Bisher (sowohl bei Betrachtung der Formen, die der Kapitalwert in seinem Kreislauf sukzessive annimmt, als auch bei Betrachtung der verschiedenen Formen des Kreislaufs selbst) wurde unterstellt, dass der Kapitalwert immer ganz aus einem Stadium in das jeweils darauf folgende tritt, d.h. dass der gesamte Kapitalwert in einer der drei Formen existiert, die dieser Form entsprechende Funktion vollzieht und dadurch (wiederum ganz) die nächste Funktionsform annimmt (vgl. 49, 105).
Diese Voraussetzung diente der Freilegung eines Widerspruchs (MEW 24, 59, 127): Einerseits ist das Kapital als bewegte Einheit von Produktion und Zirkulation das alle drei Kreislaufstadien durchlaufende Subjekt, dem das flüssige, kontinuierliche Übergehen aus einer Phase in die nächste wesentlich ist. Andererseits ist der Kontinuität stiftende Formwechsel (wie gezeigt) vermittelt durch den – Zeit beanspruchenden – Vollzug der Funktion der jedesmaligen Form3, während dem das Kapital in einer bestimmten Funktionsform fixiert ist. Daher ist die Kontinuität des Kreislaufs durch „fortwährende Unterbrechungen vermittelt und ist in der That nur die Continuität dieser Unterbrechungen“ (MEGA II/11, 47f.).
Die Kreislaufstadien bedingen einander also nicht nur, sie schließen sich zugleich aus (106): Während der Kapitalwert beispielsweise in der Form des produktiven Kapitals existiert und dessen Funktion, den Produktionsprozeß, vollzieht, kann er sich nicht in der Form des Waren- oder Geldkapitals befinden, der Zirkulationsprozeß ist unterbrochen; umgekehrt ist der Produktionsprozeß unterbrochen, wenn der Kapitalwert als Warenkapital oder als Geldkapital funktioniert.
Die Zirkulationsmetamorphosen des Kapitals sind zwar einerseits notwendig, andererseits aber unterbrechen sie die kapitalistische Produktion – die Zirkulation zeigt sich damit als eine in der Natur des Kapitals liegende Schranke der Verwertung des Kapitalwerts (MEW 42, 444f., 448, 450, 453, 534, 559). Es besteht ein Widerspruch zwischen der Kontinuität der Verwertung und der Notwendigkeit der Zirkulationsphasen. Wie wird dieser Widerspruch gelöst?
Soll der kapitalistische Produktionsprozeß kontinuierlich sein, so ist dies unter Voraussetzung der Notwendigkeit der Zirkulation einzig möglich durch die Teilung des Kapitals. Zu jedem Zeitpunkt existiert dann ein Teil des Kapitalwerts in Gestalt des produktiven Kapitals, ein anderer Teil in Gestalt des Warenkapitals, ein dritter Teil in Gestalt des Geldkapitals. Im Zeitverlauf nimmt jeder einzelne der drei Kapitalteile sukzessive die drei Funktionsformen an. Das industrielle Kapital als Ganzes dieser Teile befindet sich dadurch permanent gleichzeitig in allen drei Funktionsformen und Kreislaufstadien und durchläuft gleichzeitig alle drei Kreisläufe. Das wirkliche industrielle Kapital ist daher nicht nur Einheit von Produktion und Zirkulation, d.h. explizit: Einheit der drei Funktionsformen, sondern „Einheit aller seiner drei Kreisläufe“ (MEW 24, 107).

Zirkulationszeit und Zirkulationskosten

Die Teilung des Kapitals löst den Widerspruch zwischen Kontinuität des kapitalistischen Produktionsprozesses und Notwendigkeit der Zirkulationsmetamorphosen allerdings nur für das industrielle Kapital als Ganzes seiner Teile. Für jeden einzelnen Kapitalteil bleibt der Widerspruch natürlich bestehen: Funktioniert ein Kapitalteil als Warenkapital oder Geldkapital in der Zirkulationssphäre, so ist für diesen Kapitalteil der Produktionsprozeß suspendiert. Das Fortdauern des Widerspruchs zwischen Kontinuität des Produktionsprozesses und Notwendigkeit der Zirkulationsmetamorphosen für die einzelnen Teile des Kapitalwerts äußert sich für das industrielle Kapital als Ganzes seiner Teile in der negativen Wirkung der Zirkulationszeit auf den Grad der Verwertung eines Kapitals von gegebener Größe.

Zirkulationszeit

Die Dauer des Aufenthalts des Kapitalwerts in der Zirkulationssphäre, d.h. in den Formen Warenkapital und Geldkapital, nennt Marx Zirkulations- oder Umlaufszeit (die Summe aus Verkaufszeit und Kaufzeit), die Dauer seines Aufenthalts in der Produktionssphäre, d.h. in der Form von produktivem Kapital, Produktionszeit. Nur während der Produktionszeit findet Mehrwertproduktion, also Verwertung des Kapitalwerts, statt.4 Der fortdauernde Widerspruch zwischen Kontinuität des Produktionsprozesses und Notwendigkeit der Zirkulationsmetamorphosen für jeden einzelnen Kapitalteil lässt sich jetzt auch so formulieren, dass sich für jeden einzelnen Kapitalteil Produktionszeit und Zirkulationszeit wechselseitig ausschließen. Solange ein Kapitalteil die Zirkulationsmetamorphosen durchläuft, kann er nicht als produktives Kapital fungieren.
Je länger nun die Dauer des Vollzuges der Zirkulationsmetamorphosen (die Zirkulationszeit), desto relativ größer ist der in Zirkulationssphäre befindliche Kapitalteil eines industriellen Kapitals von gegebener Größe und desto kleiner der als produktives Kapital fungierende Teil. Die Zirkulationszeit beeinflußt also die Verwertung eines gegebenen Kapitalwerts: „Die Expansion und Kontraktion der Umlaufszeit wirkt daher als negative Schranke auf die Kontraktion oder Expansion der Produktionszeit odes des Umfangs, worin ein Kapital von gegebener Größe als produktives Kapital fungiert“ (MEW 24, 127).
Je kürzer die Zirkulationszeit, desto weiter der Umfang, worin ein industrielles Kapital als Ganzes seiner Teile als produktives Kapital fungiert. Das Ideal des Kapitals ist eine Umlaufszeit gleich Null: Wenn Verkauf des Warenkapitals und Kauf von Produktionsmitteln und Arbeitskraft in Nullzeit geschehen, dann ist die Verwertung maximal, weil der gesamte Kapitalwert permanent als produktives Kapital fungiert.
Tatsächlich kann die Zirkulationszeit die Verwertung des Kapitals nur deshalb beeinflußen, weil und insofern sie eine negative Schranke der Produktionszeit und daher der Verwertung des Kapitals darstellt. In der unmittelbaren Erscheinung jedoch zeigt sich bloß die schlichte Tatsache der Wirkung der Zirkulationszeit auf die Verwertung. An der Erscheinung in ihrer Unmittelbarkeit haftet so der Schein, als sei die Zirkulationszeit ein „ebenso positiver Grund [der Wert- und Mehrwertbildung] wie die Arbeit selbst“ (MEW 25, 836).

Zirkulationskosten

Die formellen Zirkulationsmetamorphosen eines bestimmten Kapitalteils „kosten“ nicht nur reine Zeit (Zirkulationszeit), die die Produktionszeit desselben Kapitalteils unterbricht (und mit ihr seine Verwertung); sie verursachen darüber hinaus Zirkulationskosten im eigentlichen Sinne, d.h. positive Ausgaben sowohl für Arbeitskraft als auch für Produktionsmittel. Während die Zirkulationszeit nur die mögliche Verwertungszeit negiert – d.h. diejenige Verwertungszeit, die möglich wäre im Falle einer Zirkulationszeit von Null –, negieren die eigentlichen Zirkulationskosten als positive Ausgaben wirkliche Verwertungszeit, weil sie, wie sich zeigen wird, aus dem Mehrwert bestritten werden müssen.

Die formellen Zirkulationsmetamorphosen des Kapitals als bloße Umsetzung desselben Kapitalwerts aus Warenform in Geldform und aus Geldform in Warenform sind zugleich – denn die Waren können nicht selbst zu Markte gehen und sich austauschen – Akte des Verkaufs und Kaufs, die durch einen „Agent zum Kaufen und Verkaufen“ (MEW 24, 133), einem Zirkulationsagenten, vollzogen werden müssen. Unabhängig davon, wer die Funktion des Zirkulationsagenten ausübt – ob der Kapitalist selbst, ein Lohnarbeiter, eine eigene Abteilung von Lohnarbeitern oder gar ein fremdes selbständiges Kaufmannskapital –, verursacht der Vollzug des Formwechsels einen positiven Verlust in Gestalt der Kosten für die Arbeit des Zirkulationsagenten und etwaige Arbeitsmittel (Büroausstattung bspw.).
Diese von Marx sogenannten reinen Zirkulationskosten gehen aus dem bloßen Formwechsel des Kapitalwerts hervor; es sind Kosten zur Übersetzung eines gegebenen Werts aus einer Form in die andere. Weil die reinen Zirkulationskosten dem bloßen Formwechsel des Kapitalwerts entspringen und in keiner Weise auf den Gebrauchswert wirken, gehen sie auch nicht in den Wert der Ware ein. Reine Zirkulationskosten sind somit Kosten für Funktionen, die zwar einerseits notwendig sind, aber andererseits keinen zusätzlichen Gebrauchswert schaffen, daher auch keinen Wert, daher auch keinen Mehrwert – womit sie im kapitalistischen Sinne unproduktiv sind. Die Kosten für solche unproduktiven, aber notwendigen Funktionen nennt Marx die faux frais der kapitalistischen Warenproduktion. Da sie nicht in den Wert der Waren eingehen, müssen sie vom Mehrwert abgezogen werden.
Neben Kauf (betriebswirtschaftlich: Beschaffung für Arbeitsmaterial, Personalwirtschaft für Arbeitskraft, Investition für Arbeitsmittel) und Verkauf (betriebswirtschaftlich: Absatz) zählt Marx zu den reine Zirkulationskosten verursachenden Funktionen vor allem die Kostenrechnung und die Buchführung. Für all diese Funktionen gilt: Weder die Dimensionen, die diese Funktionen bei kapitalistischer Warenproduktion annehmen, noch die Verselbständigung dieser Funktionen – sei es in Form der Delegation derselben an eigens dafür engagierte Lohnarbeiter, sei es in Form der Übertragung an ein fremdes, selbständiges Kapital – können eine ihrem Begriff nach unproduktive Funktion in eine produktive verwandeln, d.h. in eine solche, die Wert und Mehrwert schafft.
Sowohl die reine Zirkulationszeit als auch die reinen Zirkulationskosten stellen Grenzen der Mehrwertproduktion dar. Verringert sich die Zirkulationszeit, steigt für ein Kapital von gegebener Größe in einem gegebenem Zeitraum die Produktionszeit im selben Umfang, und damit seine Verwertung. Verringern sich die reinen Zirkulationskosten, steigt der nach Abzug der Zirkulationskosten verbleibende Mehrwert. Diese Erscheinungen (die Wirkung von Zirkulationszeit und Zirkulationskosten auf die Kapitalverwertung) in ihrer Unmittelbarkeit, zusammen mit dem ebenfalls der Zirkulationssphäre zugehörigen Phänomen des Veräußerungsprofits (profit upon alienation; d.i. der Verkauf der Ware über ihrem Wert aufgrund von kurzfristigen Marktpreisschwankungen, der subjektiven Tüchtigkeit des Kapitalisten, etc.), befestigen den dem Zirkulationsprozeß des Kapitals eigentümlichen Schein, als würden in der Zirkulationssphäre Werte nicht nur umgesetzt aus Warenform in Geldform und aus Geldform in Warenform, sondern vielmehr in ihr geschaffen, und daher auch den Schein, als besitze das Kapital eine der Zirkulationssphäre entstammende, „von der Exploitation der Arbeit unabhängige mystische Quelle der Selbstverwertung“ (MEW 24, 128).
Von den reinen Zirkulationskosten, die dem Gebrauchswert nichts hinzusetzen, daher nicht in den Wert der Ware eingehen, daher Abzüge vom Mehrwert darstellen, sind solche Zirkulationskosten zu unterscheiden, die sich einer Wirkung auf den Gebrauchswert der Ware verdanken und daher den Wert der Ware erhöhen. Dazu zählt Marx zum einen die Kosten der Warenvorratbildung, zum anderen die Transportkosten.
Wenn sich ein bestimmter Teil des Kapitalwerts in einer der drei Funktionsformen befindet, ohne die entsprechende Funktion zu vollziehen, entsteht Vorrat. Verharrt der Kapitalwert in seiner Form als produktives Kapital, bildet sich produktiver Vorrat (latentes produktives Kapital), verharrt er in seiner Form als Geldkapital, bildet sich Schatz (latentes Geldkapital), verharrt er in seiner Form als Warenkapital, bildet sich Warenvorrat. Das Dasein des Warenkapitals als Warenvorrat verursacht Kosten an lebendiger und vergegenständlichter Arbeit sowohl zur Lagerung als auch zur Erhaltung des Warenvorrats. Sofern der Warenvorrat „normal“ ist, d.h. Bedingung des kontinuierlichen, flüssigen Verkaufs (und nicht Folge einer Stockung), erhöhen diese Kosten den Wert der Waren, weil sie den Gebrauchswert konservieren.
Da auf Grundlage der kapitalistischen Produktion Produkte allgemein Warenform annehmen, geht in der Regel jeder Produktentransport (physische Zirkulation) auch mit einer Zirkulation von Waren (ökonomische Zirkulation) einher, so dass die Transportkosten als Zirkulationskosten erscheinen. Der Sache nach aber handelt es sich bei Transportkosten um Kosten für die Fortsetzung des Produktionsprozesses innerhalb des Zirkulationsprozesses: Die Transportindustrie produziert den Gebrauchswert der Ortsveränderung der Ware und setzt damit den transportierten Produkten Wert zu.

Zweiter Abschnitt: Der Umschlag des Kapitals

Band I bewies, dass das Kapital nur als Einheit von Produktion und Zirkulation begriffen werden kann, analysierte aber nur den unmittelbaren Produktionsprozess. Der erste Abschnitt des zweiten Bandes nimmt das Kapital als diese Einheit von Produktion und Zirkulation in den Blick und macht daher den einzelnen Kreislauf des (individuellen) Kapitals zu seinem Gegenstand. Die Betrachtung der verschiedenen Formen, die der Kapitalwert (genauer: bestimmte Teile des Kapitalwerts) in seinem Kreislauf sukzessive annimmt, zeigt das Kapital als Einheit der drei Funktionsformen Geldkapital, produktives Kapital, Warenkapital. Die Teilung des Kapitals als Lösung des Widerspruchs zwischen Kontinuität der Verwertung und Notwendigkeit der Zirkulationsmetamorphosen schließlich zeigt das Kapital als Einheit aller seiner drei Kreisläufe.
Weil die Bewegung des Kapitals „endlos“ (MEW 23, 166) ist, ist der Kreislauf des Kapitals allerdings kein einmaliger Vorgang, sondern ein sich stets wiederholender, d.h. eine Periode im Leben des Kapitals. „Der Kreislauf des Kapitals, nicht als vereinzelter Vorgang, sondern als periodischer Prozeß bestimmt, heißt sein Umschlag“ (MEW 24, 156). Der Umschlag des (individuellen) Kapitals ist Gegenstand des zweiten Abschnitts.
Die Dauer des Umschlags nennt Marx Umschlagszeit des Kapitals. Die Umschlagszeit eines gegebenen Kapitals ergibt sich als Summe seiner Produktionszeit und seiner Zirkulations- oder Umlaufszeit. Sie misst den Zeitabstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kreislaufperioden oder, anders ausgedrückt, die Zeitspanne zwischen Vorschuß von Kapitalwert und Rückkehr des (verwerteten) Kapitalwerts zum Kapitalisten in seiner ursprünglichen Form.
Mit dem Jahr als natürlicher Maßeinheit für den Umschlag lassen sich die Anzahl der Umschläge eines bestimmten Kapitals (pro Jahr) n als der Quotient aus dem Jahr U und der Umschlagszeit des Kapitals u berechnen (n=U/u; z.B. schlägt ein Kapital mit der Umschlagszeit von 4 Monaten 12/4=3 mal im Jahr um).
Der zweite Abschnitt untersucht zunächst (in den Kapiteln 8 bis 14) die Bestimmungsgrößen der Umschlagszeit (in eins damit die Umstände, die die Umschlagszeiten verschiedener Einzelkapitale variieren), um sodann (in Kapitel 16) nach der Wirkung der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals zu fragen. Die Analyse der Bestimmungsgrößen der Umschlagszeit gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil (Kapitel 8-13) geht es um Determinanten, die der Produktionssphäre, im zweiten (Kapitel 14) um solche, die der Zirkulationssphäre angehören.

Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital

Die Betrachtung des Kreislaufs ergab, dass der Kapitalwert (bzw. ein bestimmter Teil des Kapitalwerts) sukzessive die Formen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital annehmen muss. Ziel der Betrachtung des Kreislaufs war die reine Auffassung dieser Formen und deshalb war sie abstrakt in dem Sinne, dass von der Verschiedenheit der Bestandteile des produktiven Kapitals abstrahiert wurde (vgl. MEW 24, 59). Diese Abstraktion und die dadurch ermöglichte reine Herausarbeitung der drei Kreislaufsformen ist ferner gerade die notwendige Voraussetzung, um die Wirkung der Verschiedenheit der Elemente des produktiven Kapitals auf den Kreislauf oder Umschlag zu untersuchen.
Was meint die Verschiedenheit der Elemente des produktiven Kapitals? Vom Standpunkt des Arbeitsprozesses unterscheidet sich das produktive Kapital in die gegenständlichen Arbeitsbedingungen, d.h. die Produktionsmittel, d.h. Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel, und in die (sich zweckmäßig betätigende) Arbeitskraft; vom Standpunkt des Wertbildungs- und Verwertungsprozesses unterscheidet sich das produktive Kapital in konstantes und variables Kapital. Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie diese verschiedenen Bestandteile des produktiven Kapitals den Umschlag beeinflussen. Dabei wird sich zeigen, dass unterschiedliche Elemente des produktiven Kapitals den Kreislauf der Formen auf differente Weise und in differenten Zeiträumen vollziehen: Aus der verschiedenartigen Zirkulation und daher dem verschiedenartigen Umschlag der verschiedenen Bestandteile des produktiven Kapitals entspringt der Unterschied von fixem Kapital und zirkulierendem Kapital.
Vom Standpunkt des Arbeitsprozesses zeigt sich ein charakteristischer Unterschied zwischen Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen (Rohmaterialien und Hilfsstoffen): Arbeitsmittel bewahren ihre ursprüngliche selbständige Gestalt gegenüber dem Produkt, zu dessen Bildung sie beitragen, d.h. sie dienen in einer Mehrzahl aufeinanderfolgender Produktionsperioden. Im Unterschied zu den Arbeitsmitteln, die in jeder einzelnen Produktionsperiode zwar allmählich verschleißen, aber nicht gänzlich verbraucht werden, werden Arbeitsgegenstände in jeder einzelnen Produktionsperiode völlig verbraucht.
Dieses unterschiedliche stoffliche Verhalten von Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand im einfachen Arbeitsprozeß bedingt nun – im Wertbildungs- bzw. Verwertungsprozeß – eine verschiedenartige Wertübertragung, d.h. Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand geben ihren Wert auf verschiedene Weise an das Produkt ab:5 Der Wert der Arbeitsmittel geht nur nach Maßgabe ihres Verschleißes pro Produktionsperiode auf das Produkt über, was bedeutet, das in ein Produkt je nur ein Teil ihres Werts eingeht. Der Wert der Arbeitsgegenstände dagegen geht ganz in jedes Produkt ein.
So verschieden sich der in Arbeitsgegenständen ausgelegte Teil des konstanten Kapitals und das in Arbeitskraft ausgelegte variable Kapital sowohl im Arbeitsprozeß als auch im Wertbildungs- bzw Verwertungsprozess ansonsten auch verhalten mögen – in der Hinsicht, ob die Wertübertragung auf das Produkt stückweise oder ganz geschieht, gleichen sie sich: Sowohl der in Arbeitskraft als auch der in Arbeitsgegenständen ausgelegte Wertteil des produktiven Kapitals gehen ganz in jedes Produkt ein, der in Arbeitsmitteln ausgelegte Wertteil dagegen nur stückweise.
Diese unterschiedliche Art der Abgabe des Werts an das Produkt wiederum bedingt eine Verschiedenheit in der Art der Zirkulation des Werts durch das Produkt und daher eine Verschiedenheit in der Art des Ersatzes der Elemente des produktiven Kapitals:
Der für Arbeitskraft und Arbeitsgegenstände (Roh- und Hilfsstoffe) vorgeschossene Wert wird ganz auf das Produkt übertragen, ganz durch das Produkt zirkuliert, d.h. ganz in Geld verwandelt und aus Geld umgehend zurück in Arbeitskraft und Arbeitsgegenstände. Er beschreibt den ganzen Kreislauf seiner Formen, wird beständig in seiner Naturalform erneuert und schlägt so kontinuierlich um.
Der für Arbeitsmittel vorgeschossene Wert wird nur teilweise auf das Produkt übertragen, daher auch nur teilweise durch das Produkt zirkuliert; während ein Teil des in Arbeitsmitteln ausgelegten Werts schon durch das fertige Produkt zirkuliert und mit ihm in Geld verwandelt wird, ist der restliche Teil ihres Werts noch in ihrer im Produktionsprozess fortfungierenden alten Naturalgestalt fixiert. Deshalb nennt Marx den für Arbeitsmittel vorgeschossenen Wertteil des produktiven Kapitals fixes Kapital6, den für Arbeitskräfte und Arbeitsgegenstände vorgeschossenen Wertteil des produktiven Kapitals zirkulierendes Kapital.7
Charakteristisch für das fixe Kapital ist die Doppelexistenz seines Werts: Ein Teil seines Werts bleibt in den Arbeitsmitteln fixiert, während ein anderer Teil bereits mit dem Produkt zirkuliert und aus der Zirkulation in Geldform zurückkehrt. Mit zunehmender Anzahl der Produktionsperioden wird aufgrund des Verschleißes der in Naturalgestalt im Produktionsprozess existierende Wertteil immer kleiner, der aus der Zirkulation in Geldform rückfließende Wertteil immer größer, solange bis das Arbeitsmittel ausgemustert wird. Die Eigentümlichkeit des Umschlags des fixen Kapital besteht darin, dass die Rückverwandlung des schon in Geldform existierenden Werts des fixen Kapitals in ein neues Arbeitsmittel bestimmt ist durch die eigene Funktionsdauer des Arbeitsmittels. Solange das fixe Kapital noch in seiner alten Naturalgestalt im Produktionsprozess funktioniert, wird der aus der Zirkulation in Geldform rückfließende Teil seines Werts in einem Amortisationsfonds aufgehäuft.
Marx betont immer wieder, dass sich der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital nicht auf das stoffliche Element, sondern auf den Wert bezieht, d.h. genauer: auf die verschiedenartige Zirkulation und daher den verschiedenartigen Umschlag des Werts von Arbeitskraft und Arbeitsgegenstand einerseits, Arbeitsmittel andererseits. Arbeitskraft und Arbeitsgegenstand sind nur die stofflichen Träger des zirkulierenden Kapitals, wie das Arbeitsmittel nur der stoffliche Träger oder die Existenzform von fixem Kapital ist. Aber der Formunterschied von fixem und zirkulierendem Kapital selbst entspringt allein der Verschiedenheit der Zirkulation und daher des Umschlags dieser verschiedenen Bestandteile des produktiven Kapitals. Anders ausgedrückt sind zirkulierendes und fixes Kapital die Formbestimmungen, in denen die Bestandteile des produktiven Kapitals in der Zirkulation des Kapitalwerts erscheinen.
In dem Irrtum, Arbeitsmittel als solche als fixes, Arbeitsgegenstände und Arbeitskräfte schlechthin als zirkulierendes Kapital aufzufassen, drückt sich für Marx „der der bürgerlichen Ökonomie eigentümliche Fetischismus aus, der den gesellschaftlichen, ökonomischen Charakter, welchen Dinge im gesellschaftlichen Produktionsprozess aufgeprägt erhalten, in einen natürlichen, aus der stofflichen Natur dieser Dinge entspringenden Charakter verwandelt“ (MEW 24, 228). Dem entspricht der Versuch, aus bestimmten dinglichen Eigenschaften, die den Arbeitsmitteln tatsächlich oder vermeintlich8 zukommen (bspw. ihre Unbeweglichkeit oder Dauerhaftigkeit), deren Charakter als fixes Kapital abzuleiten.
Ein weiterer Grundirrtum, den Marx insbesondere Adam Smith vorhält, ist die Verwechslung zwischen den Funktionsformen produktives Kapital, Warenkapital, Geldkapital einerseits und fixem und zirkulierendem Kapital andererseits (wenn Smith Warenkapital und Geldkapital zum zirkulierenden Kapital zählt). Tatsächlich sind fixes und zirkulierendes Kapital Formbestimmungen, die aus der verschiedenen Art und Weise entspringen, worin die verschiedenen Bestandteile des produktiven Kapitals den Kreislauf der Formen produktives Kapital, Warenkapital, Geldkapital vollziehen.9 Einzig und allein das produktive Kapital kann sich in zirkulierendes und fixes spalten. Warenkapital und Geldkapital wiederum zirkulieren sowohl den Wert des zirkulierenden Bestandteils des produktiven Kapitals als auch (stückweise und allmählich) den Wert des fixen Bestandteils des produktiven Kapitals. Warenkapital und Geldkapital können als der Zirkulationssphäre angehörige Formen als „Zirkulationskapital“ dem produktiven Kapital gegenübergestellt werden – nicht aber als zirkulierendes Kapital dem fixen.
Vom Standpunkt des Arbeitsprozesses unterscheidet sich das produktive Kapital in Arbeitskraft, Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel. Vom Standpunkt des Verwertungsprozesses ergibt sich der das Geheimnis der kapitalistischen Produktion lüftende Unterschied zwischen dem konstanten Kapital, d.h. dem in Produktionsmitteln: Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen ausgelegten Kapitalteil, und dem variablen Kapital, d.h. dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteil. Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses – von dem aus die distinguierende Eigenschaft nur die besondere Zirkulations- und Umschlagsweise sein kann – unterscheidet sich das produktive Kapital in fixes und zirkulierendes Kapital.
Dabei fällt der in Arbeitskraft vorgeschossene Kapitalteil zusammen mit dem in Arbeitsgegenständen vorgeschossenen Kapitalteil – dem einen Teil des konstanten Kapitals! – unter die Kategorie „zirkulierendes Kapital“; beide stehen dann dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil – dem anderen Teil des konstanten Kapitals! – als dem fixen Kapital gegenüber. Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses aus betrachtet, verschwindet der wesentliche, das Rätsel der Kapitalverwertung lösende Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital also hinter dem sekundären10 Unterschied zwischen zirkulierendem und fixen Kapital. Marx spricht vom „Begräbnis“ (MEW 24, 215); die spezifische Differenz zwischen dem in Arbeitskraft und dem in Produktionsmitteln ausgelegten Kapitalteil wird durch das „Blendwerk der Zirkulation“ (MEW 24, 359) „ausgelöscht“ (MEW 24, 226), die kapitalistische Produktionsweise weiter mystifiziert.

Die Determinanten der Umschlagszeit des Kapitals

Fixes und zirkulierendes Kapital

Die fixen und zirkulierenden Bestandteile des produktiven Kapitals vollziehen ihren Umschlag auf verschiedene Weise und in verschiedenen Zeiträumen. Der Formunterschied von fixem und zirkulierendem produktiven Kapital modifiziert somit den Umschlag des Kapitals. Der Gesamtumschlag des vorgeschossenen produktiven Kapitals muss nun berechnet werden als der Durchschnittsumschlag seiner Bestandteile.
Beispielsweise teile sich ein Gesamtkapital = 200 000 Pfd.St. in einen fixen Bestandteil = 150 000 Pfd. St. und einen zirkulierenden = 50 000 Pfd.St. Die Reproduktionszeit des fixen Teils betrage 15 Jahre, so dass sich ein durchschnittlicher jährlicher Verschleiß von 10 000 Pfd.St. ergibt. Das zirkulierende Kapital schlage 4 mal pro Jahr um. Pro Jahr schlägt dann 200 000 Pfd.St zirkulierendes und 10 000 Pfd.St. fixes Kapital um, d.h. insgesamt 210 000 Pfd. St.
Es zeigt sich:
1. Der Umschlag des fixen Kapitals, der durch die wirkliche (durchschnittliche) Funktionsdauer seiner Bestandteile gegeben ist, umfasst immer eine Mehrzahl an Umschlägen des zirkulierenden Kapitalteils (im Beispiel schlägt das fixe Kapital einmal in 15 Jahren um, das zirkulierende 60 mal). Die Funktionsdauer des fixen Kapitals begründet einen Zyklus von Umschlägen des zirkulierenden Kapitals. Dieser mit dem fixen Kapital gesetzte Umschlagszyklus ist nach Marx eine „materielle Grundlage der periodischen Krisen“ (MEW 24, 185).
2. Der jährlich umgeschlagene Kapitalwert kann aufgrund des beschleunigten Umschlags des zirkulierenden Kapitals größer sein als das vorgeschossene Gesamtkapital (im Beispiel beträgt das Gesamtkapital 200 000 Pfd.St., das jährlich umgeschlagene Kapital 210 000 Pfd.St.).
3. Der Umschlag des Werts des gesamten vorgeschossenen Kapitals, d.h. der Wertumschlag des vorgeschossenen Kapitals, trennt sich von der wirklichen Reproduktionszeit des vorgeschossenen Kapitals, die von der (durchschnittlichen) Lebenszeit der Arbeitsmittel abhängt (im Beispiel beläuft sich der Wert des vorgeschossenen Gesamtkapitals auf 200 000 Pfd.St., in ca. 11,4 Monaten ist ein Wert in gleicher Höhe umgeschlagen; die wirkliche Reproduktionszeit: 15 Jahre).

Produktionszeit und Zirkulationszeit

Der durch den verschiedenartigen Umschlag der Bestandteile des produktiven Kapitals konstituierte Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital (Kapitel 8, 9, 10, 11) ist eine der Bestimmungsgrößen der Umschlagszeit des Kapitals. Da die Umschlagszeit des Kapitals die Summe aus Produktionszeit und Zirkulationszeit ist, wird sie unmittelbar durch Produktionszeit und Zirkulationszeit determiniert.
Die Produktionszeit als Bestimmungsgröße der Umschlagszeit untersucht Marx in den Kapiteln 12 („Die Arbeitsperiode“) und 13 („Die Produktionszeit“). In Kapitel 12 wird die Produktionszeit betrachtet, insofern sie durch die Arbeitsperiode bestimmt ist. Unter Arbeitsperiode ist die Dauer des Produktionsakts zu verstehen, d.h. die aufsummierten Arbeitsstunden (oder Arbeitstage), die zur Fertigstellung eines Produkts erforderlich sind. Die Arbeitsperiode kann sowohl innerhalb eines bestimmten Geschäftszweiges wie vor allem zwischen verschiedenen Geschäftszweigen von ganz unterschiedlicher Länge sein.
Der Unterschied in der Dauer der Arbeitsperiode zweier Einzelkapitale bedingt (unter sonst gleichen Umständen) erstens eine Differenz in der Zeitspanne, für die Kapital vorgeschossen werden muss oder, anders ausgedrückt, eine Differenz in der Zeit bis zum Rückfluss desselben vorgeschossenen Kapitalquantums. Denn je länger die Arbeitsperiode, je mehr Zeit also die Fertigstellung eines Produkts beansprucht, umso längert dauert es auch, das Produkt aus Warenform in Geldform umzusetzen. Zweitens bewirkt der Unterschied in der Dauer der Arbeitsperiode eine Differenz in der Masse des vorzuschießenden (nicht: angewandten) zirkulierenden11 Kapitals. Denn Produktionsprozesse mit sehr kurzer Dauer der Arbeitsperiode führen zu einem schnellen Umschlag des zirkulierenden Kapitals, so dass dasselbe Kapital erneut in Arbeitskraft und Materialien ausgelegt werden kann; Produktionsprozesse mit sehr langer Dauer der Arbeitsperiode hingegen führen zu einem langsamen Umschlag des zirkulierenden Kapitals, so dass für die Dauer der Arbeitsperiode beständig neues, zusätzliches zirkulierendes Kapital vorgeschossen werden muss.
Wurde in Kapitel 12 die Produktionszeit untersucht, insofern sie durch die Arbeitsperiode bestimmt ist, so in Kapitel 13, insofern sie durch den Überschuss der Produktionszeit über die Arbeitszeit bestimmt ist. Der Überschuss der Produktionszeit über die Arbeitszeit setzt sich zusammen aus 1. den Pausen, während deren der Produktionsprozeß unterbrochen ist (bspw. Nacht); 2. der Zeit, während der Produktionsmittel nur produktiven Vorrat (latentes produktives Kapital) bilden (bei 1. und 2. lässt sich der Überschuß der Produktionszeit über die Arbeitszeit zurückführen auf die Differenz zwischen der Aufenthaltszeit des Kapitals in der Produktionssphäre und derjenigen im Produktionsprozess); 3. der Zeit, während der der Arbeitsprozess unterbrochen ist, der Produktionsprozess aber fortdauert, d.h. der Arbeitsgegenstand Naturprozessen ausgesetzt ist. Die Länge dieser nicht aus Arbeitszeit bestehenden Produktionszeit kann je nach Geschäftszweig sehr unterschiedlich ausfallen und mit ihr die Umschlagszeit des Kapitals.
Die Zirkulationszeit als Bestimmungsgröße der Umschlagszeit betrachtet Marx in Kapitel 14. Die Zirkulationszeit lässt sich untergliedern in die Verkaufszeit und die Kaufzeit. Die Verkaufszeit ist diejenige Zeit, während der sich das Kapital in Form von Warenkapital befindet: Entweder im Zustand von potentiellem Warenkapital, das sich vom Produktionsort hin zum Absatzmarkt bewegt oder im Zustand von aktuellem Warenkapital, das auf dem Absatzmarkt zum Verkauf bereitsteht. Die Kaufzeit ist die Zeit, während der das Kapital als Geldkapital funktioniert, d.h. sich aus seiner Geldform in seine produktive Form rückverwandelt. Kaufzeit und Verkaufszeit werden durch verschiedene Umstände bestimmt, bspw. durch Marktkonjunkturen, räumliche Distanzen, Entwicklungshöhe und Masse der Kommunikations- und Transportmittel etc. Die aus Verkaufszeit und Kaufzeit zusammengesetzte Zirkulationszeit beeinflusst unmittelbar die Umschlagszeit des Kapitals.

Die Wirkung der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals

Bisher, in den Kapiteln 8-15, wurde allein der Umschlag des vorgeschossenen Kapitalwerts betrachtet, vom Mehrwert wurde abgesehen (167, 298). Die Kapitel 8-14 zeigten, dass verschiedenste Umstände die Umschlagszeiten unterschiedlicher Einzelkapitale differenzieren. Daher stellt sich nun die Frage nach der Wirkung der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals.
Um die Wirkung der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals rein aufzufassen, sind zwei Voraussetzungen nötig: Erstens wird sowohl vom fixen Kapital als auch vom konstanten zirkulierenden Kapital abstrahiert, d.h. betrachtet wird ausschließlich das variable zirkulierende Kapital. Zweitens ist die Kontinuität der Mehrwertproduktion vorausgesetzt, die – wie gezeigt – nur möglich ist durch Teilung des (zirkulierenden) Kapitals in einen ursprünglichen Kapitalteil und ein Ersatz- oder Zuschußkapital, das die durch die Zirkulationsperiode des ursprünglichen Kapitalteils gesetzte Lücke im Produktionsprozess ausfüllt. Diese Teilung des Kapitals in ursprüngliches und zuschüssiges ist unterstellt12 und deshalb können zur Beantwortung der Frage nach dem Einfluß der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals diese beiden Kapitalteile wieder zusammengefasst werden zum für eine Umschlagsperiode vorgeschossenen (zirkulierenden variablen) Gesamtkapital.

Die in der Bewegung des Kapitals selbst liegende (308; KI 165, 169) Vergleichung des ursprünglich vorgeschossenen Kapitals mit dem erzeugten Mehrwert, dergestalt, dass die in einem Jahr produzierte Masse Mehrwert auf die Wertsumme des überhaupt vorgeschossenen variablen Kapitals bezogen wird, nennt Marx die Jahresrate des Mehrwerts (298, 302, 307). Die Jahresrate des Mehrwerts ist also gleich der Masse des während des Jahres produzierten Mehrwerts geteilt durch das vorgeschossene variable Kapital.
Analysieren wir die Jahresrate des Mehrwerts näher: Der Zähler, die Masse des während des Jahres produzierten Mehrwerts, hängt ab vom Exploitationsgrad der Arbeit und von der Größe des angewandten variablen Kapitals (das zur Produktion der jährlichen Mehrwertmasse angewandte variable Kapital ist gleich dem während des Jahres umgeschlagenen variablen Kapital ist gleich dem mit der Anzahl seiner Umschläge pro Jahr multiplizierten vorgeschossenen variablen Kapital). Die Größe des Zählers wird allein im unmittelbaren Produktionsprozess bestimmt.
Die Größe des Nenners dagegen, d.h. die Größe des vorgeschossenen variablen Kapitals, ist abhängig von der Umschlagszeit. Je größer die Umschlagszeit, desto größer das vorgeschossene variable Kapital und umso kleiner die Jahresrate des Mehrwerts. Die Umschlagszeit beeinflusst also die Jahresrate des Mehrwerts. Zwei Kapitalien mit gleichgroßem angewandtem variablem Kapital, Exploitationsgrad und Arbeitstag, die daher jährlich dieselbe Mehrwertmasse produzieren, deren Umschlagszeiten aber unterschiedlich groß sind, unterscheiden sich demzufolge – weil in der Größe des vorgeschossenen variablen Kapitals – auch in der Jahresrate des Mehrwerts.
Entscheidend wichtig ist nun der Unterschied zwischen dieser Jahresrate des Mehrwerts und der auf das Jahr berechneten wirklichen Rate des Mehrwerts. Die auf das Jahr berechnete wirkliche Rate des Mehrwerts (im Unterschied zur Jahresrate des Mehrwerts) ergibt sich, wenn mann die jährlich produzierte Mehrwertmasse nicht auf das von der Umschlagszeit abhängige vorgeschossene variable Kapital bezieht, sondern auf das jährlich angewandte bzw. umgeschlagene (305) variable Kapital, das diesen Mehrwert auch tatsächlich produziert hat. Stellen wir uns wieder die zwei Kapitalien mit gleichgroßem angewandtem variablen Kapital, gleichgroßem Exploitationsgrad und Arbeitstag vor: Weil diese Kapitalien jährlich dieselbe Mehrwertmasse produzieren, ist auch ihre auf das Jahr berechnete wirkliche Rate des Mehrwerts identisch.
Sieht man von dem Spezialfall einer Umschlagsperiode von einem Jahr ab, dann weicht die Jahresrate des Mehrwerts systematisch (M´=m´n) von der auf das Jahr berechneten wirklichen Rate des Mehrwerts ab. Mit der Jahresrate des Mehrwerts in ihrer Unmittelbarkeit ist daher ein Schein verbunden, nämlich der „Schein einer Abweichung“ (303) von den in Buch I entwickelten Gesetzen der Mehrwertproduktion: „Dies Phänomen [unterschiedlicher Jahresraten des Mehrwerts von Kapitalen mit unterschiedlicher Umschlagszeit unter sonst gleichen Bedingungen] sieht allerdings danach aus, als hinge die Rate des Mehrwerts nicht nur ab von der Masse und dem Exploitationsgrad der vom variablen Kapital in Bewegung gesetzten Arbeitskraft, sondern außerdem von, aus dem Zirkulationsprozeß entspringenden, unerklärlichen Einflüssen; und in der Tat ist dies Phänomen so gedeutet worden und hat, wenn auch nicht in dieser seiner reinen, sondern in seiner komplizierteren und versteckteren Form (der der jährlichen Profitrate) eine völlige Deroute in der Ricardoschen Schule seit Anfang der 20er Jahre hervorgerufen“ (MEW 24, 300).
Der mit der Jahresrate des Mehrwerts in ihrer Unvermitteltheit gesetzte Schein ist überdies notwendig: die in der Jahresrate des Mehrwerts ausgedrückte „Vergleichung zwischen dem während des Jahrs produzierten Mehrwert und dem überhaupt vorgeschoßnen variablen Kapital (im Unterschied zu dem während des Jahrs umgeschlagnen variablen) ist (…) keine bloß subjektive, sondern die wirkliche Bewegung des Kapitals bringt selbst diese Gegeneinanderstellung hervor“ (MEW 24, 308).

Die Mystifikation des Verwertungsprozesses

Die Metamorphosen, die das Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre vollzieht, sind rein formell: Wert und Mehrwert werden in der Zirkulationssphäre nicht produziert, sondern lediglich umgesetzt aus Warenform in Geldform und aus Geldform in Warenform. Der Zirkulationsprozess des Kapitals erzeugt allerdings neue Formbestimmungen (die Funktionsformen produktives Kapital, Warenkapital, Geldkapital und die Formen zirkulierendes und fixes Kapital) und neue Grenzen der Wert und Mehrwertproduktion (Zirkulationszeit und Zirkulationskosten) – und mit ihnen Erscheinungen, die in ihrer Unmittelbarkeit den Verwertungsprozess des Kapitals völlig mystifizieren.
Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses verschwindet der das Geheimnis der Mehrwertproduktion lüftende Unterschied von konstantem und variablem Kapital hinter dem von zirkulierendem und fixem Kapital, indem der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil zusammen mit dem in Produktionsstoffen ausgelegten konstanten Kapitalteil als zirkulierendes Kapital erscheint, das sich von dem in Arbeitsmitteln vorgeschossenen fixen Kapital unterscheidet.
Die die Verwertung des Werts aufklärende Unterscheidung von konstantem und variablem Kapital ist vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses nicht nur ausgelöscht – darüber hinaus zeigt der Zirkulationsprozess Phänomene, die zusammengenommen den Schein erzeugen, als würden in und durch die Zirkulation Werte geschaffen, und daher den Schein, als ob das Kapital eine der Zirkulationssphäre entspringende „von der Exploitation der Arbeit unabhängige mystische Quelle der Selbstverwertung“ (MEW 24, 128) besitze.
So erscheinen Zirkulationszeit und Zirkulationskosten unmittelbar als eigenständige, die Kapitalverwertung beeinflussende Variablen – dass sie dies nur sind in ihrer Eigenschaft als Grenzen der Mehrwertproduktion, ist nicht direkt einsehbar. Ebenso zeigt der empirische Zirkulationsprozess13 das Phänomen des Veräußerungsprofits, d.i. der Verkauf der Ware über ihrem Wert aufgrund von Schwankungen des Marktpreises, Betrug, Geschick etc. Und schließlich verschwindet vom Standpunkt der Zirkulation des Kapitals die wirkliche Rate des Mehrwerts hinter der von Marx so genannten Jahresrate des Mehrwerts, die abhängt von der Größe nicht des angewandten, sondern vorgeschossenen variablen Kapitals, und damit letztlich von der Umschlagszeit.14

  1. Vgl. MEGA II/11, 28: „Daß Geldkapital, Produktives Kapital, Waarenkapital keine besondren Kapitalarten, sondern nur die unterschiednen functionell bestimmten Formen oder wechselnden Zustände desselben prozessierenden Kapitalwerths sind, die er in bestimmten Stadien seines Kreislaufs annimmt und abstreift, um zu seiner ursprünglichen Form zurückzukehren, und dann denselben Kreislauf von Formen von neuem zu beschreiben, ist eine sehr elementarische Einsicht. Die Politische Oekonomie ist jedoch nie zur Klarheit darüber gelangt, wie der Leser näher im 4. Buch, das die Geschichte der Theorie behandelt, sehn wird. Der Grund ist sehr einfach. Sie nimmt die Erscheinungsformen der ökonomischen Verhältnisse in der festen, fertigen Gestalt, worin sie sich auf der Oberfläche bieten, ohne den verborgnen Entwicklungsprozeß dieser Formen zu erforschen. In der Erscheinung, und dieß verwirrt den durch den Schein beherrschten Beobachter, verknöchern und verselbständigen sich Formen und Funktionen, die der Kapitalwerth in einem besondren Stadium seines Kreislaufs annimmt, die also blosse Momente seiner Bewegung bilden. Sie erscheinen daher als Funktionen einer besondren Kapitalart oder als ausschließliche Function einer besondren Sorte von Kapitalisten. Näher wird sich dies im III Buch zeigen.“ [zurück]
  2. Vgl. MEGA II/11, 38f.: „Da in der kapitalistischen Produktionsweise nicht der Gebrauchswert, sondern die Bereicherung als solche das treibende Motiv ist, also nicht nur Bildung von Mehrwerth, sondern Bildung des Mehrwerths auf stets erweiterter Stufenleiter, so ist nicht die Formel der einfachen Reproduktion, sondern die Formel der Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter oder des Produktionsprozesses, der zugleich Accumulationsprocess ist, die normale Form der kapitalistischen Produktion, d.h. die Form P-W´-G´-W´-P´. Also die Formel der Produktion um der Produktion willen, der Funktion des Produktiven Kapitals Produktives Kapital von höherer Verwertungsfähigkeit zu erzeugen. Diese Formel, welche die Despotie des Produktionsprozesses über den Menschen ausdrückt, beherrscht die klassische Ökonomie in ihren besten Repräsentanten, namentlich Ricardo. Sie ist historisch berechtigt, weil es die historische Aufgabe der kapitalistischen Periode, rücksichtslos gegen Menschen und Dinge, die materiellen Faktoren und die gesellschaftliche Combination des Productionsprozesses treibhausmäßig bis zu dem Punkt zu reifen, wo der Produktionsprozess unter die planmäßige gesellschaftliche Controlle des Menschen gebracht und von ihm beherrscht werden kann. Die klassische Politische Oekonomie jedoch verschwindelt eine vorübergehende historische Form des Produktionsprozesses in seine ewige Naturform“ (MEGA II/11, 38f.). [zurück]
  3. Die der Form Geldkapital entsprechende Funktion ist die Verwandlung in die Faktoren kapitalistischer Warenproduktion, also in die Form produktives Kapital. Die der Form produktives Kapital entsprechende Funktion ist der kapitalistische Produktionsprozess, die Verwandlung in stofflich und wertlich veränderte Ware, also in die Form Warenkapital. Die der Form Warenkapital entsprechende Funktion ist die Realisierung von Kapitalwert und Mehrwert, die Verwandlung des verwerteten Werts aus Warenform in Geldform, also in die Form Geldkapital. [zurück]
  4. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die gesamte Produktionszeit von Verwertung des produktiven Kapitals erfüllt ist. Denn Verwertung des vorgeschossenen Kapitalwerts geschieht nur während der Arbeitszeit, die eine echte Teilmenge der Produktionszeit ist, d.h. ein Teil der Produktionszeit ist keine Arbeitszeit. Dieser Überschuss der Produktionszeit über die Arbeitszeit setzt sich zusammen aus 1. der Zeit, während deren Produktionsmittel nur latentes produktives Kapital bilden (also schon gekauft sind, aber auf Vorrat, als Bedingung für den kontinuierlichen Fluß des Produktionsprozesses), 2. der Zeit, während deren der Produktionsprozeß unterbrochen ist, 3. der Zeit, während deren der Produktionsprozeß zwar fortdauert, aber der Arbeitsprozeß unterbrochen ist. In Bezug auf die Produktionszeit äußert sich die immanente Tendenz des Kapitals zur Verwandlung aller Zeit in Arbeitszeit (vgl. MEW 23, 430) im Bestreben, den Überschuss der Produktionszeit über die Arbeitszeit möglichst zu minimieren, d.h. alle Produktionszeit in Arbeitszeit zu verwandeln. [zurück]
  5. MEW 23, 220: „Nur soweit Produktionsmittel während des Arbeitsprozesses Wert in der Gestalt ihrer alten Gebrauchswerte verlieren, übertragen sie Wert auf die neue Gestalt des Produkts.“ [zurück]
  6. MEW 24, 198: „Das Kapital ist also nicht fix, weil es in den Arbeitsmittel fixiert ist, sondern weil ein Teil seines in Arbeitsmitteln ausgelegten Werts in denselben fixiert bleibt, während ein andrer Teil als Wertbestandteil des Produkts zirkuliert.“ [zurück]
  7. MEW 24, 213: [Arbeitsgegenstände und Arbeitskräfte] „sind flüssig, nicht weil sie leiblich mit dem Produkt den Produktionsprozess verlassen und als Ware zirkulieren, sondern weil ihr Wert ganz in den Wert der Ware eingeht, den sie produzieren helfen, also auch ganz aus dem Verkauf der Ware ersetzt werden muß.“ [zurück]
  8. Schon die dem einfachen Arbeitsprozeß zugehörigen Bestimmungen von Arbeitsmittel, Arbeitsgegenstand und Produkt lassen sich nicht aus der stofflichen Natur bestimmter Dinge ableiten. Ein- und dasselbe Ding kann entweder Arbeitsmittel oder Arbeitsmaterial oder Produkt sein – je nachdem, welche Rolle es im Arbeitsprozess einnimmt. [zurück]
  9. Es sind Formunterschiede, die „innerhalb der Zirkulation des Kapitalwerts, in seinem Kreislauf durch seine sukzessiven Formen, entspringen während der Kapitalwert sich in der Form des produktiven Kapitals befindet“ (MEW 24, 192). [zurück]
  10. Der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital ist deshalb sekundär, weil es sich bei diesem Unterschied alleine um das Wie, die besondere Art und Weise der Übertragung, der Zirkulation und des Ersatzes gegebener, vorgeschossener Werte handelt (vollständige Übertragung, Zirkulation und Ersatz versus stückweise, allmähliche Übertragung, Zirkulation und Ersatz). Der fundamentale Unterschied zwischen Zusetzen von Neuwert und bloßer Wertübertragung kommt hier nicht vor. [zurück]
  11. Der mit zunehmender Dauer der Arbeitsperiode gegebene verzögerte Rückfluss des vorgeschossenen Kapitals in Geldform wirkt nämlich unterschiedlich auf zirkulierendes und fixes Kapital: Beim fixen Kapital verursacht der verzögerte Rückfluß der auf das Produkt übertragenen Wertteile keine zusätzliche Auslage an fixem Kapital, weil das Arbeitsmittel nur verschleißt und in natura im Produktionsprozeß fortwährend fungiert. Der mit zunehmender Dauer der Arbeitsperiode gegebene verzögerte Rückfluß des zirkulierenden Kapitalteils erfordert, um es in natura zu erneuern, neues Zuschußkapital. [zurück]
  12. Die Teilung des Kapitals als Lösung des Widerspruchs zwischen Kontinuität der Mehrwertproduktion und Notwendigkeit der Zirkulationsmetamorphosen wird von Marx im vierten Kapitel „Die drei Figuren des Kreislaufsprozesses“ und erneut im fünfzehnten Kapitel thematisiert, das den irreführenden Titel „Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses“ trägt. Im fünfzehnten Kapitel geht die Untersuchung über die bloße Feststellung der Tatsache, dass die Kontinuität der Mehrwertproduktion eine Teilung des Kapitals erheischt, hinaus: Marxens Interesse gilt hier dem näheren quantitativen Verhältnis der Kapitalteile. Er betrachtet die Umschläge des zirkulierenden Kapitals bei gegebener Umschlagsperiode und gegebenem vorzuschießendem Kapital pro Umschlagsperiode, aber je verschiedenem Verhältnis von Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode (hierbei sind drei Fälle möglich: 1) Arbeitsperiode gleich Zirkulationsperiode, 2) Arbeitsperiode größer Zirkulationsperiode, 3) Arbeitsperiode kleiner Zirkulationsperiode). Je nach dem genaueren Verhältnis von Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode findet entweder eine selbständige Bewegung der beiden Kapitalteile (Originalkapital und Zuschußkapital) statt oder eine Verkreuzung der Bewegung der beiden Kapitalteile und in eins damit eine regelmäßige Freisetzung von Geldkapital. Das Ergebnis der Untersuchung lautet, dass im Regelfall durch den bloßen Mechanismus der Umschlagsbewegung beständig Geldkapital freigesetzt wird. Zusammen mit dem Kauf- und Zahlungsfonds (vgl. MEW 24, 81f.), dem Geldakkumulationsfonds (vgl. MEW 24, 82f., 87ff.) und dem Amortisationsfonds beim fixen Kapital (vgl. MEW 24, 172, 181f.) bildet die Freisetzung von Geldkapital durch den Umschlagsmechanismus eine bedeutende Grundlage des Kreditsystems. [zurück]
  13. Marx unterscheidet systematisch zwischen dem Zirkulationsprozeß, wie er in Band II des Kapitals analysiert wird, und dem wirklichen Zirkulationsprozeß auf dem „wirklichen Markt“ (MEW 25, 53): „Im tatsächlichen Zirkulationsprozeß gehen nicht nur die Verwandlungen vor, die wir in Buch II betrachtet, sondern sie fallen zusammen mit der wirklichen Konkurrenz, mit Kauf und Verkauf der Waren über oder unter ihrem Wert“ (MEW 25, 53). Für den in Band II analysierten Zirkulationsprozeß im Unterschied zum wirklichen Zirkulationsprozeß gilt dagegen die von Marx gemachte Voraussetzung, dass sich die Waren zu ihren Werten tauschen und dass dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht (vgl. MEW 24, 32, 77f., 110, 392). [zurück]
  14. Vgl. MEW 25, 54: „Es ist der unmittelbare Produktionsprozeß selbst nur ein verschwindendes Moment, das beständig in den Zirkulationsprozeß, wie dieser in jenen übergeht, so daß die im Produktionsprozeß klarer oder dunkler aufgedämmerte Ahnung von der Quelle des in ihm gemachten Gewinns, d.h. von der Natur des Mehrwerts, höchstens als ein gleichberechtigtes Moment erscheint neben der Vorstellung, der realisierte Überschuß stamme aus der vom Produktionsprozeß unabhängigen, aus der Zirkulation selbst entspringenden, also dem Kapital unabhängig von seinem Verhältnis zur Arbeit angehörigen Bewegung. Werden diese Phänomene der Zirkulation doch selbst von modernen Ökonomen, wie Ramsey, Malthus, Senior, Torrens usw., direkt als Beweise angeführt, daß das Kapital in seiner bloß dinglichen Existenz, unabhängig von dem gesellschaftlichen Verhältnis zur Arbeit, worin es eben Kapital ist, ein selbständiger Quell des Mehrwerts neben der Arbeit und unabhängig von der Arbeit sei.“ [zurück]

Was heißt Kritik der politischen Ökonomie?

„Die Arbeit, um die es sich zunächst handelt, ist Kritik der ökonomischen Kategorien oder, if you like, das System der bürgerlichen Ökonomie kritisch dargestellt. Es ist zugleich Darstellung des Systems und durch die Darstellung Kritik desselben“ (Brief an Lassalle vom 22. Februar 1858).

„Marx hat die Differenz von Wesen und Erscheinung zum Inbegriff der Kritik gemacht“ (Hans-Jürgen Krahl: Bemerkungen zum Verhältnis von Kapital und Hegelscher Wesenslogik).

Ein grundlegendes Verständnis dessen, was „Kritik der politischen Ökonomie“ (so der Untertitel des Marxschen Kapitals) bedeutet, d.h. ein Verständnis der spezifischen Differenz zwischen der Kritik der politischen Ökonomie und der politischen Ökonomie als dem Gegenstand der Kritik, ergibt sich aus dem Marxschen Verständnis des Kritisierten selbst: der politischen Ökonomie. Die politische Ökonomie unterscheidet Marx nämlich systematisch in die klassische politische Ökonomie einerseits, die Vulgärökonomie andererseits. Diese Unterscheidung der Wissenschaft der politischen Ökonomie in die klassische politische Ökonomie und die Vulgärökonomie wiederum – eine Unterscheidung auf Seiten des Erkenntnissubjekts – gründet Marx auf die Unterscheidung von Wesen und Erscheinung – eine Unterscheidung auf Seiten des Erkenntnisobjekts.
So bestimmt Marx die Vulgärökonomie als die bloße Widerspiegelung der oberflächlichen Erscheinung des Gegenstands, beispielsweise in einem Brief an Engels vom 27. Juni 1867. Im Hirn des Vulgärökonomen, heißt es da, „reflektiert sich immer nur die unmittelbare Erscheinungsform der Verhältnisse, nicht deren innerer Zusammenhang.“ Marx fragt charakteristisch weiter: „Wäre letzteres übrigens der Fall, wozu wäre dann überhaupt eine Wissenschaft nötig?“ In diesem Sinne ist gerade die Differenz von Wesen/innerem Zusammenhang/wirklicher Bewegung und Erscheinung/scheinbarem Zusammenhang/erscheinender Bewegung konstitutiv für die eigentliche Wissenschaft: „alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen“ (MEW 25, 825). Die Aufgabe der Wissenschaft bestehe gerade darin, „die sichtbare, bloß erscheinende Bewegung auf die innere wirkliche Bewegung zu reduzieren“ (MEW 25, 324).
Die Differenz von Wesen und Erscheinung ist daher Bedingung der Möglichkeit der klassischen politischen Ökonomie: Im Unterschied zur Vulgärökonomie als der bloßen Übersetzung und Systematisierung der Erscheinung, charakterisiert es die klassische politische Ökonomie, dass sie durch Analyse die Erscheinung auf das Wesen, das in ihr sich darstellt, reduziert. „Die klassische Ökonomie“, so Marx konkreter resümierend, „sucht die verschiednen fixen und einander fremden Formen des Reichtums durch Analyse auf ihre innre Einheit zurückzuführen und ihnen die Gestalt, worin sie gleichgültig gegeneinander nebeneinander stehn, abzuschälen; [sie] will den innren Zusammenhang im Unterschied von der Mannigfaltigkeit der Erscheinungsformen begreifen. Sie reduziert daher Rente auf Surplusprofit, womit sie aufhört als besondre, selbständige Form und von ihrem scheinbaren Quell, dem Boden, getrennt wird. Sie streift dem Zins ditto seine selbständige Form ab und zeigt ihn als Teil des Profits nach. So hat sie alle Formen der Revenue und alle selbständigen Gestalten, Titel, unter denen am Wert der Ware vom Nichtarbeiter partizipiert wird, auf die eine Form des Profits reduziert. Dieser aber löst sich in Mehrwert auf, da der Wert der ganzen Ware in Arbeit sich auflöst; das bezahlte Quantum der in ihr enthaltnen Arbeit in Arbeitslohn, also der Überschuss darüber in unbezahlte Arbeit, gratis unter verschiednen Titeln angeeignete, aber vom Kapital hervorgerufene Surplusarbeit“ (MEW 26.3, 490f.).
Wenn die politische Ökonomie als Gegenstand der Marxschen Kritik sich in die Vulgärökonomie und die klassische politische Ökonomie unterscheiden lässt, wobei die Vulgärökonomie bestimmt ist als systematisierte Wiedergabe der Erscheinungsformen der ökonomischen Verhältnisse und die klassische politische Ökonomie bestimmt ist als durch Analyse vollzogene Reduktion der Erscheinung auf ihr Wesen – was heißt dann Kritik der politischen Ökonomie ?
Um den Status der Kritik der politischen Ökonomie zu klären, ist die im Nachwort zur zweiten Auflage des ersten Kapital-Bandes im Hinblick auf die dialektische Methode getroffene Unterscheidung von Forschungsweise und Darstellungsweise bedeutsam: „Allerdings muß sich die Darstellungsweise formell von der Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich im Detail anzueignen, seine verschiednen Entwicklungsformen zu analysieren und deren innres Band aufzuspüren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden. Gelingt dies und spiegelt sich nun das Leben des Stoffs ideell wider, so mag es aussehn, als habe man es mit einer Konstruktion a priori zu tun“ (MEW 23, 27).
In seinem Forschungsprozess knüpft Marx als kritischer Schüler der klassischen politischen Ökonomie an die von ihr vollzogene analytische Reduktion der Erscheinungsformen auf ihr Wesen an und vollendet sie. Denn zwar wurde diese analytische Reduktion von der Klassik im Allgemeinen geleistet, aber auf unvollkommene Weise: „Die klassische Ökonomie widerspricht sich gelegentlich in dieser Analyse; sie versucht oft unmittelbar, ohne die Mittelglieder, die Reduktion zu unternehmen und die Identität der Quelle der verschiednen Formen nachzuweisen. Dies geht aber aus ihrer analytischen Methode, womit die Kritik und das Begreifen anfangen muß, notwendig hervor. Sie hat nicht das Interesse, die verschiednen Formen genetisch zu entwickeln, sondern sie durch Analyse auf ihre Einheit zurückzuführen, weil sie von ihnen als gegebnen Voraussetzungen ausgeht. Die Analyse aber die notwendige Voraussetzung der genetischen Darstellung, des Begreifens des wirklichen Gesamtprozesses in seinen verschiednen Phasen“ (MEW 26.3, 491).
Als kritischer Schüler der klassischen politischen Ökonomie vollendet Marx im Zuge seines Forschungsprozesses die unvollkommen gebliebene analytische Reduktion, indem er die Widersprüche, in die sich die Klassiker dabei verwickeln, auflöst. Grund der mangelhaften Analyse der Klassiker ist, dass sie kategorial fünf Unterscheidungen unterlässt:
1. die Unterscheidung von Tauschwert und Wert (vgl. bspw. MEW 23, 50-53, 62-85 sowie 95 FN 32; besonders wichtig hierzu auch die Marxsche Auseinandersetzung mit der Kritik von Samuel Bailey an Ricardos Werttheorie in MEW 26.3, 122-145; ebd., 122: „Das, was Ricardo in dieser Hinsicht vorzuwerfen ist, ist bloß, daß er nicht die verschiednen Momente in der Entwicklung des Wertbegriffs streng sondert; der Tauschwert der Ware, wie er sich darstellt, erscheint im Austauschprozeß der Waren, von dem Dasein der Ware als Wert“).
2. die Unterscheidung von konkreter und abstrakter Arbeit (vgl. bspw. MEW 23, 94 FN 31; Brief an Engels vom 8. Januar 1868: das „grundneue Element des Buches, „daß den Ökonomen ohne Ausnahme das Einfache entging, daß, wenn die Ware das Doppelte von Gebrauchswert und Tauschwert, auch die in der Ware dargestellte Arbeit Doppelcharakter besitzen muß, während die bloße Analyse auf Arbeit sans phrase wie bei Smith, Ricardo etc. überall auf Unerklärliches stoßen muß. Es ist dies in der Tat das ganze Geheimnis der kritischen Auffassung“; Brief an Engels vom 24. August 1867: „Das Beste an meinem Buch ist 1. (darauf beruht alles Verständnis der facts) der gleich im ersten Kapitel hervorgehobene Doppelcharakter der Arbeit“; MEW 23, 56: „Dies zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. [Es ist] der Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht“).
3. die Unterscheidung von Wert der Arbeitskraft und lebendiger Arbeit als Gebrauchswert der Arbeitskraft (vgl. bspw. MEW 23, 181-191; ebd., 557-564; MEW 26.1, 57-60; MEW 26.2, 397-419; Brief an Engels vom 8. Januar 1868).
4. die Unterscheidung von konstantem und variablem Kapital (vgl. bspw. MEW 23, 214-225; MEW 24, 158-169, 189-230).
5. die Unterscheidung der wesentlichen Kategorie des Mehrwerts von seinen besonderen Erscheinungsformen als Profit und weiter Grundrente, Unternehmergewinn und Zins (vgl. bspw. MEW 23, 230 FN 28; MEW 25, 33-79 sowie die Abschnitte 5, 6 und 7; Brief an Engels vom 8. Januar 1868: „Sonderbar ist’s, daß der Kerl die drei grundneuen Elemente des Buchs nicht herausfühlt, 1. daß im Gegensatz zu aller früheren Ökonomie, die von vornherein die besondren Fragmente des Mehrwerts mit ihren fixen Formen von Rente, Profit, Zins als gegeben behandelt, von mir zunächst die allgemeine Form des Mehrwerts, worin all das noch ungeschieden, sozusagen in Lösung befindet, behandelt wird“; Brief an Engels vom 24. August 1867: „Das Beste an meinem Buch ist 2. die Behandlung des Mehrwerts unabhängig von seinen besonderen Formen als Profit, Zins, Grundrente etc. […] Die Behandlung der besondren Formen in der klassischen Ökonomie, die sie beständig mit der allgemeinen Form zusammenwirft, ist eine Olla Potrida“; MEW 26.1, 6, 53, 60, 63f.; MEW 26.2, 375ff., 428ff.).
Indem Marx diese fünf wesentlichen kategorialen Unterscheidungen trifft, vollendet Marx in seinem Forschungsprozess als kritischer Schüler der klassischen politischen Ökonomie die von ihr begonnene analytische Reduktion der Erscheinungsformen auf ihr Wesen, ohne sich dabei in Widersprüche zu verstricken. Insbesondere kann er so das Rätsel der Kapitalbildung auf Basis des Äquivalententausches lösen. Mit der Feststellung, dass Marx die analytische Reduktion der Erscheinung auf ihr Wesen in seinem Forschungsprozess vollendet hat, ist aber noch nicht die Kritik der politischen Ökonomie in ihrer Spezifik, d.h. als Kritik, erkannt. Die im Forschungsprozess vollzogene Analyse ist vielmehr nur Voraussetzung der genetischen Formentwicklung oder genetischen Darstellung (siehe Zitat oben), wie sie mit den drei Bänden des Kapitals vorliegt. Die Kritik der politischen Ökonomie im Unterschied zur politischen Ökonomie zeigt – in umgekehrter Richtung zur analytischen Reduktion der Erscheinung auf ihr Wesen im Forschungsprozess – im Ausgang vom Wesen (Wert- und Mehrwertproduktion) durch genetische oder dialektische Darstellung, warum das Wesen so erscheinen muss, wie es erscheint. In diesem Sinne hält Marx der klassischen politischen Ökonomie schon in der Werttheorie vor: „Die politische Ökonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen, Wert und Wertgröße analysiert und den in diesen Formen versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wertgröße des Arbeitsprodukts darstellt? Formeln, denen es auf der Stirn geschrieben steht, daß sie einer Gesellschaftsformation angehören, worin der Produktionsprozeß die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozeß bemeistert, gelten ihrem bürgerlichen Bewußtsein für ebenso selbstverständliche Naturnotwendigkeit als die produktive Arbeit selbst“ (MEW 23, 95f.). Die Kritik der politischen Ökonomie zeigt in ihrem Gang vom Wesen zur Erscheinung zudem, dass die Erscheinungsformen der ökonomischen Verhältnisse ihren inneren Zusammenhang unsichtbar machen, auslöschen und verkehren (vgl. MEW 23, 559: „daß in der Erscheinung die Dinge sich oft verkehrt darstellen“; ebd.: 89f.). So endet die „Kritik durch Darstellung“ im dritten Band des Kapitals im 7. Abschnitt „Die Revenuen und ihre Quellen“ mit der „trinitarischen Formel“ bei „den Erscheinungsformen, die dem Vulgär als Ausgangspunkt dienen“ (Brief an Engels vom 30. April 1868; meine Hervorhebung). Die Vulgärökonomie als die theoretische Reflexion der nicht mit dem inneren Zusammenhang vermittelten, d.h. „unmittelbaren Erscheinungsform der ökonomischen Verhältnisse“ (Brief an Engels vom 27. Juni 1867), die in ihrer Unmittelbarkeit Schein ist, ist damit bestimmt als Ideologie im strengen Sinn: Als der „bewusste Ausdruck der scheinbaren Bewegung“ (MEW 25, 324) ist die Vulgärökonomie „objektiv notwendiges und zugleich falsches Bewusstsein“ (Adorno, Theodor W.: Soziologische Schriften I, 465). Die Kritik der politischen Ökonomie ist daher zudem „Kritik des erscheinenden Wissens“ oder „Theorie der Erscheinung“ (Brentel, Helmut: Soziale Form und ökonomisches Objekt: Studien zum Gegenstands- und Methodenverständnis der Kritik der politischen Ökonomie, 281).

Sein Projekt einer Kritik der politischen Ökonomie fasst Marx am Ende des dritten Bandes wie folgt zusammen:

„Wir haben bereits bei den einfachsten Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise, und selbst der Warenproduktion, bei der Ware und dem Geld den mystifizierenden Charakter nachgewiesen, der die gesellschaftlichen Verhältnisse, denen die stofflichen Elemente des Reichtums bei der Produktion als Träger dienen, in Eigenschaften dieser Dinge selbst verwandelt (Ware) und noch ausgesprochener das Produktionsverhältnis selbst in ein Ding (Geld). Alle Gesellschaftsformen, soweit sie es zur Warenproduktion und Geldzirkulation bringen, nehmen an dieser Verkehrung teil. Aber in der kapitalistischen Produktionsweise und beim Kapital, welches ihre herrschende Kategorie, ihr bestimmendes Produktionsverhältnis bildet, entwickelt sich diese verzauberte und verkehrte Welt noch viel weiter. Betrachtet man das Kapital zunächst im unmittelbaren Produktionsprozeß – als Auspumper von Mehrarbeit, so ist dies Verhältnis noch sehr einfach, und der wirkliche Zusammenhang drängt sich den Trägern dieses Prozesses, den Kapitalisten selbst auf und ist noch in ihrem Bewußtsein. Der heftige Kampf um die Grenzen des Arbeitstags beweist dies schlagend. Aber selbst innerhalb dieser nicht vermittelten Sphäre, der Sphäre des unmittelbaren Prozesses zwischen Arbeit und Kapital, bleibt es nicht bei dieser Einfachheit. Mit der Entwicklung des relativen Mehrwerts in der eigentlichen spezifisch kapitalistischen Produktionsweise, womit sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit entwickeln, erscheinen diese Produktivkräfte und die gesellschaftlichen Zusammenhänge der Arbeit im unmittelbaren Arbeitsprozeß als aus der Arbeit in das Kapital verlegt. Damit wird das Kapital schon ein sehr mystisches Wesen, indem alle gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit als ihm, und nicht der Arbeit als solcher, zukommende und aus seinem eignen Schoß hervorsprossende Kräfte erscheinen. Dann kommt der Zirkulationsprozeß dazwischen, dessen Stoff- und Formwechsel alle Teile des Kapitals, selbst des agrikolen Kapitals, in demselben Grad anheimfallen, wie sich die spezifisch kapitalistische Produktionsweise entwickelt. Es ist dies eine Sphäre, worin die Verhältnisse der ursprünglichen Wertproduktion völlig in den Hintergrund treten. Schon im unmittelbaren Produktionsprozeß ist der Kapitalist zugleich als Warenproduzent, als Leiter der Warenproduktion tätig. Dieser Produktionsprozeß stellt sich ihm daher keineswegs einfach als Produktionsprozeß von Mehrwert dar. Welches aber immer der Mehrwert sei, den das Kapital im unmittelbaren Produktionsprozeß ausgepumpt und in Waren dargestellt hat, der in den Waren enthaltne Wert und Mehrwert muß erst im Zirkulationsprozeß realisiert werden. Und sowohl die Rückerstattung der in der Produktion vorgeschoßnen Werte, wie namentlich der in den Waren enthaltne Mehrwert, scheint nicht in der Zirkulation sich bloß zu realisieren, sondern aus ihr zu entspringen; ein Schein, den namentlich zwei Umstände befestigen: erstens der Profit bei Veräußerung, der von Prellerei, List, Sachkenntnis, Geschick und tausend Marktkonjunkturen abhängt; dann aber der Umstand, daß hier neben der Arbeitszeit ein zweites bestimmendes Element hinzutritt, die Zirkulationszeit. Diese fungiert zwar nur als negative Schranke der Wert- und Mehrwertbildung, hat aber den Schein, als sei sie ein ebenso positiver Grund wie die Arbeit selbst und als bringe sie eine, aus der Natur des Kapitals hervorgehende, von der Arbeit unabhängige Bestimmung herein. Wir hatten in Buch II diese Zirkulationssphäre natürlich nur darzustellen in bezug auf die Formbestimmungen, die sie erzeugt, die Fortentwicklung der Gestalt des Kapitals nachzuweisen, die in ihr vorgeht. In der Wirklichkeit aber ist diese Sphäre die Sphäre der Konkurrenz, die, jeden einzelnen Fall betrachtet, vom Zufall beherrscht ist; wo also das innere Gesetz, das in diesen Zufällen sich durchsetzt und sie reguliert, nur sichtbar wird, sobald diese Zufälle in großen Massen zusammengefaßt werden, wo es also den einzelnen Agenten der Produktion selbst unsichtbar und unverständlich bleibt. Weiter aber: der wirkliche Produktionsprozeß, als Einheit des unmittelbaren Produktionsprozesses und des Zirkulationsprozesses, erzeugt neue Gestaltungen, worin mehr und mehr die Ader des innern Zusammenhangs verlorengeht, die Produktionsverhältnisse sich gegeneinander verselbständigen und die Wertbestandteile sich gegeneinander in selbständigen Formen verknöchern.
Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit ist, wie wir sahen, ebensosehr durch den Zirkulationsprozeß wie durch den Produktionsprozeß bestimmt. Der Mehrwert, in der Form des Profits, wird nicht mehr auf den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil, aus dem er entspringt, sondern auf das Gesamtkapital bezogen. Die Profitrate wird durch eigne Gesetze reguliert, die einen Wechsel derselben bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts zulassen und selbst bedingen. Alles dies verhüllt mehr und mehr die wahre Natur des Mehrwerts und daher das wirkliche Triebwerk des Kapitals. Noch mehr geschieht dies durch die Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit und der Werte in Produktionspreise, in die regulierenden Durchschnitte der Marktpreise. Es tritt hier ein komplizierter gesellschaftlicher Prozeß dazwischen, der Ausgleichungsprozeß der Kapitale, der die relativen Durchschnittspreise der Waren von ihren Werten und die Durchschnittsprofite in den verschiednen Produktionssphären (ganz abgesehn von den individuellen Kapitalanlagen in jeder besondren Produktionssphäre) von der wirklichen Exploitation der Arbeit durch die besondren Kapitale losscheidet. Es scheint nicht nur so, sondern es ist hier in der Tat der Durchschnittspreis der Waren verschieden von ihrem Wert, also von der in ihnen realisierten Arbeit, und der Durchschnittsprofit eines besondren Kapitals verschieden von dem Mehrwert, den dies Kapital aus den von ihm beschäftigten Arbeitern extrahiert hat. Der Wert der Waren erscheint unmittelbar nur noch in dem Einfluß der wechselnden Produktivkraft der Arbeit auf Sinken und Steigen der Produktionspreise, auf ihre Bewegung, nicht auf ihre letzten Grenzen. Der Profit erscheint nur noch akzessorisch bestimmt durch die unmittelbare Exploitation der Arbeit, soweit diese nämlich dem Kapitalisten erlaubt, bei den, scheinbar unabhängig von dieser Exploitation vorhandnen, regulierenden Marktpreisen, einen vom Durchschnittsprofit abweichenden Profit zu realisieren. Die normalen Durchschnittsprofite selbst scheinen dem Kapital immanent, unabhängig von der Exploitation; die anormale Exploitation oder auch die durchschnittliche Exploitation unter günstigen Ausnahmsbedingungen scheint nur die Abweichungen vom Durchschnittsprofit, nicht diesen selbst zu bedingen. Die Spaltung des Profits in Unternehmergewinn und Zins (gar nicht zu sprechen von der Dazwischenkunft des kommerziellen Profits und des Geldhandlungsprofits, die auf der Zirkulation gegründet sind und ganz und gar aus ihr und nicht aus dem Produktionsprozeß selbst zu entspringen scheinen) vollendet die Verselbständigung der Form des Mehrwerts, die Verknöcherung seiner Form gegen seine Substanz, sein Wesen. Ein Teil des Profits, im Gegensatz zu dem andren, löst sich ganz von dem Kapitalverhältnis als solchem los und stellt sich dar als entspringend nicht aus der Funktion der Ausbeutung der Lohnarbeit, sondern aus der Lohnarbeit des Kapitalisten selbst. Im Gegensatz dazu scheint dann der Zins als unabhängig, sei es von der Lohnarbeit des Arbeiters, sei es von der eignen Arbeit des Kapitalisten, aus dem Kapital als seiner eignen unabhängigen Quelle zu entspringen. Wenn das Kapital ursprünglich, auf der Oberfläche der Zirkulation, erschien als Kapitalfetisch, werterzeugender Wert, so stellt es sich jetzt wieder in der Gestalt des zinstragenden Kapitals als in seiner entfremdetsten und eigentümlichsten Form dar. Weshalb auch die Form: „Kapital – Zins“ als drittes zu „Erde – Rente“ und „Arbeit – Arbeitslohn“ viel konsequenter ist als „Kapital – Profit“, indem im Profit immer noch eine Erinnerung an seinen Ursprung bleibt, die im Zins nicht nur ausgelöscht, sondern in feste gegensätzliche Form zu diesem Ursprung gestellt ist.
Endlich tritt neben das Kapital als selbständige Quelle von Mehrwert das Grundeigentum. als Schranke des Durchschnittsprofits und als einen Teil des Mehrwerts an eine Klasse übertragend, die weder selbst arbeitet, noch Arbeiter direkt exploitiert, noch sich wie das zinstragende Kapital in moralisch erbaulichen Trostgründen, z.B. dem Risiko und dem Opfer im Wegleihen des Kapitals, ergehn kann. Indem hier ein Teil des Mehrwerts direkt nicht an Gesellschaftsverhältnisse, sondern an ein Naturelement, die Erde, gebunden scheint, ist die Form der Entfremdung und Verknöcherung der verschiednen Teile des Mehrwerts gegeneinander vollendet, der innere Zusammenhang endgültig zerrissen und seine Quelle vollständig verschüttet, eben durch die Verselbständigung der an die verschiednen stofflichen Elemente des Produktionsprozesses gebundnen, Produktionsverhältnisse gegeneinander.
Im Kapital – Profit, oder noch besser Kapital – Zins, Boden – Grundrente, Arbeit – Arbeitslohn, in dieser ökonomischen Trinität als dem Zusammenhang der Bestandteile des Werts und des Reichtums überhaupt mit seinen Quellen ist die Mystifikation der kapitalistischen Produktionsweise, die Verdinglichung der gesellschaftlichen Verhältnisse, das unmittelbare Zusammenwachsen der stofflichen Produktionsverhältnisse mit ihrer geschichtlich-sozialen Bestimmtheit vollendet: die verzauberte, verkehrte und auf den Kopf gestellte Welt, wo Monsieur le Capital und Madame la Terre als soziale Charaktere und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren Spuk treiben. Es ist das große Verdienst der klassischen Ökonomie, diesen falschen Schein und Trug, diese Verselbständigung und Verknöcherung der verschiednen gesellschaftlichen Elemente des Reichtums gegeneinander, diese Personifizierung der Sachen und Versachlichung der Produktionsverhältnisse, diese Religion des Alltagslebens aufgelöst zu haben, indem sie den Zins auf einen Teil des Profits und die Rente auf den Überschuß über den Durchschnittsprofit reduziert, so daß beide im Mehrwert zusammenfallen; indem sie den Zirkulationsprozeß als bloße Metamorphose der Formen darstellt und endlich im unmittelbaren Produktionsprozeß Wert und Mehrwert der Waren auf die Arbeit reduziert. Dennoch bleiben selbst die besten ihrer Wortführer, wie es vom bürgerlichen Standpunkt nicht anders möglich ist, mehr oder weniger in der von ihnen kritisch aufgelösten Welt des Scheins befangen und fallen daher alle mehr oder weniger in Inkonsequenzen, Halbheiten und ungelöste Widersprüche. Es ist dagegen andrerseits ebenso natürlich, daß die wirklichen Produktionsagenten in diesen entfremdeten und irrationellen Formen von Kapital – Zins, Boden – Rente, Arbeit – Arbeitslohn sich völlig zu Hause fühlen, denn es sind eben die Gestaltungen des Scheins, in welchem sie sich bewegen und womit sie täglich zu tun haben. Es ist daher ebenso natürlich, daß die Vulgärökonomie, die nichts als eine didaktische, mehr oder minder doktrinäre Übersetzung der Alltagsvorstellungen der wirklichen Produktionsagenten ist und eine gewisse verständige Ordnung unter sie bringt, grade in dieser Trinität, worin der ganze innere Zusammenhang ausgelöscht ist, die naturgemäße und über allen Zweifel erhabene Basis ihrer seichten Wichtigtuerei findet. Diese Formel entspricht zugleich dem Interesse der herrschenden Klassen, indem sie die Naturnotwendigkeit und ewige Berechtigung ihrer Einnahmequellen proklamiert und zu einem Dogma erhebt“ (MEW 25, 835ff.; meine Hervorhebungen).